Der «Chef» der Solothurner Schiedsrichter, Thomas Peduzzi, stellte den Präsidenten und Trainern der elf Solothurner 2.-Liga-Klubs ein schweizweites Pilotprojekt vor. Dies am Samstagmorgen im Hotel Al Ponte in Wangen an der Aare. Die Idee hinter dem Debriefing: «Die Zusammenarbeit zwischen den Schiedsrichtern und den Trainern, das Verständnis füreinander und das Klima auf den Plätzen zu verbessern.»

Der SOFV nimmt mit dem Projekt eine nationale Vorreiterrolle ein. Bei erfolgreichem Verlauf soll es auch in anderen Regionalverbänden Schule machen.

Mehr Austausch mit dem Schiedsrichter

Der Initiator ist Thomas Peduzzi, der Präsident der Schiedsrichter-Kommission des SOFV. Wobei er sogleich klarstellte, dass vielmehr die Vereine für die Lancierung verantwortlich waren. «Viele Klub-Verantwortliche äusserten den Wunsch nach einem Gefäss für den Austausch mit den Schiedsrichtern. Deshalb hat der Verband den Ball aufgenommen und ein geeignetes Gefäss erarbeitet.»

Erstmals gezeigt habe sich das Bedürfnis während der Präsidenten-Konferenz im November 2017. Im letzten Juni wurden an einem Workshop der Schiedsrichter-Kommission die Details des Projekts, das vom Technischen Leiter Claudio Taddei und Martin Hert begleitet wird, ausgearbeitet.

Gegenseitiges Verständnis

«Das Projekt ist in der Schweiz ein Novum. Ich bin überzeugt, dass es einen Mehrwert bring», sagte Peduzzi. Er merkte an, dass es auf den Fussballplätzen unter Emotionen und aufgrund der verschiedenen Rollen und Sichtweisen der Protagonisten zu Konflikten komme.

«Unsere Idee ist es, deeskalierend einzugreifen und auch allfälligen Bussen vorzubeugen», erklärte Peduzzi. «Das Ziel lautet, gegenseitiges Verständnis füreinander zu schaffen. Auf den Plätzen soll anständig miteinander geredet werden.» Sich nach den Spielen in die Augen schauen und die Hand reichen, gehöre zum guten Ton.

Ein 15-minütiges Gespräch

Konkret passt der SOFV ab der Saison 2019/20 einerseits das Ritual vor dem Spiel an. Neu stellen sich die beiden Teams nicht mehr auf der Mittellinie, sondern vor dem Anspielkreis auf. «Nach dem Handshake der Captains gehen die Trainer und das Schiedsrichter-Trio aufeinander zu und begrüssen sich per Handschlag auf dem Platz», schilderte Peduzzi das zukünftige Prozedere. «Das ist bereits das erste Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung.»

Kernpunkt des Projekts ist, wie der Name schon andeutet, das Gespräch nach den neunzig Minuten. Daran nehmen die beiden Trainer und das Schiedsrichter-Trio teil. Das Résumé soll eine knappe Viertelstunde dauern. Jede Partei hat fünf Minuten Zeit, seine Anliegen vorzubringen. Strittige Spielsituationen, einzelne Entscheide oder auch das Verhalten der Beteiligten während der Partie sollen dabei analysiert werden. «Wir erwarten respektvolle, sachliche und keine beleidigenden Gespräche», sagte Thomas Peduzzi. Die «Debriefings» werden in der Testphase von SOFV-Vertretern moderiert.

Der richtige Ansatz

«Wir erhoffen uns vom Projekt, dass wir gemeinsam den Austausch, den gegenseitigen Respekt und auch das Verständnis füreinander verbessern können» , fasste Peduzzi zusammen. «Die Schiedsrichter sollen sich nach den Spielen wieder vermehrt in der FC-Beiz zeigen können, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben.»

Die Reaktionen der zahlreich erschienenen Trainer, Präsidenten und Schiedsrichter waren durchweg positiv. Gänzlich zügeln könne man die Emotionen allerdings nicht, meinte ein Trainer. Ein anderer: «Mehr miteinander zu reden, ist der richtige Ansatz. Ein sauberer Abschluss nach jedem Match ist sinnvoll. Damit man sich unbefangen wiedersehen kann.»