Fussball 1. Liga

André Fimian kann seine Entlassung nicht verstehen: «In Wangen ticken die Uhren anders»

André Fimian (rechts) im Januar kurz nach seinem Amtsantritt beim FC Wangen, jetzt übernimmt Bejtush Rrustolli (m).

Die 2:3-Niederlage gegen den FC Solothurn war das letzte Spiel von André Fimian als Trainer des FC Wangen. Er kann seine Entlassung nicht nachvollziehen, wünscht Wangen aber trotzdem den Nicht-Abstieg.

Nach der 2:3-Derbyniederlage gegen den FC Solothurn entliess der FC Wangen Trainer André Fimian (wir berichteten). Interimscoach Bejtush Rrustolli soll den Klub in den letzten drei Meisterschaftsspielen vor dem Abstieg aus der 1. Liga bewahren. Wangen hat im Moment drei Punkte Vorsprung auf die Relegationsplätze.

Die Freistellung kommt für André Fimian nicht ganz überraschend: «Irgendwie spürte ich nach dem Solothurn-Spiel, dass etwas im Gange ist», sagt der 52-Jährige. Nachvollziehen kann er den Entscheid der Vereinsleitung indes nicht: «Der Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt bringt dem FCW überhaupt nichts.»

André Fimian hatte das Zepter beim FC Wangen Mitte Januar übernommen. Er löste auf der Chrüzmatt den im November geschassten Salvatore Romano ab. Bei Fimians Amtsantritt lag der FC Wangen auf dem elften Tabellenplatz. Mit einem Punk Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Jetzt ist Wangen Zwölfter, das Polster beträgt drei Punkte, wobei die Wangner im Vergleich zum Konkurrenten Sursee das deutlich schlechtere Torverhältnis aufweisen. Morgen Samstag (16.30 Uhr) kommts im Stadion Schlottermilch in Sursee zum kapitalen Direktduell am Strich.

Zu wenig Tore und Punkte

«Ich kann es nicht verstehen, dass der Verein vor einem derart wichtigen Spiel den Trainer wechselt und damit meine ganze Arbeit in der Rückrunde auf einen Schlag abbricht», kritisiert Fimian. «Dass dies auf die Mannschaft einen positiven Effekt hat, bezweifle ich.» Der Entscheid passe aber zur jüngsten Geschichte des FC Wangen, fügt Fimian an: «Dort ticken die Uhren ein bisschen anders.» In den neun Spielen als Wangen-Coach holte Fimian zehn Punkte.

«Ich kann es nicht verstehen, dass der Verein vor einem derart wichtigen Spiel den Trainer wechselt und damit meine ganze Arbeit in der Rückrunde auf einen Schlag abbricht.»

André Fimian:

«Ich kann es nicht verstehen, dass der Verein vor einem derart wichtigen Spiel den Trainer wechselt und damit meine ganze Arbeit in der Rückrunde auf einen Schlag abbricht.»

Zu wenig, das weiss auch der Ex-Profispieler: «Das liegt aber nicht an der Art, wie wir aufgetreten sind, sondern einzig an der mangelhaften Chancenverwertung.» Nur beim 0:4 gegen den FC Schötz habe die Mannschaft einen schwachen Tag eingezogen. «In den übrigen Spielen kontrollierten wir den Gegner, aber wir schossen die Tore nicht.»

Er trauert insbesondere den verpassten Siegen gegen Delémont, Bassecourt und den FC Black Stars nach. Alle drei Spiele endeten 2:2-unentschieden. «Diese Spiele sind eigentlich für uns gelaufen, die hätten wir gewinnen müssen, aber wir haben unsere Chancen nicht konsequent genutzt», begründet Fimian.

Am letzten Samstag gegen Solothurn habe er einen Super-Match gesehen von seiner Elf, sagt Fimian weiter. Statt das Spiel vorzeitig zu entscheiden, habe sein Team aber unglückliche Tore kassiert. Gegen einen starken Gegner, wie Fimian betont. Trotzdem ist er sicher: «Noch besser zu spielen, ist mit diesem Team fast nicht möglich.

Die Spieler waren topmotiviert und zeigten grosses Engagement.» Der Auftritt habe auch bewiesen, dass er als Trainer «immer am Team dran war», erläutert Fimian: «Die Stimmung war gut. Die Spieler waren gewillt, auf dem Feld umzusetzen, was ich von ihnen verlangte. Es ist übrigens wahnsinnig, wie viele Telefonate und Nachrichten ich nach meiner Entlassung von den Spielern und von aussenstehenden Personen erhielt, welche diese Massnahme ebenfalls nicht nachvollziehen konnten.»

Rrustolli muss es «ausbügeln»

Nachtragend ist André Fimian nicht. Er hofft, dass Wangen das morgige Spiel in Sursee gewinnt: «Ich wünsche ihnen, dass sie die drei Punkte holen. Dann sollte der Abstieg eigentlich kein Thema mehr sein, wenn man das Schlussprogramm der Abstiegskandidaten betrachtet.»

Um den Sieg einzufahren, müsse das Team vor allem konzentrierter vor dem Tor agieren und die Chancen nutzen: «Ich hoffe, dass der Knoten jetzt aufgeht», so Fimian, «wenn es klick macht, liegt das aber definitiv nicht am Trainerwechsel. Und das Quäntchen Glück, das uns in der Rückrunde oft gefehlt hat, kann man auch nicht einfach mit einem Wechsel erzwingen.»

Bejtush Rrustolli, der beim FC Wangen wieder einmal als Interimscoach einspringt, kommentiert Fimians Abgang wie folgt: «Er ist ein guter Kerl und hatte nie Probleme mit den Spielern. Man kann ihm nicht wirklich Vorwürfe machen. Ausser dass er zu wenig Punkte holte. Und dann ist es im Fussball normal, dass es zum Wechsel kommt. Der Vorstand hat entschieden und ich muss es jetzt wieder ausbügeln.»

Es schmerze ihn, dass Fimian den Verein verlassen musste: «Man muss verstehen, dass der FC Wangen verrückt ist nach der 1. Liga und alles dafür tut, nicht abzusteigen.» Im Zitterspiel gegen den FC Sursee erwartet Rrustolli denn auch von jedem Spieler «zweihundert Prozent Einsatz». Fehlen werden Hajdari (verletzt) und Gustavo (gesperrt), Otomo und Gyorgiev sind fraglich. Doch schmales Kader hin oder her, Wangen muss gewinnen. «Es gibt keine Entschuldigungen mehr. Jeder Spieler muss explodieren auf dem Platz und sich für den Klub und die Fans zerreissen», fordert Rrustolli.

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Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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