Swiss League
Alter Schwede: Die ersten Eindrücke von Assistenztrainer Tommy Sjödin beim EHC Olten

Der neue Assistenztrainer Tommy Sjödin, 54, kann beim EHC Olten seinen grossen Erfahrungsschatz ausspielen. Sein Ziel: Die Defensive stärken.

Silvan Hartmann
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Eishockey: Swiss League, EHC Olten, Erstes Training mit Assistenztrainer Tommy Sjödin (16.12.19)
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Tommy Sjödin und Headcoach Söderström haben sichtlich Spass zusammen im Training.
Tommy Sjödin mit seinen Gartenhandschuhen
Sjödin ist Nachfolger von Dennis Hall und hat einen Vertrag bis Saisonende unterzeichnet.
«Ich freue mich, hier zu sein und mit Fredrik und den Spielern zusammenzuarbeiten», sagt der neue Assistenztrainer.
      
Sjödin im Gespräch mit Söderström
      
Aussergewöhnliche Tatsache: Sjödin trägt Gartenhandschuhe im Training.
«Ich mag sie, weil ich darin beweglicher bin», sagt Sjödin zum Tragen der Gartenhandschuhe.
Der EHC Olten soll von seiner Erfahrung als Verteidiger profitieren.
Sjödin will vor allem die Defensive stabilisieren.
Der Schwede erinnert sich sehr gerne an seine Zeit als Spieler in der Schweiz zurück.

Eishockey: Swiss League, EHC Olten, Erstes Training mit Assistenztrainer Tommy Sjödin (16.12.19)

Bruno Kissling

Ich? Alt? – Tommy Sjödin schaut verdutzt und muss lachen. Jaja, er wisse schon, «ich bringe das Alter mit.» Aber er sei dank dem Eishockey doch stets jung geblieben. «Und ich bin ja quasi ein junger Assistenztrainer», sagt Sjödin, der beim EHC Olten in diesen Tagen seinen vierten Assistenztrainer-Job seiner Laufbahn angenommen hat.

Tatsächlich ist der 54-jährige Schwede mit Abstand der Älteste auf dem Eis im Kleinholz, nicht zuletzt 12 Jahre älter als Cheftrainer Fredrik Söderström. Und selbst unter den Klubverantwortlichen (Präsident Marc Thommen, 50, CEO Patrick Reber, 47, Sportchef Marc Grieder, 35) gehört Sjödin zur älteren Garde.

Alter Schwede bei jungem EHC Olten! Das passt, findet auch Söderström, «und ein bisschen mehr Lebenserfahrung hat ja noch keinem Unternehmen geschadet», flachst er.

      

     

Bruno Kissling

Tommy Sjödin, der «Gärtner»

Mit ungewöhnlichen Gartenhandschuhen («Ich mag sie, weil ich darin beweglicher bin») leitet Tommy Sjödin gemeinsam mit Fredrik Söderstrom am Montagmorgen das Eistraining. Während Sjödin teilweise mit der einen Teamhälfte arbeitet, fokussiert sich Söderström auf die andere.

Von einer heiklen Konstellation, wonach Sjödin seinem Landsmann den Headcoach-Posten streitig machen könnte, will genauso wie Söderström auch Sjödin selbst nichts wissen.

«Ich bin hier, um Fredrik zu helfen, und um ihm die Arbeit zu erleichtern», sagt er. Denn es gehe nicht um seine Person, auch wenn er sich freue, wieder im Eishockeybusiness tätig zu sein.

      

     

Bruno Kissling

Und insbesondere auch mal ausserhalb von Schweden einem Job im Coachingstaff nachzugehen. «Als ich meine Trainerkarriere startete, sagte ich zu vielen Leuten: Es wäre toll, eines Tages mal einen Job in der Schweiz zu haben. Und nun bin ich hier. Denn hier in der Schweiz hatte ich meine beste Zeit als Spieler. Ich erinnere mich sehr gerne daran zurück», sagt der ehemalige Spitzenverteidiger Sjödin, der nebst 205 NLA-Spielen für Lugano und Kloten immerhin auch auf 106 Spiele in der NHL kam.

