FC Grenchen
Alain Marie: «Ich merke, wenn etwas nicht funktioniert»

Die neue Vereinsführung des FC Grenchen ist im Amt. Was plant sie genau? Wie soll die Akademie aussehen? Gibt es eine Zusammenarbeit mit den anderen Grenchner Fussballvereinen? Alain Marie, der den Klub nach aussen vertritt, gibt Antworten.

Michael Schenk, Chantal Fimian und Daniel Weissenbrunner
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Sollen den FC Grenchen in eine ruhigere und geordnetere Zukunft führen: Trainer Najib Melhli (links) und Alain Marie, der die Interessen der Investoren vertritt.

Sollen den FC Grenchen in eine ruhigere und geordnetere Zukunft führen: Trainer Najib Melhli (links) und Alain Marie, der die Interessen der Investoren vertritt.

Foto Wagner

Zur Mannschaftsplanung für die neue Saison:

«Wir haben 13 Spieler, die bleiben. Einige Spieler werden aus Paris kommen. Sie spielen in der dritten Division. Es sind Akteure, die eine Profilaufbahn verpasst haben und die sich nun zeigen wollen. Vielleicht machen sie neben dem Fussball noch ein Praktikum in einer Firma. Die Idee ist, dass sie zusätzliche Trainings am Morgen absolvieren. In der Schweiz suchen wir überall. Ich habe Kontakt mit Fabian Salvi, der beim FC Sion als Berater von Klub-Präsident Christian Constantin tätig ist. Auch Maurizio Jacobacci der Trainer von Schaffhausen hilft uns.»

Zur Zielsetzung der ersten Mannschaft:

«Ich glaube, dass ein Aufstieg gut wäre, das würde den Leuten Freude machen. Die Challenge League interessiert hier niemanden, da ist die 1. Liga Promotion attraktiver. Sie hat mehr Klubs und das Niveau ist nur leicht tiefer.»

Zu seinen Kenntnissen des Schweizer Fussballs:

«Ich glaube, dass ich den Schweizer Fussball mittlerweile gut kenne. Ich gehe mir viele Spiele anschauen. Überall, wo wir Spieler haben. Deshalb merke ich, wenn etwas funktioniert und wenn nicht.»

Zu seiner Vergangenheit in Paris und seinem Weg in die Schweiz:

«Ich hatte mehrere Leben. Zuerst war ich Fotograf beim Jugendmagazin ‹Podium› in den 1980er-Jahren – mein erster Beruf. Später wurde ich Sänger und arbeitete in der Musikbranche. Aber ich wollte nie ein professioneller Sänger werden. Ich habe mit vielen Künstlern gearbeitet. Meine Mutter ist in Moutier geboren. Ihre Schwestern leben in der Schweiz. Ich kenne deshalb die Schweiz sehr gut. Biel ist mein zweites Zuhause. Ich habe aber keine Schweizer Staatsbürgerschaft, da meine Mutter diese verlor, als sie Französin wurde. Ich habe zwei Kinder und wohne seit acht Jahren in Pieterlen. Vorher wohnte ich in Biel.

Zu seiner beruflichen Tätigkeit:

«Momentan arbeite ich für die Spielergewerkschaft. Ich berate und organisiere Events. Zudem gehe ich in die Vereine und versuche den Spielern zu erklären, was die Gewerkschaft macht und warum es gut ist, dort dabei zu sein. Wir machen das für Le Mont, Yverdon, Nyon – viel in der Romandie.»

Zu seiner Funktion im Verein:

«Organisation, Events, Kommunikation. Ich kenne die Leute hier und fungiere deshalb als Vermittler zwischen den Franzosen und dem Klub. Jean-Michel Pradeau und vier Freunde geben das Geld.»

Zu früheren Zeitungsartikeln, wonach er den FC Delémont habe kaufen wollten:

«Ich habe den Klub nie kaufen wollen. Wir hatten einen Freund, der uns gesagt hat, dass der Verein kein Geld und fast keine Spieler mehr hat. Dann habe ich mit jemandem von Red-Star Paris geredet, der Spieler anbot, die sich zeigen wollten. Vier bis fünf Spieler kamen nach Delémont. Wir haben nur die Spieler finanziert, das ist alles. Es war eine Erfahrung, die mich auch nach Grenchen geführt hat.»

