Fussball
Am Ende bleibt dem FC Langenthal nur der Frust

Der Fussballverband bringt die Langenthaler um den verdienten Lohn ihrer Arbeit. Anstatt in die 1. Liga aufzusteigen, müssen die Oberaargauer zusehen, wie die Zürcher Klubs von Forfait-Siegen profitieren oder gar nicht mehr zum Spiel antreten.

Hans Peter Schläfli
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Verfrühte Abschlussfeier statt rauchendes Aufstiegsfest: Der abtretende FCL-Trainer Willy Neuenschwander (stehend) sprach noch einmal zu seiner Mannschaft.

Verfrühte Abschlussfeier statt rauchendes Aufstiegsfest: Der abtretende FCL-Trainer Willy Neuenschwander (stehend) sprach noch einmal zu seiner Mannschaft.

Hans Peter Schläfli

Langenthal hat nichts falsch gemacht und verlor trotzdem vor der letzten Runde in der 2. Liga inter die Leaderposition an Thalwil

Bis vor wenigen Tagen war Langenthal Leader in der Gruppe 5 der 2. Liga inter und der Aufstieg in die 1. Liga schien in Griffweite. Doch zwei Forfait-Entscheide, auf die der FCL keinen Einfluss hatte, stellen alles auf den Kopf. «Sportlich würden wir aufsteigen», sagt Langenthals abtretender Trainer Willy Neuenschwander, «wir fühlen uns betrogen.»

Zunächst wurde Thalwils 0:3-Niederlage gegen Uster in einen 3:0-Forfaitsieg umgewandelt. Thalwil gewann am «Grünen Tisch»drei Punkte, verbesserte die Tordifferenz um plus sechs und übernimmt damit allein die Tabellenspitze.

Dann kündigte Küsnacht an, nicht mehr zum letzten Meisterschaftsspiel von heute Samstag nach Langenthal zu reisen. Der FCL gewinnt 3:0 forfait, wurde aber so seiner letzten Chance beraubt, mit einem Sieg von mindestens 5:0 die Aufstiegschance aufrecht zu erhalten.

Neuenschwanders bittere Bilanz: «Es ist ein abrupter Schluss, der eine grosse Enttäuschung hinterlässt. Wir finden das Verhalten des Fussballverbandes skandalös und das von Küsnacht despektierlich.»

Was war passiert? Verschiedene Zürcher Vereine haben nach dem Transferschluss der 2. Liga inter noch Transfers getätigt. Diese Spieler wären zum Beispiel in einer 2. Mannschaft in der 3. Liga oder bei den Senioren spielberechtigt gewesen, aber eben nicht in der 2. Liga inter.

Uster war noch dreister und hat den serbischen Profi Bogdan Stevic als Neuanmeldung lizeniert, statt ihn korrekt zu transferieren. Die zuständige Wettspielkommision der Amateurliga kümmerte sich aber nicht darum – selbst als sie auf die Missbräuche aufmerksam gemacht wurde.

Das Wettspielreglement sagt, dass in solchen Fällen nur der involvierte Verein nach einem Spiel Protest einlegen kann. Das hat Thalwil nach der 0:3-Schlappe gegen Uster gemacht, und daraus hat sich jetzt das 3:0 forfait ergeben, das über den Aufstieg in die 1. Liga entscheidet.

Dass auch Langenthal gegen Uster verlor und dabei derselbe Spieler illegal eingesetzt wurde, interessiert den Fussballverband nicht. Langenthal hat es nicht gewusst und somit auch keinen Protest eingelegt.

«In den Statuten steht, dass der Verband für die Organisation und die Überwachung des Spielbetriebes verantwortlich ist», kritisiert Willy Neuenschwander. «Die Amateurliga ist der Pflicht, zu überwachen, schlicht nicht nachgekommen.

Die Wettspielkommission hat sogar schriftlich mitgeteilt, dass sie das nicht interessiert. Das ist Treten des Faiplays mit Füssen. Das ist ein Riesenskandal.»

So wurde gestern der FCL-Trainer in einer kleinen Abschlussfeier von der Rankmatte verabschiedet. Die Einladung an die Sponsoren und die mögliche Aufstiegsfeier von heute mussten abgesagt werden: Es gibt kein Spiel mehr und schon gar nichts zu feiern.

«Jetzt noch auf eine 0:3-Niederlage von Thalwil zu hoffen, wäre naiv», sagt Neuenschwander. «Wir haben mit der Saison abgeschlossen und uns damit abgefunden.»

Vier Jahre war Willy Neuenschwander FCL-Trainer. Das erste Jahr war ein Neubeginn, im zweiten Jahr stand ihm Serrières mit einer krass überlegenen Mannschaft vor der Sonne und im dritten Jahr war es Wettswil-Bonstetten, das gewaltig investiert hatte und daher die Konkurrenz an die Wand spielte.

Diesmal war es der Fussballverband der mit seiner Politik, den Langenthaler Aufstieg in die 1. Liga verhinderte. «Trotzdem überwiegen die schönen Erlebnisse, die ich mit dem FC Langenthal erleben durfte. Mein Herz ist gelb-blau.

Man wird mich auch in Zukunft viel auf der Rankmatte sehen. Schade nur, dass wir unser grosses Ziel nicht erreicht haben», sagt Willy Neuenschwander, der jetzt etwas kürzer treten wird und den FC Rothrist in der Aargauer 2. Liga etablieren will.