Eishockey
Arosa statt Burgdorf: Meister Zuchwil Regio zieht sich aus der 1. Liga zurück!

Der langjährige Präsident des EHC Zuchwil Regio, Walter Ulrich, sagt es deutlich: «Diese Einteilung ist die Zerstörung unseres Klubs.» Weshalb? Der Meister der 1. Liga Zentralgruppe wurde bei der neuen Mannschafts-Einteilung in die neu gebildete Ostgruppe eingeteilt. Für die Verantwortlichen verständlicherweise ein No-go. Aus vielerlei Gründen.

Marcel Kuchta
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Eben noch Meister der Zentralschweizer 1.-Liga-Gruppe, jetzt vor dem freiwilligen Rückzug: Der EHC Zuchwil Regio

Eben noch Meister der Zentralschweizer 1.-Liga-Gruppe, jetzt vor dem freiwilligen Rückzug: Der EHC Zuchwil Regio

Hans Peter Schläfli

In der jüngst zu Ende gegangenen Erstliga-Saison wurde der EHC Zuchwil Regio Meister in der Zentralgruppe und war am Ende das drittbeste Team der ganzen Liga. Jetzt zieht sich der Verein aus der 1. Liga zurück. Weil es in der nächsten Saison nur noch zwei Zonen gibt und Zuchwil in die Ostgruppe eingeteilt wurde. «Diese Einteilung ist die Zerstörung unseres Klubs. Uns trifft es am schlimmsten», so Präsident Walter Ulrich. «Lyss, Burgdorf, Adelboden und Unterseen-Interlaken sind in der Westgruppe. Damit verlieren wir auch noch die restlichen Derbys.»

Das ist die neue 1. Liga-Gruppeneinteilung:

Teilnehmer 1. Liga Gruppe Ost

- Argovia Stars

- EHC Arosa

- GDT Bellinzona

- EHC Frauenfeld

- SC Herisau

- Pikes EHC Oberthurgau

- HC Prättigau-Herrschaft

- Red Lions Reinach

- SC Rheintal

- EHC Uzwil

- EHC Wetzikon

- EC Wil

- EHC Zuchwil-Regio

Teilnehmer 1. Liga Gruppe West

- EHC Adelboden

- EHC Burgdorf

- HC Franches-Montagnes

- Genève-Servette Association

- SC Lyss

- HC Red Ice Martigny

- CP Meyrin

- HC Uni Neuchâtel

- EHC Saastal

- HC Saint-Imier

- SC Unterseen-Interlaken

- HC Vallée de Joux

- HC Villars

- HC Yverdons-les-Bains

Die MySports-League als Anfang vom Ende

Angefangen habe der Untergang mit der Gründung der MySports-League im Vorjahr. «Vier Klubs aus der Region wurden uns weggenommen.» Brandis, Wiki-Münsingen, Thun und Basel gingen in die neu gebildete Liga. «Wir mussten dadurch einen grossen Zuschauerverlust hinnehmen», so Ulrich.

Kommentar: Wie man sich die Basis zerstört

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Mann wie Walter Ulrich hegt und pflegt seit 28 Jahren seinen 1. Liga-Eishockeyklub. Der EHC Zuchwil-Regio ist eine Institution auf vierthöchster (lange Zeit dritthöchster) Ebene, durfte immer wieder schöne, sportliche Erfolge feiern (wie kürzlich den Meistertitel der zentralen 1.Liga-Gruppe) und fungierte auch als zuverlässiger Partner des Swiss-Ligisten EHC Olten, der in Zuchwil seinen jungen Spielern Spielpraxis geben konnte.

Dann kamen findige Verbands-Technokraten auf die Idee, mit der MySports-Liga vielen Klubs den sportlichen Nährboden zu entziehen. Zuchwil-Regio verlor viele, attraktive Gegner, bekam dafür denkbar unattraktive Gegner wie die "künstlich" entstandenen, hoffnungslos überforderten Red Lions Reinach.

