Die besten Fussballklubs der Schweiz machen es vor: Bis auf den FC Thun bereiten sich sämtliche Vereine der Super League in wärmeren Gefilden auf die Rückrunde vor. Das Hauptreiseziel 2017 heisst ganz klar Spanien: Der FC Basel, der FC Luzern und der FC Vaduz trainieren momentan in Marbella, der FC Sion und der FC Lugano in Murcia, die Grasshoppers in Benidorm, die Young Boys in Jerez und schliesslich der FC Lausanne in Cadiz. Nur beim FC St. Gallen entschied man sich gegen Spanien. Die Ostschweizer feilen in Malta an ihrer Form.

Man trifft sich heuer also in Spanien. Dies war im Vorjahr ganz anders. 2016 war die Türkei noch die Wunschdestination der Super-League-Klubs. Fünf Vereine, also die Hälfte der Liga, war im Vorjahr in der Türkei, nur vier in Spanien. Die Trendwende ist mit der unsicheren politischen Lage in der Türkei zu begründen. Dies bestätigt Ivan Meyer, Geschäftsführer der ivanmeyertours GmbH in Wangen an der Aare: «Spanien, Italien, Malta sowie Freiburg für Kurztrips sind am beliebtesten. In die Türkei will im Moment niemand reisen.» Insgesamt wurden bei ivanmeyertours für den Frühling knapp dreissig Trainingslager gebucht.

FC Solothurn macht den Anfang

Denn nicht nur die besten Klubs der Schweiz wollen den garstigen Temperaturen und den gefrorenen Plätzen entfliehen. Auch die grosse Mehrheit der Fussballvereine aus der Region zieht es schon bald in die Sonne. Da die Saison in den unteren Ligen aber erst Anfang März (1. Liga Classic) beziehungsweise Mitte März (2. Liga inter) oder gar erst im April (2. Liga und 3. Liga) beginnt, müssen die Spieler ihre kurzen Hosen noch etwas im Schrank lassen. «Die beliebteste Zeit für Trainingslager ist Ende Februar bis Mitte März», gibt Ivan Meyer Auskunft. «Während dem Rest des Jahres läuft nicht viel. Es gibt nur ganz vereinzelt Mannschaften, die im Sommer einen Kurztrip nach Freiburg machen.»

Der erste Klub, der in die Ferne reist, ist der FC Solothurn. Das Team von Trainer Hans-Peter «Bidu» Zaugg, das in der 1. Liga nach der Hälfte der Meisterschaft auf dem dritten Platz klassiert ist, bereitet sich vom 11. bis 18. Februar auf Zypern auf die Rückrunde vor. Der Ligakonkurrent FC Wangen verzichtet in diesem Jahr auf ein Trainingslager. Wie auch der FC Dulliken, der aktuelle Tabellenneunte der 2. Liga inter. Damit bilden diese beiden Klubs die Ausnahme, ihre Akteure werden bis zum Rückrundenstart wohl nur sehr selten Rasen sehen. Und wenn doch, dann vor allem Plastikrasen.

Wohin zieht es die Fussballklubs der Region? Das erfahren Sie in dieser Karte:

Stossverkehr im März

Der FC Olten, Vierter in der 2. Liga inter, belohnt sich für seine starke Vorrunde mit fünf sonnigen Tagen in Malaga (22. bis 25. Februar). Subingen rüstet sich Anfang März ebenfalls in Spanien für den Abstiegskampf in der 2. Liga inter. Die Wasserämter sind vom 4. bis 11. März auf Gran Canaria. Auf der drittgrössten der Kanarischen Inseln könnte es im März zu einem wahren Klassentreffen der regionalen Fussballvereine kommen.

Der FC Härkingen und der FC Klus/Balsthal (beide vom 4. bis 11. März) sowie der FC Biberist reisen ebenfalls auf die rund 200 Kilometer westlich der Küste von Südmarokko gelegene Insel. Die Spieler des aktuellen Zweitliga-Spitzenreiters Biberist wird man zwischen dem 11. und dem 18. März auf Gran Canaria antreffen. Auch Salou, die Küstenstadt in der spanischen Provinz Tarragona in der Nähe von Barcelona, wurde gleich von mehreren Teams als Destination auserkoren. So werden dort zum Beispiel der SC Fulenbach und der Drittligist Wolfwil im März für eine Woche ihre Zelte aufschlagen.

Noch etwas weiter in den Süden, ans westliche Mittelmeer nach Malaga zieht es den FC Mümliswil vom 19. bis 26. März. Zur gleichen Zeit nur knapp sechzig Kilometer entfernt wird sich der FC Oensingen in Marbella an der Costa del Sol einnisten. Weiter nördlich, in Benidorm an der Costa Blanca, holt sich der FC Hägendorf – ebenfalls im März – den letzten Schliff für die zweite Saisonhälfte in der 3. Liga.

Grenchen bleibt in der Schweiz

Nebst all den Spanien-Reisenden gibt es aber doch auch vereinzelte Exoten, was die Trainingslager betrifft. So etwa der Zweitligist FC Welschenrohr, der vom 1. bis 5. März in Medulin trainiert. Der beliebte Badeort mit weniger als 7000 Einwohnern liegt an der Südspitze von Istrien in Kroatien.

Beim FC Kestenholz steht Mitte März ein viertägiger Kurztrip nach Italien an den Gardasee an, ebenfalls ein sehr beliebtes Ziel für Trainingslager und deutlich billiger als Spanien. Einen unkonventionellen Weg geht auch Roland Hasler mit dem FC Grenchen. Der Tabellenzweite der 2. Liga verzichtet auf eine lange Reise, wird aber vom 22. bis 25. März einen Intensiv-Trainingsblock in Magglingen einlegen, um das nötige Rüstzeug für die Rückrunde zu bekommen.

Lohnt sich nicht als Kerngeschäft

Im Gegensatz zu den Profis aus der Super League berappen die allermeisten Spieler der 1.- bis 3.-Liga-Vereine ihre Trainingslager selber. «Eine Woche auf Gran Canaria mit zwei Trainingseinheiten, inklusive Flug kostet pro Person rund 1 200 Franken» sagt Ivan Meyer. «Kurzcamps am Gardasee oder in Freiburg sind bereits für einen Preis von 300 bis 500 Franken pro Teilnehmer möglich.» Wer im Frühling nach Spanien fliegen will, sollte das Trainingslager bereits im August oder September buchen, empfiehlt Meyer. «Je später, desto teurer wird der Flug», erklärt er. «Und wer zu lange wartet, geht das Risiko ein, dass die Fussballplätze zu den besten Zeiten bereits belegt sind.»

Trotz den dreissig Buchungen in diesem Frühling; das grosse Geschäft macht ivanmeyertours mit den Trainingslagern nicht. Weil Aufwand und Ertrag schlicht nicht übereinstimmen würden. Die Haupteinnahmequelle bilden dafür die Reisen zu Fussballspielen der europäischen Topligen. «Was die Trainingslager betrifft, sind wir vor allem regional tätig. Also dort, wo man uns kennt», erläutert Ivan Meyer. «Unser Einzugsgebiet reicht von Kirchberg bis Schönenwerd. Alles darüber hinaus lohnt sich für uns nicht. Weil die Konkurrenz auf dem Markt zu gross ist.»