Mit der Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft Supersport 600 erfüllte sich der Hägedörfer Alain Schmid laut eigener Aussage einen Lebenstraum. Am vergangenen Wochenende beendete er seine Premieren-Saison im tschechischen Brünn auf dem fünften Platz im Gesamtklassement. «Das letzte war gleichzeitig auch das beste Rennen der Saison», blickt der 30-Jährige zurück. «Nicht unbedingt wegen der Klassierung. Es war einfach eine Art Befreiungsschlag für mich.» Am Ende einer Saison, in der er viel Lehrgeld bezahlen musste, wie er selbst sagt.

Aufgrund der schlechten Witterung begann die Meisterschaft nicht wie geplant Ende März in Österreich, sondern erst Mitte April in Valencia. «Gut ins Ziel kommen», lautete Schmids Vorhaben auf der für ihn noch gänzlich unbekannten Strecke. Im ersten Rennen vom Samstag fuhr er auf Platz fünf, am Sonntag auf Platz sieben. Bereits in Spanien machte sich ein Problem bemerkbar, das ihn die ganze Saison verfolgen sollte: Schmerzen am Unterarm. «Ich dachte, ich sei physisch auf einem sehr guten Stand», sagt Schmid etwas ratlos, «aber in Valencia war es wirklich schlimm. Auf den letzten Runden ging gar nichts mehr.» Sein rechter Unterarm verkrampfte sich richtiggehend. Es stellte sich heraus, dass es auch am neuen, zu engen Kombi lag. Aber nicht nur, denn auch im alten Anzug machten sich die Schmerzen wieder bemerkbar. Mit Physiotherapie und Dry Needling kämpfte er sich durch die Saison.

Knapp am Podest vorbei

Diese ging turbulent weiter. Am zweiten Rennwochenende in Dijon zog er wegen eines Kupplungsschadens einen Nuller im ersten Rennen ein. Im zweiten belegte er den siebten Platz. Eine Woche später in Brünn stürzte er im ersten Rennen auf Platz vier klassiert, weil er sich vom Sturz seines Vordermanns irritieren liess. Am Sonntag reichte es, auf Sicherheit bedacht, zu einem weiteren siebten Platz. Die vierte Station war der Slovakiaring. Eine weitere Strecke, die er noch nicht kannte, dazu eine lange und sehr anspruchsvolle. Trotzdem holte Schmid einen fünften und einen vierten Platz. Nur um zwei Sekunden verpasste er im zweiten Rennen das Podium.

Ende Juni gings dann wieder nach Dijon in Frankreich. Dort bereitete der Motor seiner Honda CBR 600RR Probleme, geriet im ersten Rennen bereits nach wenigen Runden ins Stottern. Mehr als Platz sechs lag deshalb nicht drin am Samstag. Am Sonntag verbesserte er sich um zwei Ränge und konnte sogar die schnellste Rennrunde des gesamten Fahrerfelds fahren, nur an der Konstanz fehlte es noch. Zum Abschluss der Saison wartete am vergangenen Wochenende der zweite Halt in Tschechien. Dank eines fünften und eines vierten Rangs verteidigte der Hägendörfer seinen fünften Platz im Gesamtklassement. «Ich war relativ locker und hatte während des ganzen Rennwochenendes ein gutes Gefühl. Im nassen ersten Qualifying konnte ich den dritten Platz einfahren», blickt er auf den Saisonabschluss zurück. «Es war das beste Wochenende der Saison, weil ich bis zum Schluss mein Tempo durchziehen konnte. In die anderen Rennen ging ich meistens wie ein Muni rein, konnte die Pace aber nicht halten.»

Die Erfahrungen nutzen

Es war eine lehrreiche Saison. So habe er zum Beispiel realisiert, dass der Motorsport noch mehr Kopfsache sei, als er eh schon angenommen hat. «Benutze nie ein neues Rennkombi ohne es getestet zu haben, das habe ich auch gelernt», kann er rückblickend lachen. Auch im organisatorischen Bereich konnten er und sein Team Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel dass man die Boxen nicht erst einen Monat im Voraus reserviert – die Crew ging nämlich auch mal leer aus. Oder dass es mehr Ersatzteile vor Ort braucht, um auf Schäden reagieren zu können. «Als Team haben wir noch einmal sehr viel über das Motorrad gelernt. Vor allem was die Einstellungen für die Trainings und Rennen angeht. Wir waren ja noch Anfänger. Ich bin stolz darauf, wie schnell wir uns zurechtfanden.» Auch das Budget wird er nächstes Jahr besser kalkulieren können: «33 000 Franken waren wohl etwas knapp berechnet.»

Der Lebenstraum ging in Erfüllung. Jetzt hat es ihn aber so richtig gepackt: «Es war eine Lernsaison. Mit der ansteigender Performance und dem fünften Gesamtrang haben wir unser Saisonziel erreicht. Die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, möchte ich für eine zweite Saison nutzen.» Eine Regeländerung könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Falls weniger Veränderungen am Motorrad zugelassen werden, hätte er mit seiner knapp zehnjährigen Maschine ein Problem. Alain Schmid hofft, dass er im November einen positiven Entscheid erhält.