Und jetzt kam der nächste Tiefschlag. Nach der nächsten Re-Organisation der 1. Liga, welche künftig in eine West- und eine Ost-Gruppe eingeteilt wird, stehen die Zuchwiler komplett im Abseits. Statt gegen Burgdorf oder Lyss sollte man in Zukunft gegen Arosa oder Rheintal spielen.

Das ist - mit Verlaub - kompletter Unsinn. Und damit hat sich der Eishockey-Verband, genauer die Regio League, als komplett realitätsfremd erwiesen. Eishockey ist per se schon eine teure Sportart. Also muss man doch alles daran setzten, dass wenigstens die Basis in einem Umfeld agieren kann, welches das Überleben garantiert. Bei solchen entscheiden muss man sich nicht verwundern, wenn eben diese Basis mutwillig zerstört wird.

Mit der neuen Einteilung in die Ostgruppe der 1. Liga wäre es für die Zuchwiler noch schlimmer geworden. In der kommenden Saison hätten Gegner wie Arosa, Bellinzona oder Prättigau gewartet. Nicht nur die Zuschauer, auch die Sponsoren und die Medien verlieren laut Ulrich immer mehr das Interesse. Zudem sei der Aufwand für den Grossteil der Spieler nicht mehr tragbar. Auch für Trainer Manfred Reinhard nicht. Vor allem punkto Reisezeit, welche massiv grösser wird.

Die Medienmitteilung des EHC Zuchwil Regio im Wortlaut

Traurige Nachricht vom EHC Zuchwil Regio

Schon lange erwarteten wir den Bericht vom Verband, wer wo eingeteilt wird für die nächste Saison. Nun haben wir am Sonntag, 22.04.2018 den Entscheid erhalten, dass wir in der Ostgruppe eingeteilt sind. Wir haben vor und nach dem Entscheid noch alles Menschenmögliche per E-Mail und telefonisch unternommen, um auch in die Westgruppe eingeteilt zu werden, aber leider ohne Erfolg.

Nach diesem Entscheid vom Sonntag ist für uns alles klar, dass wir in Zukunft nicht mehr in der 1 Liga spielen werden. Begründung: Angefangen hat alles bei der Gründung der MySports League, da sind uns vier RegionaleMannschaften aus der Region weggenommen worden mit denen wir grosse Derbys spielten, EHC Brandis, EHC Wiki-Münsingen, EHC Thun, EHC Basel. Somit hatten wir diese Saison einen grossen Zuschauerverlust hinnehmen müssen, es gab mehrere Spiele da konnten wir mit den Einnahmen die Schiedsrichterkosten nicht bezahlen.

Nun geht es weiter und uns trifft es am schlimmsten, unsere regionalen Partnerclubs SC Lyss, EHC Burgdorf, EHC Adelboden, EHC Unterseen sind in der Westgruppe eingeteilt, somit gehen noch unsere restlichen Regionalen-Derbys verloren. Die Einteilung in die Ostgruppe ist die totale Zerstörung unseres Clubs. Unsere regionalen Sponsoren haben an uns kein Interesse mehr, wer interessiert es schon bei uns Werbung zu machen, wenn wir gegen den EHC Arosa, GTD Bellinzona, SC Rheintal, HC Thurgau oder HC Prättigau-Herrschaft etc. spielen? Auch von der Presse hat niemand mehr Interesse an uns, weil alles überregional ist, und in unserer Region niemand Interesse hat an diesen Clubs, weit im fernen Osten.

Der grösste Teil unserer Spieler Arbeiten 100%, auch für sie ist es zum grössten Teil nicht mehr möglich diesen Aufwand zu betreiben, da auch zum Teil der Arbeitgeber nicht einverstanden ist. Auch unserem Trainer Manfred Reinhard ist es nicht möglich, neben seiner anspruchsvollen Arbeit so viel Reisezeit auf sich zu nehmen. Von den Gastclubs von Arosa, Thurgau, Bellinzona und Rheintal etc. kommen sicher keine Zuschauer und die von unserer Region haben auch noch weniger Interesse an diesen Spielen. Es gibt nur noch viel mehr Kosten, Reisespesen, Zeitentschädigung, weniger Einnahmen, Sponsoren, Eintritte, Restaurant Einnahmen, etc. etc. und für das muss noch jemand die Verantwortung tragen.

