Keine 12 Stunden nach den überwältigenden Emotionen sind die EHCO-Spieler wieder in der Garderobe versammelt und vereint. Sie zeigen sich selbstredend gut gelaunt. Mit der 3:2-Führung in der Serie lässt sich gewiss einfacher leben.

Auf dem Trainingsplan steht vor allem eines: Aktive Regeneration. Jeder tut, was er für richtig hält. Die einen strampeln auf dem Velo, um sich die Beine zu lockern.

Andere – knapp die Hälfte des Teams – entscheiden sich für eine auflockernde Einheit auf dem Eis mit spielerischen Passübungen oder unterhaltsamem «Mätschle» auf Torhüter Simon Rytz.

Instabiles Teamgerüst

Was ist das für eine verrückte Serie! Man fühlt am Donnerstagmorgen – wenige Stunden nach dem irrsinnigen 4:3-Revancheabend – noch immer die Erleichterung förmlich durch das weite Rund des Kleinholz-Stadions herumtanzen.

Dabei landete der EHC Olten am Mittwochabend schlagartig binnen weniger Minuten im Modus der Ernüchterung, des Frusts, der Verzweiflung.

Mit einem Doppelschlag innert 27 Sekunden hatte der HC Thurgau aus den ersten drei Chancen kaltschnäuzig zwei Tore erzielt. So hatte sich der EHCO den Heimauftritt nach der 5:6-Niederlage nicht vorgestellt.

«Es war wie schon so oft in dieser Saison: Es ist frustrierend und macht es unglaublich schwierig, einem Rückstand hinterherzurennen, wenn man weiss, dass man mehr Spielanteile hat und eigentlich besser ist als der Gegner», erklärt Verteidiger-Hüne Tim Bucher.

Nach dem 0:3 zur Spielhälfte versuchte sich zudem, auf der Oltner Bank die Resignation einzunisten. Der EHCO kämpfte, rackerte, machte jeden Check fertig und versuchte sich schliesslich über diese Zermürbungstaktik ins Spiel zurück zu beissen.

Playoffspiel 5, EHC Olten - HC Thurgau: Die Highlights

Und dennoch nahm die letzte Konsequenz minütlich stärker ab. Mal rutschte eine Scheibe über die Schaufel, mal ging die letzte Überzeugung eines Schusses auf halber Strecke verloren. Die Verunsicherung aus der Qualifikation scheint noch im einen oder anderen Hinterkopf der EHCO-Spieler zu sein.

«Wir wissen, dass es manchmal nicht viel braucht, dass wir wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Aber gerade so schnell sind wir auch wieder da», sagt Marc Grieder, Oltens erfahrene Leaderfigur: «Wir müssen in diesen Situationen noch konstanter werden. Uns auf unsere Leistung konzentrieren und einfach weiter hart arbeiten. Irgendwann wird man dafür belohnt.»

Das leise Lob an den Gegner

Es brauchte wenig und doch so viel für den Erfolg: MacGregor Sharps hart erarbeiteter 1:3-Treffer liess das Feuer im Kleinholz wieder entfachen, den Glauben an das Unmögliche zurückzubringen. «Nach diesem Tor waren auch die Zuschauer da und haben uns zum Ausgleich getragen. Manchmal führt das eine zum anderen», so Bucher. Der Rest ist bekannt. Eine Achterbahnfahrt, die an die Nerven geht.

Überwältigend: EHCO-Stürmer Jewgeni Schirjajew nach dem 4:3-Tor.

Überwältigend: EHCO-Stürmer Jewgeni Schirjajew nach dem 4:3-Tor.

Eine, die aber auch immer wieder verursacht wird von einem starken, unberechenbaren Gegner. Der EHC Olten tut sich insbesondere mit Thurgaus Powerlinie um die beiden omnipräsenten Ausländer Jaedon Descheneau und Cam Braes sowie Toms Andersons (oder auch Andri Spiller) schwer, die in jedem Spiel nahe an die 30-Minuten-Eiszeit-Marke kommt.

«Sie machen es sehr gut und sind im Abschluss extrem effizient. Wir müssen diese Linie noch besser in den Griff bekommen», spricht Tim Bucher ein leises Lob an den Gegner aus.

«Wir sollten gegen sie noch einen Zacken aggressiver spielen.» Das mache es aber aufgrund des riesigen Gefälls im Thurgau-Kader schwierig, weil man eine gesunde Balance zwischen offensivem Pressing und defensiver Stabilität finden müsse. Findet der EHCO diese Balance nicht, wird der HC Thurgau stets mit Konterangriffen äusserst gefährlich.

Zurück zum Kartenhaus: Trainer Chris Bartolone scheint keine explizite Lösung aus dem Rucksack zaubern zu können, wie man das instabile Oltner Kartenhaus festigen könnte.

Ausser seinem Credo, das nicht treffender als zu dieser EHCO-Truppe passen könnte: «In den Playoffs darf man nicht zu hoch fliegen und nicht zu tief fallen.» Noch bewegt sich der EHC Olten auf sehr dünnem Eis.