Wappenscheiben zieren die Fenster, mit Namen gravierte Holzstühle schmücken den Saal des Restaurants Schützenstube in Zuchwil. Hinter der Theke brüht Alexander Rudolf von Rohr einen Tee auf. Kaum hat sich der Präsident der Sportkommission der Stadt Solothurn, der das Amt seit 24 Jahren inne hält und seit fast zehn Jahren den Betrieb führt, an den Tisch gesetzt, tritt morgendliche Kundschaft ein.

Er steht auf und serviert etwas später ein Waldfest mit Kaffee. «Bis Oktober herrscht hier Hochbetrieb, danach wird es etwas ruhiger», sagt Rudolf von Rohr. Inzwischen ist er bereits wieder aufgestanden und bereitet einen Kaffee Crème für den zweiten Gast zu, der sich hinzugesellt hat.

Zur Chefsache erklärt

Dass sich der Solothurner in seiner Schützenstube wohlfühlt, ist ersichtlich. Ob er sich in einem Monat, wenn sein Präsidentenamt der Sportkommission endet, ausschliesslich seinem Restaurant widmen wird, ist hingegen offen. «Ich habe im März offiziell demissioniert», erklärt Rudolf von Rohr und fährt fort, «aber ich wurde angefragt, ob ich nach dieser Legislaturperiode weitermachen könnte.»

Weil im Hermesbühl-Schulhaus die Turnhalle umgebaut wird und das Lehrschwimmbecken den Betrieb einstellen wird, muss für die betroffenen Sportklubs eine Lösung gefunden werden. Diese Tatsache sei mitunter ein Grund gewesen, warum Stadtpräsident Kurt Fluri das Gespräch mit ihm gesucht habe: Nach 36 Jahren Mitglied der Sportkommission weiss Rudolf von Rohr, welche Wege sie als Bindeglied zwischen Sportvereinen und politischen Behörden einschlagen muss, damit das bestmögliche Resultat herausschaut.

«Es wird sicher Kritiken geben», ist sich der 69-Jährige bewusst. Die Aufgaben der Kommission seien nicht einfach: «Die Entscheide für den Sport sind politische Befugnisse. Wir können Vorschläge machen, aber die Beschlüsse fassen der Gemeinderat und die Stadtverwaltung», sagt Rudolf von Rohr und fügt an: «Man sollte schauen, dass Sportvereine Athleten in den Gemeinderat wählen oder an der Gemeindeversammlung teilnehmen.»

Ein Amt im Wandel der Zeit

Während früher die Sportkommission mehr mit Verwaltungsaufgaben von Sportstätten zu tun hatte und bei jedem Fussballspiel Bewilligungen einholen musste, so erhalte sie heutzutage vor allem Anfragen für Beiträge an die Jugendsportförderung. «Obwohl wir ein gutes Sportangebot und gute Unterstützung bieten, sind die Ansprüche und die Forderungen der rund 80 Sportvereine höher geworden», blickt er zurück. Dabei allen gerecht zu werden, ist eine Herausforderung. «Die Sportklubs gleichbehandeln, ist eine Kunst. Aber ich glaube, dass ich das kann.»

Am Nebentisch hat ein weiterer Gast sein Schinkensandwich und das Getränk bezahlt, er wechselt einige Worte und wünscht ihm einen schönen Tag. Wirt Rudolf von Rohr macht sich nun auf, den Freitag mit 150 Mittagessen zu planen. Im Hinterkopf behält er den Monat November, denn dann könnte die Sportkommission den eigentlich zurückgetretenen Präsidenten für eine weitere Legislaturperiode wählen.