«Die Schwinger treffen ins Schwarze.» So lautete das Motto am Mittwochabend im Schützenhaus in Zuchwil. Rund zwei Dutzend aktive und ehemalige Schwinger sowie Funktionäre nahmen am Kick-off-Event für das Eidgenössische Feldschiessen 2016 teil. Dass sich die Schwinger mit den Schützen verbündeten, kommt daher, dass am Wochenende nicht nur um die Kränze geschossen, sondern auch geschwungen wird. Am Sonntag geht nebst dem Feldschiessen auch das 120. Solothurner Kantonal-Schwingfest in Walterswil über die Bühne. Eines gleich vorneweg: Die «Bösen» werden auf dem Schwingplatz definitiv eine bessere Figur machen als im Schiessstand.

«Schiessen und Schwingen sind zwei der traditionsreichsten Sportarten in der Schweiz.» Mit diesen Worten begrüsste Matthias Graber, der beim Solothurner Schiesssportverband (SOSV) für die Durchführung des Feldschiessens verantwortlich ist, die illustre Schar der Schwinger. Darunter die Eidgenossen Gisler Bruno, Zurfluh Damian und Zindel Thomas (nicht mehr aktiv) sowie die Kranzschwinger Stüdeli Thomas, Hauri Urs, Blatter Lorenz und Nyffeler Christoph. Der 32-jährige Rumisberger Gisler zählt am Sonntag in Walterswil zu den grossen Favoriten, beim Schiessen am Mittwoch musste er sich indes noch mit 53 Punkten und dem sechsten Platz begnügen.

«Ich hoffe, dass ihr kurz vor dem Kantonalen den Kopf durchlüften könnt und das Schiessen euch für den Sonntag die nötige Lockerheit bringt», wünschte Graber und beendete seine Ansprache mit den Erklärungen zum Ablauf des Feldschiessens. Trotzdem gab es noch Unklarheiten bei den Schwingern. «Wie siehts denn mit Probeschüssen aus?», wollte einer wissen. «Probeschüsse gibt es nicht beim Feldschiessen», klärte Hansruedi Affolter auf. Er ist Schützenmeister des Bezirks Solothurn-Zuchwil und diente den Schwingern am Mittwoch als Instruktor. «Darf ich noch ein «Angstbisi» machen?», verspürte einer der Schwinger plötzlich noch ein ganz anderes Bedürfnis. Dann gings ab in den Schiessstand.

Dort zeigte sich sofort, dass gute Schwinger nicht automatisch auch gute Schützen sind. Einige hatten noch nie zuvor ein Sturmgewehr in der Hand gehalten und benötigten daher noch einen Schnellkurs von Hansruedi Affolter. «Dann muss ich auch noch die richtige Scheibe treffen», kam aus dem Rund der Anfänger. Gelächter der anderen war die Reaktion. Affolter meinte dazu: «Das wäre schon das Ziel, ausser du willst deinem Nebenmann das Resultat ruinieren.»

Als sich alle Schwinger allmählich mit ihrem Gewehr vertraut gemacht hatten, erklärte Affolter das Prozedere des Feldschiessens: Es beginnt mit sechs Einzel-Schüssen. Für jeden Schuss hat man sechzig Sekunden Zeit. Danach müssen zweimal drei Schüsse abgegeben werden, jeweils innert einer Minute. Zum Abschluss sechs Schüsse innert einer Zeigerumdrehung. «Sorry, wie lange habe ich Zeit zum Zielen?», fragte einer der bereits im Schiessstand Liegenden nach. «Keine Angst, sie sagen einem vorzu alles, was man machen muss. Das ist wie im Dienst damals», beruhigte Heinz Hammer, der Präsident des Solothurner Schiesssportverbands schmunzelnd.

Dann gings blitzschnell. Keine halbe Stunde dauerte es, und die Schwinger hatten das Feldschiessen absolviert. Der Trainer war am erfolgreichsten: Blatter Andreas, Technischer Leiter der Aktiven beim Solothurner Kantonalen Schwinger-Verband (SKSV), holte sich mit dem Resultat von 58 Punkten den Kranz. Weniger gut liefs Beat Schumacher, dem Präsidenten des SKSV. Er belegte mit 35 Punkten den Schlussrang, nahms aber mit Humor: «Schwinger haben genug Kraft und brauchen daher keine Waffe.» Vor dem kulinarischen Teil richtete Matthias Graber noch ein paar Schlussworte an die Schwinger: «Dafür, dass ihr ins kalte Wasser geworfen wurdet, habt ihr es sehr ordentlich gemacht. Ich hoffe, die Kränze holt ihr am Sonntag.»

Die Schwinger genossen den Anlass. Wenige Tage vor dem Kantonalen noch einmal auf andere Gedanken zu kommen und lockere Sprüche zu klopfen, tat den «Bösen» offensichtlich gut. Die Schützen auf der anderen Seite werden hoffen, dass der Spiess nicht bald einmal umgedreht wird. Es wäre auf jeden Fall spannend, zu sehen, wie sich die Schützen im Sägemehl gegen die Schwinger schlagen.