Analyse vor Playoff-Start
Am Sonntag startet der EHC Olten in die Playoffs ganz nach der «Jetzt-erst-recht-wir-gegen-alle»-Mentalität

Der EHC Olten trifft morgen Sonntag im Kleinholz auf den HC Thurgau, zum 1. Viertelfinalspiel. Vorab eine kleine Analyse des Teams vor dem Playoff-Start.

Marcel Kuchta
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So muss es gehen: Oltens Verteidiger Marc Grieder (r.) nimmt vor dem eigenen Tor Thurgaus besten Torschützen Cam Braes in die Mangel.

So muss es gehen: Oltens Verteidiger Marc Grieder (r.) nimmt vor dem eigenen Tor Thurgaus besten Torschützen Cam Braes in die Mangel.

Urs Lindt/freshfocus

Wer sich hohe Ziele setzt, der kann umso tiefer stürzen. Das erlebte in der vergangenen Woche die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Südkorea. Statt um die anvisierten Medaillen zu spielen, kam das schmähliche Out gegen Deutschland im Achtelfinal. Statt zu triumphieren, erntete man Hohn und Spott. Statt Stolz Scham.

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So ähnlich, wie aktuell im Kreise der Nationalmannschaft, ist die Stimmung rund um den EHC Olten seit Wochen. Eine Mannschaft, die für sich vor der Saison in Anspruch genommen hat, im besten Fall sogar ein ernsthaftes Wörtchen um den Aufstieg mitreden zu können, quält sich vor allem seit dem Jahreswechsel sprichwörtlich durch die Meisterschaft.

Man muss es sich nochmals vor Augen halten: Nimmt man nur die Resultate des neuen Jahrs, dann war der EHCO die drittschlechteste Mannschaft der Swiss League. Nur die ewigen Kellerkinder Winterthur und Ticino Rockets schnitten noch schwächer ab. So hätten sich die Oltner nicht mal für die Playoffs qualifiziert! Die Entlassung von Headcoach Bengt-Ake Gustafsson war angesichts der ungenügenden Leistungen letztlich unvermeidlich.

Kein Kredit und Pessimismus? Das Beste, was dem EHCO passieren konnte

Selbst nachdem Platz 3 nach der Qualifikation mit Ach und Krach gesichert wurde, geniesst diese Mannschaft vor den morgen Sonntag beginnenden Playoffs gegen den HC Thurgau kaum Kredit. Trotz Heimvorteil. Trotz eines Gegners, der mit einem deutlich kleineren Budget operieren muss. Für eine optimistischere Erwartungshaltung hat der EHCO im Verlauf der Qualifikation schlicht zu wenig Argumente geliefert.

Aber: Kein Kredit und Pessimismus, das ist – so verrückt es tönt – das Beste, was den Oltnern passieren konnte. Weshalb? Auch wenn die Spieler allen Krisen zum Trotz nicht müde wurden, die hohen Ambitionen des EHC Olten zu bekräftigen, so lasteten die Erwartungen letztlich doch tonnenschwer auf den Schultern. Jetzt erwartet niemand mehr etwas. Und das ist gut so.

Nur wenn der EHCO in jeder Partie geschlossen und entschlossen aufs Eis geht, dann hat er die Chance, in diesen Playoffs etwas zu bewegen.

Nur wenn der EHCO in jeder Partie geschlossen und entschlossen aufs Eis geht, dann hat er die Chance, in diesen Playoffs etwas zu bewegen.

Andy Mueller/freshfocus

Denn die Rolle des Favoriten ist nicht einfach. Man muss sie mit Überzeugung, Selbstvertrauen und breiter Brust spielen. Man darf keine Angst vor dem Scheitern, keine Zweifel haben. Dafür muss aber viel stimmen. Man braucht ein taktisches Konzept, an welches man sich in guten und vor allem in schlechten Zeiten halten kann.

Man braucht einen funktionierenden Kern von Führungsspielern, der die Mannschaft mitzieht und im Krisenfall zusammenhält. Und man braucht einen Trainer, der seinem Team die entsprechende Struktur vermitteln kann – notfalls auch mit harter Hand.

