Nicht einer der Aargauer Favoriten, sondern Alexander Vonlaufen hat das Baselbieter Kantonalschwingfest in Muttenz gewonnen. Der Innerschweizer Gast besiegte im Schlussgang den ebenfalls überraschenden Aargauer Tiago Vieira.

Die einzige Konstanz am ersten Kranzschwingfest der Saison im Nordwestschweizer Verband waren die Überraschungen. Ab dem ersten Gang setzte ein Favoritensterben ein. Der meistgenannte Anwärter auf den Tagessieg, Mario Thürig, scheiterte schon im Anschwingen mit zwei «Gestellten». Aber auch der zweite Aargauer «Eidgenosse»; Christian Bieri, erwischte nicht den besten Tag.

Trotz einer Steigerung am Nachmittag musste er dem lange dominanten Berner Willy Graber nach ungenützten Chancen ein Remis zugestehen, womit auch er aus der Entscheidung fiel. Den grössten Exploit des Tages landete der Bibersteiner Tiago Vieira. Nach eineinhalb Jahren Wettkampfpause und kurzer Vorbereitungszeit trumpfte der Kraftbrocken portugiesischer Abstammung gross auf. Im fünften Gang düpierte er Willy Graber jäh. Der Berner griff an, aber Vieira landete nicht auf dem Rücken, sondern nützte den Schwung aus und drückte den weit höher eingestuften Gast auf den Rücken.

Schlussgang eine kurze Sache

Somit kams zum unerwarteten Schlussgang zwischen Vieira und dem Beckenrieder Alexander Vonlaufen. Dieser war mit einem Taucher gegen den Baselbieter Cédric Huber gestartet. Danach rollte er das Feld von hinten auf. Im fünften Gang überwand er seine Rückenschmerzen und fightete den Solothurner «Neueidgenossen» Remo Stalder nieder.

«Ich wollte zuerst den sechsten Gang gar nicht mehr bestreiten», erklärte Vonlaufen nach seinem schnellen Sieg in der Endausmarchung. Als er aber von der Schlussgangqualifikation erfuhr, biss er nochmals auf die Zähne. «Ich wollte zuerst defensiv schwingen», schilderte er seine Taktik. Als aber Vieira nach kurzem Abtasten angriff, konterte der 26-jährige Beckenrieder mit Gammen entscheidend.

Der Innerschweizer gilt seit Jahren als grosses Talent, das aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wird. In den letzten Jahren weilte er mehr im Spital als im Sägemehl. Acht Operationen verhinderten ein geregeltes Training. Trotzdem hat er sein grosses Ziel, einen eidgenössischen Kranz nicht aufgegeben. 2016 will er diesen nachholen. Im letzten Jahr hatte ihm dazu in Burgdorf ein Viertelpunkt gefehlt.

Gebremste Baselbieter

Die gastgebenden Baselbieter hielten im Kampf um die Kränze lange Zeit gut mit. Im letzten Gang wendete sich aber das Blatt. Die Aargauer schnitten mit acht Auszeichnungen doch noch am besten ab. Baselland blieben fünf Kränze, Solothurn drei und den Gästen zwei. Der für Basel schwingende Henryc Thoenen eroberte den 19. Kranz.

«Das war ein Fest der Überraschungen, kommentierte Wettkampfleiter Meinrad Spiess. Dies sei zu Saisonbeginn typisch. Als Neukranzer traten die beiden jungen Aargauer Jimmy Hasler und Nicola Lehmann sowie der Solothurner Daniel Lisser erstmals vor die Ehrendamen.