Das Echo dieses beispiellosen 0:5-Schlussdrittels nach einer 3:0-Führung gegen Visp hallt beim EHC Olten stark über das Wochenende hinaus nach. Auch nach dem Langenthal-Spiel tags darauf waren diese letzten 20 Minuten aus dem Freitagsspiel, wie es sie der EHC Olten in jüngster Vergangenheit noch nie erlebt hat, das dominierende Thema.

Von den Emotionen getrieben, hatten sich die EHCO-Spieler unmittelbar nach dem Freitagsspiel mit einer Wut im Bauch mit Selbstkritik nicht zurückgehalten. Während Captain Lukas Haas von einem «herumstehenden Hühnerhaufen» sprach, entschuldigte sich Sportchef Marc Grieder in einem emotionalen Video-Interview bei den zahlenden EHCO-Fans für einen «peinlichen Auftritt».

Viel Kampf und Engagement

Die Reaktion darauf gaben die EHCO-Spieler auf dem Eis in Langenthal: Eine bemühte Mannschaft kämpfte, warf sich in die Schüsse und verdiente sich mit viel Engagement einen Punktgewinn. Am Ende stand man sogar noch nahe am Sieg: Martin Ulmer hatte mit zwei sehenswerten Penaltytoren den EHCO in der Zusatzentscheidung in Front geschossen, doch weil auch Langenthal gleich drei Mal EHCO-Torhüter Simon Rytz zwischen den Beinen erwischte, gingen die Oberaargauer dennoch als Sieger hervor.

«Die Art und Weise, der Einsatz des gesamten Teams, wie wir heute aufgetreten sind, hat gestimmt. Am Schluss ist es schade, dass ich den Unterschied nicht ausmachen konnte», bilanzierte Simon Rytz, der für seine unzähligen Paraden während der regulären Spielzeit trotzdem zum Oltner Mann des Spiels gewählt wurde.

Charaktertest bestanden

Viel bedeutungsvoller als die Penaltyentscheidung war, dass der EHCO, mit schweren Beinen und ganz offensichtlich mit angekratztem Selbstvertrauen angetreten, während der Partie nicht wieder in sich zusammenbrach. Zum Beispiel, als man die Führung von Chris Bagnoud (11.) in sechs schwachen Minuten im Mitteldrittel leichtsinnig hergab. Erst stand Torhüter Rytz mit einem Fehlpass hinter dem Tor am Ursprung des 1:1-Ausgleichtreffers. Und danach erwies Roland Gerber mit einem Check gegen den Kopf von Tschannen dem Team einen Bärendienst. Mit seinem daraus folgenden Powerplaytor stellte Langenthals Philippe Rytz den EHCO auf die Prüfung.

Es war der aufsässig agierenden Sturmlinie, rund um Mäder und Huber zu verdanken, die nicht nur für den Gegner stets unbequem spielte, sondern auch in schier aussichtslosen Situationen an das Puckglück glaubte – und es erzwang: Stefan Mäder stocherte im Slot so lange nach, bis die Scheibe zum 2:2 hinter der Linie war (34.).

Das Timeout für einmal genutzt

Im Schlussdrittel verabschiedeten sich die beiden Teams – zur Freude der lediglich 2358 Zuschauern – von den taktischen Gepflogenheiten und suchten die Entscheidung, weshalb sich Chancen hüben wie drüben ergaben. In dieser packenden Schlussphase nahm Headcoach Chris Bartolone das Timeout in Anspruch, was er tags zuvor gegen Visp noch unterliess und damit selbst intern einige kritische Stimmen hervorrief.

Nach dem Langenthal-Spiel sitzt Sportchef Marc Grieder trotz vierter Niederlage in Serie und einem Punktgewinn nach dem verlorenen Penaltyschiessen wieder etwas gelassener auf der Tribüne. «Das war eine Reaktion. Man hat gesehen, dass die Mannschaft gekämpft hat und den Sieg wollte», bilanzierte der Sportchef. Angesprochen auf sein Video-Interview hält Grieder an seiner Kernaussage fest: «Es ist nun mal so: Ein solcher Auftritt wie im letzten Drittel gegen Visp wird in keinem Sportunternehmen auf der ganzen Welt toleriert, das war schlicht und einfach inakzeptabel.»

Auf den EHC Olten wartet nun eine zehntägige Nationalmannschaftspause. Noch selten kam sie zu einem günstigeren Zeitpunkt. Es bleibt nicht nur Zeit, um zahlreiche Blessuren ausheilen zu lassen, sondern auch den Kopf kräftig durchzulüften. Grieder: «Wir werden die ganze Sache in einer ruhigen Minute analysieren müssen und werden dort ansetzen, wo es nötig ist. Ich bin sicher, dass wir gestärkt daraus finden werden.»