Unihockey
«Alle wollten zeigen, dass sie noch immer die Besten sind»

Marcel Siegenthaler, Sportchef von Wiler-Ersigen, blickt auf die Meistersaison zurück und erklärt, was sein Team so stark macht.

Fabio Baranzini
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Marcel Siegentaler (r.) freut sich über den Schweizer Meistertitel.Mülchi

Marcel Siegentaler (r.) freut sich über den Schweizer Meistertitel.Mülchi

Hans Ulrich Muelchi

Marcel Siegenthaler, nachdem Wiler-Ersigen letzte Saison im Viertelfinal gescheitert war, hat die Konkurrenz von einer Wachablösung gesprochen. Nun ist Wiler wieder Meister geworden. Ist dieser Titel eine besondere Genugtuung?

Marcel Siegenthaler: Ja, das kann man so sehen. In erster Linie haben wir diesen Titel aber für uns gewonnen. Die Spieler wollten zeigen, dass es uns noch gibt und wir nach wie vor die Nummer eins in der Schweiz sind.

Ihr habt in elf Jahren neun Meistertitel geholt. Kann man sich bei so vielen Titeln immer noch gleich freuen wie beim Ersten?

Natürlich! Ein Titel zu holen, ist immer etwas Schönes. Selbst wenn wir 100-mal nacheinander die Meisterschaft gewinnen würden, würden wir uns darüber freuen.

Waren Sie überrascht, dass Wiler den Playoff-Final gegen die Tigers Langnau mit 4:0 Siegen für sich entscheiden konnte?

Ja und nein. Auf der einen Seite hätte man im Vorfeld eine lange Serie erwarten können. Auf der anderen Seite sprechen die Erfahrung und die Routine klar für uns. Wir wissen, was es heisst, in einem Finale zu stehen, und konnten uns jedes Mal steigern, wenn es eng wurde. Diese Qualität unseres Teams hatte einen grossen Einfluss auf die Serie.

Welches sind die Bausteine für den diesjährigen Meistertitel?

Das Fundament haben die Spieler gelegt. Sie haben wieder mehr und härter gearbeitet. Die Abwesenheiten in den Trainings haben deutlich abgenommen. Alle wollten zeigen, dass sie noch immer die Besten sind.

Welchen Einfluss hatte Trainer Johan Schönbeck, der das Team in dieser Saison erstmals betreute?

Er hat der Mannschaft das taktische Korsett gegeben, auf das sie sich auch in schwierigen Situationen stützen konnte. Auch im Boxplay und im Powerplay waren wir der Konkurrenz überlegen. Zudem haben wir in der Finalserie im Schnitt nur rund drei Gegentore kassiert. In der vorherigen Saison war es jeweils ein Glücksspiel. Wenn wir nicht zehn Tore geschossen haben, mussten wir damit rechnen, dass wir verlieren.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Das Kader für die nächste Saison steht und mit dem Champions Cup wartet im Herbst bereits der erste Höhepunkt. Was liegt für Wiler-Ersigen in der kommenden Spielzeit drin?

Wir werden unsere Saison zweiteilen. In der ersten Hälfte werden der Champions Cup und die WM, wo voraussichtlich wieder einige unserer Spieler dabei sein werden, im Zentrum stehen. Beim Champions Cup in Zürich wollen wir in den Final kommen. Wir sind auch international renommiert genug, um nicht einfach nur dabei zu sein, sondern um den Titel zu spielen. Ab Januar wird der Fokus dann auf der Meisterschaft liegen.

Zum Abschluss noch ein anderes Thema: Swiss-sport.tv hat in dieser Saison alle NLA-Spiele per Live-Stream im Internet übertragen – alle, ausser die Heimspiele von Wiler-Ersigen. Weshalb?

Es steckt schlicht zu wenig Professionalität hinter diesem Projekt. Unsere Meisterschaft ist keine Chilbiveranstaltung, sondern die Nationalliga A. Entsprechend haben wir gewisse Ansprüche. Es kann nicht sein, dass man bei der Übertragung kaum etwas sieht, dass es keine Zeitlupen gibt und irgendeiner kommentiert, der keine Ahnung hat. Wir machen nur mit, wenn wir qualitativ dahinterstehen können.

Ihr seid dem Projekt aber nicht grundsätzlich abgeneigt.

Nein, überhaupt nicht. Auf unsere Kritik wurde ja bereits reagiert. Beim Cupfinal waren mehrere Kameras im Einsatz und es gab Zeitlupen. So kann das Projekt unseren Sport weiterbringen. Wenn uns ein überzeugendes Konzept vorgelegt wird und die Qualität stimmt, werden wir auch mit von der Partie sein.