Hornussen

Am Eidg. Hornusserfest wird um Schlägerkönigs-Krone gekämpft

Beim Eidgenössischen Hornusserfest in Limpach ermitteln am Sonntag die Schläger ihren König.

Beim Eidgenössischen Hornusserfest in Limpach ermitteln am Sonntag die Schläger ihren König.

Hornussen hat im Sinne der Urväter viel mit Verteidigen zu tun. Das «Abtun» entscheidet oft über Sieg und Niederlage. Dem Zeitgeist folgend stehen jedoch vorab die besten «Angreifer» im Mittelpunkt.

Beim Eidgenössischen Hornusserfest in Limpach wird heute Sonntag der Schlägerkönig ermittelt. Derjenige unter den acht Finalisten also, der die 78 Gramm schwere Kunststoff-Scheibe mit seinem Stecken am weitesten ins Ries «ballert». Allein, die Kaiser sind im Prinzip die, die im Ries stehen und die heranfliegenden Geschosse vom Himmel holen.

Landet ein Nouss nämlich im Spielfeld, kassiert die betroffene Equipe ein Nummero. Gegebenenfalls hilft dann kein Streich der Welt mehr, um die Niederlage abzuwenden. «Und», sagt Verbandsobmann Walter König, «für jeden Hornusser steht der Erfolg des Teams an erster Stelle.» Damit ist klar, warum das «Abtun» vor jeder Schlagleistung steht.

Die Abwehr bildet den Teamgeist

Wäre die Leistung im Ries so eindeutig zu messen wie die beim Schlagen, dann müsste an einem «Eidgenössischen» längst der «Abtuer-Kaiser» gekrönt werden. Erst in der Abwehr können die Männer nämlich in kritischen Momenten zusammen und füreinander einstehen. Wie hat Alt-Bundesrat Rudolf Gnägi vor bald 40 Jahren gesagt: «Der Abwehr des heransausenden Nouss möchte ich den Kampf gegen alles Schädliche gleichsetzen, das nicht in unserem Land Fuss fassen darf. Mit wachem Auge wollen wir die an uns herantretenden Gefahren, woher sie auch kommen mögen, erkennen und sie in gemeinsamer Abwehr abtun.»

Ruedi Minger, ein anderer «Popstar» unter den Alt-Bundesräten, äusserte sich 1951 so: «Die Hornusser stehen mitten in jenem Wall, der dem Eindringen gefährlicher Ideologien ein kräftiges Halt gebietet.» Der martialische Unterton in der Magistraten Worten kommt nicht von ungefähr. «Bauerntennis» gründet nämlich auf einer Art Kriegsspiel. Zu Gotthelfs Zeiten, als zwischen jedem Dorf «Chritz» herrschte, gab es gar doppelte Punkte, wenn ein Abschläger einen Abtuer am Körper traf. «Heute gäbe das Tote», sagt Walter König.

Nicht alle gleich prominent

Der Mode folgend, dass jedes Genre seine Stars braucht, stehen längst die «Goalgetter», sprich Langschläger, im Rampenlicht. Die Defensiv-Koryphäen, diejenigen also, die ihren Kameraden mit scharfem Auge und Zurufen wie «e Lingge» oder «E Länge» anzeigen, woher der Nouss geflogen kommt, und diejenigen, die hinten im Ries das «Geschoss» mit der Schindel in akrobatischer Manier abfangen, stehen im Schatten des Rampenlichts.

Dies zu ändern, ist schwer, zumal immer mehr Nousse über das Spielfeld hinausfliegen und gar nicht erst abgetan werden müssen. Ein Unding, das Insider seit Jahren monieren und der Laie nicht versteht: Die besten Streiche schlagen quasi kampflos ein. Die früheren Militärminister Minger und Gnägi selig hätten keine Freude daran. «In der Meisterschaft können wir die Regeln nicht ändern», sagt König. Man überlege sich aber, so der siebenfache Schweizer Meister mit Wäseli, «am Eidgenössischen 2018 in der 1. Stärkeklasse das Ries zu verlängern».

Heute ist das Spielfeld 300 m lang. «Wir könnten es etwa um 20 Meter verlängern», so König. Freilich mache das nur bei den Allerbesten Sinn.

Wer ist der Beste?

Und wie stehts mit einer Krone für den besten Abtuer? Umfragen zum Thema All-Star-Team via Facebook gab es schon. «Das hat aber damals zu nichts geführt», so König. Der 50-jährige Logistiker, der heute für Gerlafingen spielt, zeigt sich indes durchaus offen für solches. «Die Gesellschaften könnten ja Vorschläge einreichen, aus denen dann die Sieger gewählt würden.»

Denn wie gesagt: Für jeden Hornusser steht der Erfolg mit dem Team an erster Stelle. Und dazu ist eine starke Leistung im Ries zwingend – wie es schon Gotthelf in «Wie Uli der Knecht glücklich wird» beschreibt: «Unter den Auserwählten sollte auch Uli sein. Wenn ihm schon im Schlagen hie und da noch ein Streich fehlte, so war er doch im Abtun, wo es Springen und Werfen galt, einer der Tüchtigsten.»

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