Handball
Babyglück statt Aufstiegsfeier

Ivana Müller-Ravlic, Goalgetterin des Handballvereins Olten, und HVO-Sportchef Christian Müller wurden im August Eltern. «Die beiden passen brutal gut zusammen. Sie teilen die gleiche Leidenschaft und ergänzen sich gut», sagt Co-Präsident Sandro Romeo.

Raphael Wermelinger
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Ivana Müller-Ravlic und Christian Müller geniessen ihre erste Weihnachtszeit als kleine Familie.

Ivana Müller-Ravlic und Christian Müller geniessen ihre erste Weihnachtszeit als kleine Familie.

Bruno Kissling

Sind alle Spielerinnen fit oder gibt es Verletzte? Eigentlich eine Standardfrage vor dem Start in die Aufstiegsrunde im Februar. Umso erstaunlicher die Antwort von Oltens Trainer André Bichsel: «Ivana wird uns leider fehlen.»

Ivana Müller-Ravlic? Die Leaderin des Teams und mit 129 Toren, die mit Abstand beste Skorerin der Qualifikation? «Es ist eine Frauensache», rang der Trainer nach einer Erklärung. «Natürlich nicht nur eine Frauensache. Auf jeden Fall ist es ein schöner Grund. Ich weiss aber nicht, ob es schon offiziell ist.»

Bichsels Team wusste auch ohne die langjährige SPL1-Spielerin und dreifache Schweizer Meisterin zu überzeugen. Es lag nach zwei Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen auf Kurs Richtung SPL1. «Ich habe sehr fest mitgelitten», sagt die 28-Jährige. «Es ist immer hart, nur zuschauen zu können, ob verletzt oder schwanger. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es gereicht hätte für den Aufstieg.» Stattdessen wurde die Saison im März abgebrochen.

Viele gemeinsame Stunden «dank» der ersten Welle

Auch Christian Müller war als Co-Trainer und Sportchef der HVO-Frauen direkt involviert. «Aus sportlicher Sicht war das Jahr 2020 eine absolute Katastrophe», sagt er. «Wir hätten den Aufstieg geschafft.» Privat hätte das Jahr indes kaum besser laufen können. Ivana und er hatten während der ersten Coronawelle im Frühling viel Zeit, sich gemeinsam auf die anstehende Geburt vorzubereiten. «Ich bin noch nie so viel auf dem Fahrrad und am Spazieren gewesen wie in diesem Jahr», sagt er.

Am 25. August war es so weit: Nino erblickte das Licht er Welt. «Es war keine einfache Geburt, aber es ist am Ende alles gut gegangen. Alle sind gesund», sagt die Mutter. Die Eltern hatten Glück, dass sich die Coronasituation im Sommer entspannte. Nur zwei Besucher pro Tag waren im Spital zugelassen, ansonsten gab es kaum Einschränkungen. Wie sie auf den Namen Nino kamen, wissen die beiden nicht mehr so genau. «Bei einem Mädchen hätten wir weniger Mühe gehabt», sagt er. «Es war uns wichtig, dass der Name auf Kroatisch und auch auf Deutsch gleich ausgesprochen wird.»

Vor gut 13 Jahren lernten sich die frisch gebackenen Eltern kennen. Natürlich über den Handballsport – Christian war Ivanas Trainer in Zofingen. «Wir blieben danach in Kontakt. Wann es genau gefunkt hat, kann ich nicht mehr sagen», blickt Müller-Ravlic zurück. Offiziell ein Paar sind die beiden seit dem Jahr 2011. Sie schätzt an ihm insbesondere seine grosse Toleranz, die Ruhe und die Zielstrebigkeit. «Sie ist vom Charakter her das Gegenteil von mir. So ergänzen wir uns optimal und profitieren voneinander», sagt er.

Im Sommer 2018 kehrten die beiden zum HVO zurück. Hier hatte Müller-Ravlic ihre handballerische Ausbildung genossen. Über Zofingen machte sie den Schritt zum LK Zug, für den sie ab 2011 sieben Saisons absolvierte. 541 Treffer erzielte sie in 180 Spielen in insgesamt neun Jahren in der höchsten Liga. Christian Müller zeichnete zwischen 2012 und 2015 für die HVO-Männer verantwortlich. Vor seiner Rückkehr im Sommer vor zwei Jahren war er im Nachwuchs des LK Zug engagiert.

Im vergangenen Jahr heiratete das Paar. Auch bei den Gästen blieb das Fest in bester Erinnerung. «Die Hochzeit war eine Granate», sagt Trauzeugin Jana Wyss, die 2000 zusammen mit Ivana in Trimbach mit Handball begann. Jetzt sind sie Teamkolleginnen beim HVO. «Ich habe die zwei noch nie so losgelöst gesehen. Es war die perfekte kroatisch-schweizerische Mischung. Die Party war bereits in vollem Gang, als wir mit dem Brautpaar von der Kirche kamen. Alle tanzten, es war ein richtig cooles Fest, das alle mitgerissen hat.»

Sie arbeitet an der Rückkehr auf die Platte

HVO-Co-Präsident Sandro Romeo war Trauzeuge im Mai des vergangenen Jahres. «Ich war mit Christian Trainer in Zofingen, so um 2008 herum», sagt er. «Mittlerweile sind wir gute Freunde. Er und Ivana passen brutal gut zusammen. Sie teilen die gleiche Leidenschaft und ergänzen sich gut; sie ist temperamentvoll, er eher überlegt.»

Bei der Planung des Nachwuchses sei der Vorstand des HV Olten natürlich nicht involviert gewesen. «Dass Ivana ein paar Spiele verpasst hat, ist egal. Die Hauptsache ist, dass es geklappt hat und alle gesund sind.» Er sei gespannt, wann der Kleine zum ersten Training erscheine.

Da gehen die Meinungen allerdings etwas auseinander. Ivana fände es «megacool, wenn Nino ein Handballer wird». Christian würde es dagegen begrüssen, wenn der Kleine eine andere Leidenschaft entwickelt. Klar ist hingegen, dass Ivana schon bald wieder spielen wird. Momentan arbeite sie fleissig an ihrer Kondition. «Ich will unbedingt wieder spielen, das war für mich immer klar», sagt sie. Und Christian ergänzt lachend: «Das war ihre Bedingung für ein Kind: Dass wir uns so organisieren, dass sie nach der Geburt wieder spielen kann.»