Triathlon
Balsam für das Innenleben der leidgeprüften Daniela Ryf

Die Solothurnerin Daniela Ryf atmet nach dem sechsten Rang beim Triathlon-Weltcup-Auftakt auf. Ihr letztes Rennen beendete sie im Juni 2011 - gesundheitliche Probleme warfen die U23-Weltmeisterin aus der Bahn. Nun ist sie wieder zurück - und wie!

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Daniela Ryf kommt in Australien ausgepowert, aber überglücklich ins Ziel.

Daniela Ryf kommt in Australien ausgepowert, aber überglücklich ins Ziel.

Keystone

Die letzte Saison hat bei Daniela Ryf eine tiefe Verunsicherung hinterlassen. Eine schwere Virusinfektion im Magen-Darm-Trakt und die folgende Behandlung mit Antibiotika warfen die zweifache Junioren-Europameisterin, U23-Weltmeisterin, Team-Weltmeisterin, WM-Serie-Vierte und Olympia-Siebte arg aus der Spur.

Seit Anfang Juni 2011 und dem WM-Serie-Rennen in Madrid beendete sie kein Rennen mehr. Zwar erholte sie sich vordergründig, doch vollständig überwunden waren die gesundheitlichen Probleme nicht. Auch in den ersten Wochen dieses Jahres bereitete ihr der Magen immer wieder Sorgen. Als «Auf und Ab» bezeichnete die bald 25-Jährige ihr Befinden.

Erlösendes Resultat

Im Dialog mit ihren Betreuern aber fasste sie einen Entschluss: «Lamentieren bringt nichts, jetzt geht es darum, Leistung zu zeigen.» Und nach zwei guten Trainingswochen an der australischen Gold Coast glückte im Weltcup-Rennen von Mooloolabe das «erlösende Ergebnis»: Platz 6, mitten in der praktisch vollzähligen Weltelite und drei Ränge vor Emma Moffatt, der Weltmeisterin von 2009 und 2010, Olympia-Dritten von 2008 Trainingskollegin von Ryf.

Dieses Resultat stellt mehr als eine Referenz dar. Als «sehr glücklich» bezeichnete sich Ryf anschliessend. Dem grossen Druck vermochte sie Stand zu halten, ein «über weite Strecken starkes Rennen mit einer genialen letzten Laufrunde» glückten ihr.

Damit sorgte sie bei sich und bei Swiss Triathlon für Erleichterung. Olympia, das plötzlich alles andere als sicher erschienen war, wird in dieser Verfassung wieder mehr als realistisch, ebenso der dritte Frauen-Quotenplatz (Nationen 1 bis 8 der Welt) für die Schweizerinnen. Mit einem Top-Ten-Ergebnis beim WM-Serie-Auftakt in Sydney Mitte April will sie nun einen weiteren Schritt in die vorgegebene Richtung tun.

Ihre Zelte aufgeschlagen hat Daniela Ryf seit Januar an der Westküste Australiens. In der hochkarätigen Trainingsgruppe des einheimischen Craig Walton, dem Olympia-Siebten von 2000, fühlt sie sich wohl. Und ihre Trainingskolleginnen Moffatt, Emma Snowsill, Liz Blatchford oder die Junioren-WM-Zweite Ashlee Bailiie sorgen dafür, dass sie stets adäquat gefordert wird und auch im Training weiss, wo sie steht.

«Komfortable Situation»

Durchgeatmet hat aber nicht nur sie, sondern auch die Verantwortlichen von Swiss Triathlon. «Bei den Frauen sind wir plötzlich wieder in einer komfortablen Situation,» sagte Nationalcoach Iwan Schuwey. Neben Ryf meldete sich auch Nicola Spirig eindrücklich zurück – mit dem hervorragenden zweiten Platz in Mooloolaba.