Die Einzel-Finals an der Schweizer Meisterschaft im Kunstturnen wurden von einem einzigen Mann dominiert. Der Olympionike Claudio Capelli wies in der Oberbürer Sporthalle der Konkurrenz in die Schranken und holte fünf Goldmedaillen.

Die Ausnahme bestätigt die Regel – wie man so schön sagt. Diese war am Sonntagvormittag Kader-Turner Nils Haller vom KV Solothurn. Der 22-jährige EM-Siebte ging als Favorit an die Ringe und gewann den Wettkampf souverän. «Das ist ein schönes Gefühl, das wollte ich schon immer», sagt der Bieler, der noch nicht ganz von einer Knieverletzung genesen ist. Daher trat Haller im Mehrkampf nur an vier Geräten an. Zufrieden mit seiner Leistung vom Samstag ist er trotz des erreichten Ziels von Gold an den Ringen nicht. «Ich hatte zwei Stürze an Pferd und Reck», sagt er selbstkritisch, und die Barrenübung sei ihm auch nicht gelungen. Er habe die Leistung vom Vortag an den Ringen wiedergutmachen wollen, erklärt Haller, «das hat mich zusätzlich motiviert.»

Grundsätzlich sieht sich Nils Haller auf einem guten Weg, sportlich als auch körperlich. «Ich schaue positiv in die Zukunft», so Haller, am nächsten Wochenende wolle er mit Solothurn an der Team-SM klar aufs Podest. Ähnlich zuversichtlich klingt Danilo Corti (TV Günsberg), der am Pauschenpferd Silber gewann. «Eine Medaille liegt für Solothurn drin», sagt der
22-jährige Physiotherapie-Student.

Maximum herausgeholt

Corti ist über seinen zweiten Platz selbst positiv überrascht. Nach seiner Verletzung an der Achillessehne ist er noch nicht ganz der Alte und hatte sich die Finalteilnahme als Minimalziel gesetzt. Wie Haller bestritt er im Mehrkampf nur ein beschränktes Pensum mit zwei Geräten. Das gute Ergebnis vom Sonntag stimmt Corti positiv, er mache gesundheitliche Fortschritte. Für Student Corti ist das Nationalkader kein Thema. «Mir ist wichtig, im erweiterten Natikader zu bleiben», so Corti, sein grosses Ziel sei die im nächsten Jahr in Russland stattfindende Universiade. Der Günsberger liebäugelt aber auch mit einer EM-Teilnahme.

Der dritte und beste Solothurner Mehrkämpfer an der SM 2012 war Simon Nützi. Am Samstag gewann der Kaderturner vom TV Wolfwil mit dem achten Gesamtrang noch ein Diplom, am Sonntag vermochte der 21-Jährige seine Leistung aber nicht abzurufen. Urs Nützi, Präsident der Kunstturnvereinigung Solothurn, zeigt sich mit dem Abschneiden «seiner» Athleten an der ersten SM nach der Ära Manuel Rickli dennoch sehr zufrieden. «Mit Haller und Nützi sind wir für die Zukunft gut gerüstet», sagt der Präsident. Dennoch bedauern Turner und Präsident den Rücktritt des 25-Jährigen, welcher 2011 einen ganzen Medaillensatz von der SM nach Hause bringen konnte.