Talente mit Nebenwirkungen

Der vor ein paar Wochen entlassene Bengt-Ake Gustafsson ist an dieser anspruchsvollen Aufgabe gescheitert. Vor allem deshalb, weil eine Mannschaft, wie die aktuelle des EHC Olten, sehr, sehr vieler Pflege bedarf. Es ist aufwendig, diese nicht menschlich, aber spielerisch heterogene Gruppe auf die richtige Spur zu bringen.

Weshalb das so ist? Nun: Es wurde schon oft geschrieben und gesagt, dass dieses Oltner Team mit viel Talent ausgestattet ist. Spieler wie Martin Ulmer, Stan Horansky, Jewgeni Schirjajew, Lukas Haas oder Marco Truttmann (wenn er fit ist),verfügen im NLB-Vergleich alle zweifellos über eine Portion Extraklasse. Sie können, an guten Tagen, Spiele im Alleingang entscheiden.

Martin Ulmer gehört zu den Top Talenten des EHC Olten.

Martin Ulmer gehört zu den Top Talenten des EHC Olten.

Marc Schumacher/freshfocus

Aber es existieren bisweilen unerwünschte Nebenwirkungen: Solche «Zauber-Spielertypen» sind eben auch nur schwer in ein Konzept integrierbar. Neigen, gerade wenn es nicht läuft, zu Eigen- und auch Leichtsinn, werden zu taktischen Irrlichtern. Mit der Konsequenz, dass dann – wie oft erlebt – erst die Balance und die Zuordnung innerhalb des Blocks und schliesslich innerhalb der ganzen Mannschaft verloren geht.

Als homogene Einheit auftreten

Zumal es auf der anderen Seite auch eine Spielergruppe gibt, die von einem funktionierenden Konzept, von einem klaren Plan abhängig ist, damit sie ihre Stärken ausspielen kann. Wenn schliesslich beide Gruppen nicht mehr wissen, was sie tun sollen, dann fällt das Kartenhaus zusammen.

Die grosse Kunst wird es nun für Gustafssons Nachfolger Chris Bartolone sein, seine begabten Solisten in das grosse Orchester zu integrieren, damit das Team als homogene Einheit auftritt. Denn eines ist klar: Nur, wenn diese Mannschaft in jeder Partie, und zwar während der gesamten Spieldauer (!), geschlossen und entschlossen aufs Eis geht, dann hat sie die Chance, in diesen Playoffs etwas zu bewegen.

Noch hat der EHC Olten alle Chancen, diese bisher von Misstönen und Missverständnissen geprägte Saison zu einem guten Ende zu bringen.

Noch hat der EHC Olten alle Chancen, diese bisher von Misstönen und Missverständnissen geprägte Saison zu einem guten Ende zu bringen.

Marc Schumacher/freshfocus

Viertelfinal-Gegner Thurgau hat in den letzten Wochen eindrücklich bewiesen (33 Punkte in 16 Spielen im neuen Jahr), was man aus beschränkten Mitteln herausholen kann, wenn wirklich alle Spieler konsequent an einem Strick ziehen, wenn sich alle bedingungslos an die Vorgaben des Trainers halten. Thurgaus unbequemer Übungsleiter Stefan Mair zieht seine Linie gnadenlos durch, und seine Cracks ziehen mit. Die Resultate sprechen für sich.

Das Deutsche Olympia-Wunder als Vorbild nehmen

Das Beste an der Situation ist: Noch hat der EHC Olten alle Chancen, diese bisher von Misstönen und Missverständnissen geprägte Saison zu einem guten Ende zu bringen. Noch haben die Spieler die Chance, die notorischen Zweifler und Kritiker zum Schweigen zu bringen. Noch haben sie die Chance, die hohen Ziele in die Realität umzusetzen. Dafür müssen sie aber diese «Jetzt-erst-recht»- und «Wir-gegen-alle»-Mentalität entwickeln, die es braucht, um in der entscheidenden Meisterschaftsphase erfolgreich zu sein.

Wenn alle die erste Geige spielen wollen, dann wird es nicht klappen. Dann wird aus der wohlklingenden Sinfonie schnell eine grässliche Kakofonie. Wie bei den Schweizern an den Olympischen Spielen. Aber die Deutschen, die in Südkorea das umsetzten, was sich die Eisgenossen vorgenommen hatten, haben gezeigt, was möglich ist, wenn man mit der richtigen Mentalität am Werk ist. Das muss dem EHCO Mut machen.

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