2 Spiele, 0 Skorerpunkte, Minus-3- Bilanz. Es sind keine besonders herausragenden Zahlen, die Simon Lüthi in seiner EHCO-Debüt-Woche während der Spiele gegen Winterthur (4:3) und Visp (5:6) gesammelt hat.

Und dennoch verbirgt sich hinter der Statistik, aus welcher der 31-Jährige pure Glücksgefühle lesen kann, etwas Spezielles: Endlich steht Simon Lüthi nach abermals langer Leidenszeit wieder auf dem Eis.

Endlich darf er wieder Pflichtspiele bestreiten, nachdem er als Oltner Neuzugang zuvor 17 Qualifikationsspiele wegen einer hartnäckigen Knieverletzung hatte verletzt zuschauen müssen.

Spricht man mit dem Emmentaler, sieht man dem ruhigen, zurückhaltenden Verteidiger die Erleichterung eines geglückten Comebacks an.

«Ich hatte mich enorm auf das erste Spiel gefreut. Man gehört wieder einmal so richtig zur Mannschaft und muss nicht nur ewig alleine Off-Ice-Trainings absolvieren. Aber es war meinerseits auch noch ein Abtasten. Ich befinde mich noch immer im Aufbau. Wie viel liegt drin? Wo sind die Grenzen?», bilanziert Lüthi und ergänzt anspruchsvoll: «Auf Topniveau bin ich sicher noch nicht, aber der Schritt war enorm wichtig. Jetzt muss ich mich noch steigern.»

Lüthi, der bereits 2003 bis 2005 insgesamt 81 Spiele für den EHCO bestritten hatte, sagt es wohlwissend um die Position im Team. Denn die Dreitannenstädter haben Lüthi – mit 498 NLA-Spielen für die SCL Tigers und den EV Zug im Gepäck – als Teamleader, als wichtigen Pfeiler im Teamkonstrukt auf dem Weg nach oben, geholt.

«Simon steigert sich von Tag zu Tag. Er ist ein sehr wichtiger Spieler und wird sowohl in der Defensive wie auch in der Offensive eine wichtige Rolle einnehmen. Ich freue mich, können wir auf ihn zählen. Aber seine Gesundheit geht vor. Wir wollen nichts überstrapazieren», sagt Trainer Bengt-Ake Gustafsson über seinen Verteidiger, welcher mit 1,80 m und 88 kg bekannt ist für sein robustes Spiel, über eine überdurchschnittliche Passfähigkeit sowie einen kräftigen Schuss verfügt.

Immer wieder zurückgekämpft

Doch bis zu einer solch gewichtigen Stammkraft ist es noch ein langer Weg. Schliesslich liest sich die Verletzungsakte von Simon Lüthi wie das Drehbuch eines schlechten Horrorfilms: Innenbandriss, Kreuzbandriss, später Meniskus- und Knorpelschaden im rechten Knie.

Man fragt sich: Wie erlangt man bloss nach solch schwerwiegenden Verletzungen wieder die Kraft, sich zurückzukämpfen, ja den Spass am Eishockey nicht zu verlieren? Mit einer erstaunlichen Leichtigkeit sagt Lüthi: «Als Eishockeyspieler will man spielen und unternimmt alles, damit man wieder auf dem Eis stehen kann.»

Rückblende: Am 2. Januar 2015 verletzt er sich im Dress des EV Zug beim Auswärtsspiel in Biel am Knie. Eine MRI-Untersuchung zeigt den Riss des Innenbandes im rechten Knie. Die Ärzte verordnen ihm eine Pause von rund sechs Wochen.

Lüthi kämpft sich rechtzeitig zum Auftakt der Playoffs zurück, verewigt sich im ersten Spiel einer physisch wilden Viertelfinalserie gegen den späteren Meister Davos als Torschütze.

Doch im Nachgang der Saison wird Lüthi mit einer weiteren Diagnose konfrontiert: Kreuzbandriss!

Es wird bekannt, dass man aufgrund der Playoffs versucht hatte, das verletzte Knie mittels Muskelaufbau zu stabilisieren, sodass ein operativer Eingriff im angerissenen Kreuzband nicht nötig gewesen wäre.

Schliesslich wird eine Operation doch unumgehbar, weshalb Lüthi den Start der Saison 2016/17 verpasst und erst im Januar wieder zum Einsatz kommt. Spurlos geht die spielfreie Zeit nicht an ihm vorbei.

Er kann beim EV Zug nicht mehr an jenen Einfluss anknüpfen, den er noch in den Jahren zuvor genoss, und figuriert im Rahmen des Aufbaus sogar zwei Spiele auf dem Matchblatt der EVZ Academy.

Im Frühjahr dieses Jahres beschliesst Lüthi im Gleichschritt mit dem Abschluss des EHCO-Transfers, sich erneut unter das Messer zu legen. Der Knorpelschaden wird behandelt und erweist sich im Nachgang als besonders hartnäckig.

Statt eines pünktlichen Saisonstarts mit dem EHCO ist plötzlich noch mehr Geduld gefragt. Doch nun will er ein weiteres leidvolles Kapitel endgültig abschliessen – mit dem Ziel National League im Hinterkopf: «Ich habe immer in der NLA gespielt und will wieder dorthin zurück. Es wäre grossartig, könnten wir es hier in Olten schaffen», sagt Lüthi und gibt sogleich das Rezept bekannt: «Wir müssen unser Spiel endlich über 60 Minuten durchziehen und zu unserer Konstanz finden. Darauf lässt sich dann aufbauen.»

Heute heisst die Hürde EVZ Academy. Der Ex-Zuger weiss: «Eine junge, hungrige Truppe, die Gas gibt. Wir müssen sie wegarbeiten, das Spiel schnell machen und viel laufen. Wir müssen unsere Cleverness ausspielen.»

Er muss es wissen, hat er doch seine Teamkameraden genug lange von der Tribüne analysieren können.