Eishockey NLB
Aufbaugegner Thurgau – das war einmal!

Der EHC Olten muss sich beim Tabellenschlusslicht mit 3:6 diskussionslos geschlagen geben. Die Oltner vermittelten einen nonchalanten Eindruck und vergaben somit den Sprung auf Rang vier.

Michael Forster
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Topscorer Derek Damon findet die Lücke und erzielt das 2:1 für Hockey Thurgau.

Topscorer Derek Damon findet die Lücke und erzielt das 2:1 für Hockey Thurgau.

Adriana Gubler

Zweimal in dieser Saison hatte sich Hockey Thurgau als «idealer Aufbaugegner» (Originalton Adrian Fetscherin, Geschäftsführer der Ostschweizer) für die Oltner erwiesen: nach drei Niederlagen zu Saisonbeginn sowie im ersten Spiel nach der Ära Beattie. Es waren zwei deutliche Auswärtssiege zur richtigen Zeit für den EHC Olten, der gestern mit einem erneuten Vollerfolg die noch immer recht kleine Chance auf das Playoff-Heimrecht hätte wahren können. Es zeigte sich aber bald, dass die Gäste mit einem dritten Entgegenkommen nicht mehr rechnen konnten. Schliesslich ging es für Thurgau um deutlich mehr, sprich die Qualifikation für die Playoffs. Und dies war in der Güttingersreuti ganz offensichtlich das bessere Argument.

Zwar gehörte die erste elegante Aktion des Abends Tim Weber, doch der Oltner verpasste die Führung nach einer Zeigerumdrehung ebenso wie zwei Minuten später Diego Schwarzenbach, welcher im letzten Moment – allerdings nur mittels Stockschlag – gebremst werden konnte. Weil das Kombinationsspiel zu wenig gut funktionierte und auf der kämpferischen Ebene ein mehr als ebenbürtiger Gegner wartete, versuchte man es beim EHCO immer wieder mit Distanzschüssen. Doch ohne Erfolg, weil einige Versuche das Ziel knapp verfehlten oder dann eine Beute von Dominic Nyffeler wurden.

Damon trifft doppelt

Mit Schüssen aus der Distanz erfolgreich waren dagegen die Thurgauer. Zuerst profitierte Topscorer Derek Damon davon, dass ihn die Oltner Paradelinie gewähren liess, und dann doppelte er in Überzahl nach. Diesmal profitierte der Kanadier von der perfekten Mitarbeit seiner Linienkollegen, welche EHCO-Keeper Thomas Bäumle komplett die Sicht nahmen. Das 2:1 symptomatisch für den gesamten gestrigen Auftritt der Oltner, welche die besten Plätze meistens dem Gegner überlassen mussten und zu wenig überzeugt und konsequent für ebenjene Positionen arbeiteten.

Dabei war die Welt zwischenzeitlich wieder in Ordnung für den Tabellenfünften, der, nach einem Missverständnis in der Thurgauer Defensive, durch Schneuwly zum 1:1 ausgleichen konnte. Daneben gaben jedoch die Gastgeber den Ton an, verbuchten ein deutliches Plus an Chancen und gingen, kaum war in Abschnitt zwei wieder angespielt, folgerichtig mit 3:1 in Führung. Allerdings halfen die Oltner kräftig nach, mit einem ärgerlichen Puckverlust an der Bande und dem anschliessenden Ablenker von Ganz ins eigene Tor. Doch Fehler passierten auch aufseiten der Ostschweizer. Nyffeler, ansonsten ein solider Rückhalt, griff in der 27. Minute daneben und ermöglichte Wüst den Anschluss zum 2:3.

Es war ein frühes, letztes Aufflackern der Gäste, welche mit dem 2:4 nach 34 Minuten, kassiert in Überzahl (es war bereits der vierte Shorthander der Thurgauer in dieser Qualifikation gegen Olten), noch gut bedient waren: Schwarzenbach verlor an der gegnerischen blauen Linie die Scheibe an Thurgau-Ausländer Tyler Spurgeon, und dieser stellte den 2-Tore-Vorsprung im Alleingang wieder her. Dass der Kanadier sogar noch einen mitlaufenden Kollegen hätte bedienen können, zeigt, wie ungenügend das Rückwärtsorientieren auch in dieser Szene wieder war.

EHCO zu nonchalant

Auf die längst fällige Reaktion der Gäste wartete man im letzten Abschnitt vergebens. Bahar, Küng, Andersons und Spurgeon vergaben im Minutentakt, ehe letzterer doch noch traf – und mit seinem Powerplay-Treffer nach 51 Minuten die Entscheidung herbeiführte. Zwar verkürzte Truttmann in Überzahl noch einmal auf 3:5 und traf damit auch im sechsten Aufeinandertreffen mit Thurgau zumindest einmal.

Am Gesamteindruck, dass die Gäste den Auftritt in der Ostschweizer viel zu nonchalant angingen und damit leichtfertig den Sprung auf Rang vier vergaben, änderte dieses persönliche Erfolgserlebnis nichts mehr – zumal Bahar eine Minute vor Schluss gar noch zum 6:3 traf. Damit hatten die Oltner in diesem wohl letzten Vergleich mit Thurgau gleich viele Tore kassiert wie in den fünf Spielen zuvor in dieser Saison.