Noch heute pflege er hin und wieder Kontakt mit den ehemaligen Mitspielern JJ Aeschlimann, Sandro Bertaggia oder auch André Rötheli und Patrick Sutter.

Nach seinem Rücktritt als Aktivspieler lancierte Sjödin 2009 seine Trainerkarriere als Assistent von Rögle BK. In der Folge driftete er in die unteren Ligen ab, ehe er 2015 bei Brynäs Assistent wurde. Ende 2017 bewies er sich als Interims-Headcoach, ehe er ein Jahr später gefeuert wurde. Im Frühjahr konnte Sjödin als Assistenztrainer von seinem Heimklub Timra dessen Abstieg von der SHL in die zweithöchste Liga Allsvenskan nicht mehr verhindern. Mit Spielern zusammenzuarbeiten, die viel Selbstvertrauen verloren hätten, sei eine grosse Challenge. «Ich habe viel von dieser Zeit mitgenommen.»

Von einer solchen Ausgangslage ist Sjödin heute in Olten weit entfernt. Der erste Eindruck von Klub und Team stimme ihn sehr positiv: «Man kann es sehen: Ich komme in ein Team, das gut klassiert ist und bei dem vieles gut läuft. Es wird viel gelacht und hart gearbeitet. Ich sehe talentierte Spieler mit viel Selbstvertrauen. Ich freue mich, hier zu sein und mit Fredrik und den Spielern zusammenzu­arbeiten.»

Mit seiner Erfahrung und seinem grossen Hockeywissen soll Tommy Sjödin als ehemaliger Verteidiger vor allem den Bereich mit dem grössten Steigerungspotenzial, die ­EHCO-Defensive, stärken. «Ich gebe mein Bestes und hoffe, dass ich meinen Teil zum Erfolg beitragen kann.»

Keijo Weibel aus U20-Nati-Kader gestrichen: «Es schmerzt schon sehr»

Die Nachricht kam am Sonntagmorgen angesichts der Leistungen von Keijo Weibel in der laufenden Saison eher überraschend: Oltens Ausleihspieler der SCL Tigers wurde nach dem einwöchigen Trainingslager auf der Lenzerheide aus dem Nachwuchs-Nati-Kader für die U20-WM gestrichen. «Es schmerzt schon sehr, denn die U20-WM war ein grosses Ziel von mir. Aber ich habe die Entscheidung der Coaches zu akzeptieren», sagt Weibel am Montagmorgen nach dem ­EHCO-Training.

Die 19 talentiertesten Stürmer kämpften um einen der 15 WM-Plätze, wobei nicht alle Spieler in den beiden Testspielen zum Einsatz kamen. Ebenfalls den ersten Cut nicht geschafft haben Elvis Schläpfer, Simon Wüest (beide Biel) und Nicola Christen (Bern).

Der zweite B-Lizenzspieler des EHC Olten, Joel Salzgeber, reist heute hingegen mit der U20 nach Kravare in Tschechien. Kurz vor Weihnachten wird dann vor Ort der letzte Kaderschnitt vorgenommen, ehe am 26. Dezember die U20-WM startet.

Des einen Leid, ist des andern Freud: Mit Keijo Weibels Rückkehr entspannt sich die personelle Situation beim EHC Olten. Er sagt: «Ich habe hier in Olten eine riesige Chance, mich zu zeigen und die will ich nutzen.»

Dass er in einem der letzten Momente aus dem Kader gestrichen wurde, daran dürfte Weibel noch einige Tage hadern.

«Ich versuche, das Beste daraus zu machen und drücke nun der Nati aus der Ferne die Daumen. Hier in Olten macht es ebenso grossen Spass, Teil eines guten Teams zu sein.» (sha)