Jetzt zeigt sich das Ausmass, welchen Schaden der Verband angerichtet hat bei der Gründung der MySports League und der Aufhebung der Zentralgruppe. Der EHC Zuchwil Regio war in den letzten Jahren ein grosses Aushängeschild in der 1. Liga. Mit zwei Schweizermeister-Titel, zwei Regionalmeister-Titel, auf das erreichte dürfen wir stolz sein. Wir haben für den Eishockeysport gelebt, viel Herzblut, Geld, alle Freizeit mit viel Freude in den Verein gesteckt.

Walter ist seit 28 Jahre im Vorstand, seit 20 Jahre Präsident des Vereins und der Eishockeyverband zerstört alles mit einem Schlag, ohne mit den Wimpern zu zucken und ohne schlechtes Gewissen, und für uns ist leider alles nur noch Vergangenheit. Eine sehr grosse Enttäuschung für die ganze Region Zuchwil - Solothurn. Das schmerzt sehr, der EHC Zuchwil Regio muss sich nun leider von der 1. Liga verabschieden. Wir sind sehr traurig und voller Schmerz, denn der schweizerische Eishockeyverband hat jetzt alles was wir in fast 30 Jahren aufgebaut haben, innert 2 Jahren mit einem Schlag zerstört.

Wir haben immer gekämpft gegen die MySports League und gegen die Auflösung der Zentralgruppe, alles umsonst. Walter ist von den Verantwortlichen nie ernst genommen worden und jetzt haben wir das Resultat und der Verband hat erreicht was Sie schon lange erreichen wollten. Wie geht es weiter? Als Erstes legen wir weiterhin die volle Kraft in unseren Nachwuchs des EHC Zuchwil Regio. Wir haben viel umstrukturiert, neue sehr gut ausgebildete Trainer verpflichtet. Das hat für uns oberste Priorität und wir hoffen, so eine breitabgestützte Nachwuchsabteilung auf zu bauen. 1.Mannschaft Unser Ziel wäre, in der 2. Liga zu spielen.

Da der Verbandsentscheid aber so spät kam, ist jetzt die Zeit sehr knapp eine Mannschaft mit Trainer und Staff zusammen zu stellen. Wir werden alles daransetzen, um für möglichst allen eine gute Lösung zu finden. Sobald wir nähere Neuigkeiten haben, werden wir euch sofort informieren. Es ist uns ein Anliegen, dass sie die neusten Informationen aus erster Hand erhalten.

Mit freundlichen Grüssen Brigitte und Walter Ulrich

Ziel ist es, in der 2. Liga zu spielen

Zuchwil möchte 2018/19 in der 2. Liga spielen. Sicher ist dies aber noch nicht. «Es schmerzt sehr, dass wir uns aus der 1. Liga verabschieden müssen», sagt Ulrich, der seit 28 Jahren Präsident ist. «Wir haben für den Eishockeysport gelebt, viel Herzblut, Geld, alle Freizeit mit viel Freude in den Verein gesteckt. Jetzt zerstört der Eishockeyverband alles mit einem Schlag, ohne mit den Wimpern zu zucken und ohne schlechtes Gewissen, und für uns ist leider alles nur noch Vergangenheit. Eine sehr grosse Enttäuschung für die ganze Region Zuchwil - Solothurn."

Der andere 1-Liga-Traditionsklub aus der Region Solothurn/Aargau, die Argovia Stars, werden die neue Saison wie geplant in Angriff nehmen. Gemäss Sportchef Heinz Leuenberger, der die Entwicklung in Zuchwil überaus bedauert, wusste man, was auf den Klub zukommen könnte. Ausserdem spielt es für die Aargauer letztlich keine Rolle, ob sie im Osten oder im Westen eingeteilt sind. Weite Reisen haben sie so oder so.