Badminton
Ambass Drops jetzt unter Zürcher Flagge unterwegs

Nach dem Rückzug aus der Nationalliga A stehen die Solothurner vor dem Aufstieg in die 1. Liga.

Michael Schenk
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Bewegender Abschied: Ende letzter Saison zogen sich die Solothurner aus der Nationalliga zurück.

Bewegender Abschied: Ende letzter Saison zogen sich die Solothurner aus der Nationalliga zurück.

Otto Luescher(Umlaut)

Das Badminton Team Solothurn führt die Gruppe 4 der 2. Liga überlegen an. Der Sieg steht so gut wie fest. Carlos Prieto will sich freilich erst mit dem Team besprechen. Bereden, ob ein Aufstieg in die 1. Liga gegebenenfalls Thema sein kann. «Schliesslich sind jetzt keine Profis und Halbprofis mehr am Start, sondern alles Leute, für die der Sport pures Hobby ist», räumt der Sportchef ein. Ein Team zusammengesetzt aus Spielerinnen und Spielern vom BC Olten und den Ambass Drops Solothurn. Das Teamwork der beiden Vereine funktioniert prima. Man hilft sich nicht nur punkto Teambuilding aus, sondern etwa auch hinsichtlich Infrastruktur oder Trainer.

Viele Wechsel zum Aufsteiger

Bis Ende letzter Saison gehörte Solothurn noch zur nationalen Elite. 14 Jahre spielte man ohne Unterbruch in der NLB und NLA. 2011 folgte mit dem Meistertitel der Höhepunkt. Danach allerdings gingen die Shuttles in den Tiefflug über. Man schrieb zwei Jahre in Folge geringe Verluste und sah sich, nachdem die Raiffeisenbank als Hauptsponsor ausstieg, gar genötigt, das NLA-Team aufzulösen. «Wir wollten keinen finanziellen Absturz riskieren», so Prieto. Er spricht von «30 000 bis 50 000 Franken», die man heute aufbringen muss, um eine NLA-Saison zu finanzieren. Denn: Ohne Profis oder Halbprofis, die für die Matches bisweilen eingeflogen werden oder denen man Kost und Logis berappt, läuft in der NLA so herzlich wenig wie im artverwandten Tennis. «Unsere Philosophie», sagt Prieto, «ist und war, dass sich der Spitzensport selber finanziert.» Mitgliederbeiträge oder Breitensport-Sponsorengelder sollten folglich nie in die Finanzierung der Elite-Equipe fliessen. Ein Grundsatz, dem man konsequent treu blieb.

Die Ex-Ambass-Spielerinnen und -Spieler greifen heute mehrheitlich (Michael Lahnsteiner, Monika Fischer, Joshua Panier und Titon Guslamana) für NLA-Neuling Adliswil-Zürich zum Schläger. Des einen Leid, des anderen Freud sozusagen. Solothurn ist ergo quasi unter Zürcher Flagge unterwegs und belegt derzeit Platz 5. Sania Herzig ihrerseits kehrte nach dem Aus der Drops nach Basel zurück, der mehrfache Schweizer Meister Christian Bösiger seinerseits spielt jetzt für Uzwil. Prieto sagt: «Wir sind froh, dass alle gut untergekommen sind.»

Finanziell passts jetzt

Die Nationalliga ist bei den Ambass Drops kein Thema mehr. «Nein, primär sind wir jetzt bestrebt, eine finanziell gesunde Basis zu schaffen», sagt Prieto. «In zwei, drei Jahren sollten wir dieses Ziel erreicht haben.» Mitgliedermässig hat sich die «Zerlegung» des NLA-Teams nicht ausgewirkt. Man steht nach wie vor bei rund 100 Aktiven und Passiven. «Wir sind jetzt als ‹normaler› Breitensportverein unterwegs», so Prieto. Überdurchschnittliche Talente, denen man mit der Auflösung des NLA-Teams allenfalls eine Perspektive «geraubt» hätte, waren und seien auch jetzt keine auszumachen, sagt der Ambass-Sportchef. «Wäre das der Fall, hätten wir uns das mit der Auflösung zweifellos zwei, drei Mal länger überlegt und nach Lösungen gesucht, diesen radikalen Schritt zumindest hinauszuzögern.» So aber scheint man alles richtig gemacht zu haben.