Der Trainingsalltag hat Tamara Arnold bereits wieder fest im Griff. Nach der Weihnachtspause ging es diese Woche wieder los. Gestern Vormittag standen drei Stunden Training im nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel auf dem Programm. Zuerst Kondition und dann zwei Stunden Tennis. Spielen durfte Arnold mit Jil Teichmann, der aktuellen Nummer vier der Juniorenweltrangliste. Eine ideale Partnerin, um auf hohem Niveau viele Bälle zu schlagen und den Rhythmus zu finden. Genau dies braucht Arnold, denn am Freitag steht mit den nationalen Nachwuchsmeisterschaften bereits der erste Saisonhöhepunkt an.

Eigentlich könnte Tamara Arnold noch in der Kategorie U16 antreten. Doch die 15-jährige Kappelerin versucht ihr Glück in der Königskategorie U18. Obwohl sie die Jüngste ist, ist sie gleichzeitig die Topfavoritin – zumindest auf dem Papier. Eine Rolle, die ihr nicht sonderlich behagt. «Eigentlich habe ich gehofft, dass ich das Feld von hinten aufrollen könnte, aber jetzt bin ich die Nummer eins. Das gibt schon zusätzlichen Druck», so Arnold, die unbedingt einmal den Titel in der Königsklasse gewinnen will. Gelingt ihr dies, würde sie ihre Goldmedaillensammlung komplettieren. Die goldenen Auszeichnungen der Kategorien U12, U14 und U16 hängen nämlich bereits zu Hause.

Die Schule fehlt

Für Tamara Arnold ist es nicht nur die erste SM, die sie in der obersten Juniorenkategorie bestreitet, sondern sie tritt auch zum ersten Mal als Profispielerin an. Die Solothurnerin, die zuvor die Sportschule in Kreuzlingen besucht hatte, wohnt und trainiert seit August in Biel. Eine grosse Umstellung. «In Kreuzlingen war alles etwas familiärer. In Biel musste ich mich erst daran gewöhnen, dass ich öfter allein trainiere und teilweise auch nach den Trainings meine Zeit allein verbringe. Das ist manchmal etwas langweilig und teilweise vermisse ich sogar die Schule», erzählt Arnold mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Den Wechsel bereut die junge Kappelerin aber keinesfalls – im Gegenteil. «Hier habe ich alles, was ich brauche, wenn ich meinen Traum vom Profidasein erfüllen will. Alles ist perfekt organisiert, ich habe tolle Sparringspartner und super Trainings, die teilweise extrem anstrengend sind.»

Keine Kraft, um Haare zu kämmen

Letzteres trifft vor allem auf den intensiven Aufbaublock zu, den Arnold vor Weihnachten absolviert hat. Für die 15-Jährige stand dabei viel Rumpfkraft und noch mehr Ausdauer auf dem Programm. Beides nicht gerade ihre Lieblingsdisziplinen. «Es war unglaublich hart und ich musste den inneren Schweinehund jedes Mal neu überwinden. Ich hatte teilweise so starken Muskelkater, dass ich die Arme kaum anheben konnte, um meine Haare zu kämmen», blickt Arnold lachend zurück. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. «Ich fühle mich fitter, was auch die Konditionstests bestätigt haben.» Gute Vorzeichen also für eine erfolgreiche Saison.

Top 100 als Ziel

Und diese geht für Arnold nach der SM gleich Schlag auf Schlag weiter. Im Fokus stehen dann vor allem die internationalen Juniorenturniere, bei denen Arnold fleissig Punkte sammeln will, damit sie Ende Jahr zu den besten 100 Juniorinnen der Welt gehört. «Dann könnte ich in einem Jahr an den Australian Open teilnehmen. Das wäre mein Traum, denn es ist mein Lieblings-Grand-Slam-Turnier», schwärmt Arnold.