Zur Motivation, dem FC Grenchen zu helfen:

«Erstens spielt mein Sohn hier. Im Ernst, ich bin passionierter Fussballer. In Grenchen hat man keine Probleme bezüglich der Infrastruktur, aber finanzielle. «Ein Klub ohne Probleme kommt doch gar nicht auf uns zu. Für mich ist der FCG ein grosser Klub. Die Kinder kommen aber erst nach Grenchen, wenn sie in Biel und Solothurn nicht Fuss fassen konnten. Das ist nicht normal, das habe ich auch Rolf Bieri gesagt. Wir haben uns im November in Bern getroffen und Rolf hat uns angefragt, ob wir helfen können, da die Finanzen problematisch seien.»

Zu seiner Beziehung zum vormaligen Präsidenten Rolf Bieri:

«Freunde sind wir nicht, ich habe ihn auf der Tribüne kennen gelernt. Er kann nicht so gut Französisch und ich nicht so gut Deutsch.»

Zur Behauptung, dass ein Investment in den FC Grenchen verlorenes Geld sei:

«Die Leute, die das Geld investieren, glauben nicht, dass es verloren ist. Wir haben die Hoffnung, dass wir gute Spieler verkaufen können oder durch andere Aktivitäten an Geld kommen. Wir haben keine Garantie, dass wir Gewinne einfahren werden, aber das ist auch nicht das primäre Ziel.« Vielleicht verkaufen wir die Spieler, die wir aus Frankreich holen.»

Zur These, dass für die Investoren primär die Lancierung der französischen Sportartikel-Marke Patrick im Vordergrund steht:

«Patrick kenne ich schon lange. Schon Michel Platini hat damit gespielt, aber sie ist in letzter Zeit verloren gegangen. Und Red-Star Paris, für die ich gearbeitet habe, wurde von Patrick ausgestattet. Die Schweiz hat einen interessanten Markt und es ist eine Chance, das Produkt einzuführen, gewiss. In der Romandie gibt es sie bereits. In der Deutschschweiz ist die Marke unbekannt. Sie kostet weniger. Der FCG wird in der nächsten Saison von Patrick ausgestattet. Dieser Aspekt ist aber sekundär. Das war keine Voraussetzung für die Investition, das wurde erst nachher entschieden und bringt für den Klub finanzielle Vorteile.»

Zum neuen Hauptsponsor:

«Das ist offen. Das eilt nicht, aber es hat Interessenten. Das Engagement dürfte in der Höhe von 45 000 Franken liegen.»

Zur Frage, was in drei Jahren sein wird, wenn der Investment-Vertrag ausläuft:

«Es gibt eine Option. Wir haben einen Business-Plan für das Projekt FC Grenchen – ungefähr zehn Jahre. Aber wir werden sehen, ob und wie das funktioniert.»

Zur geplanten Nachwuchs-Akademie:

«Es wird pro Woche ein Training am Mittwochnachmittag für Kids aus der ganzen Region angeboten. Es werden E-, D-, C- und B-Junioren individuell gefördert. Dafür werden vier Trainer anwesend sein. Für die Akademie muss man 150 Franken bezahlen, in denen die Ausrüstung, auch von Patrick, inbegriffen ist. Die Marke ist zwar bei den Kids nicht so beliebt wie Nike oder Adidas, aber es ist die gleiche Fabrik, die sie herstellt. Wir rechnen mit maximal 50 Kindern, die idealerweise Jahresverträge abschliessen. Geplanter Start ist im Juli, aber wahrscheinlich wird es Mitte Juli werden. Zuerst werden an zwei Tagen Tests durchgeführt, bei denen die Talente rausgepickt werden. Trainiert wird hinter dem Stadion. Es gibt nicht viele Teams, die um diese Zeit trainieren, daher wird es die anderen Mannschaften nicht beeinflussen.»

Zum runden Tisch, an dem momentan über die Fusion aller Grenchner Vereine verhandelt wird:

«Ich denke, dass es zu keiner Fusion kommt – zumindest nicht in diesem Jahr. Dafür ist es zu spät. Für uns ist das für diese Saison keine Option. Die Organisation müsste extrem schnell gehen und ich glaube, dass das nicht funktioniert. Grundsätzlich ist es aber eine gute Idee, doch eben, wir zweifeln. Ich würde eine bessere Zusammenarbeit der Fusion vorziehen.»

Zum marokkanischen Trainer Najib Melhli:

«Am 23. Juni wird er hier sein und das erste Training der ersten Mannschaft leiten. Momentan ist er auf der Suche nach einer Wohnung. Wir werden auch Deutsch lernen zusammen. Ein bisschen kann ich ja schon. Aber die Grammatik ist schwierig.»

Zum Job der Vorstandsvorsitzenden Nadja Aubry:

«Sie ist CEO und ist für die Finanzen und juristische Angelegenheiten verantwortlich.»

Zur Präsenz der Geldgeber in Grenchen:

«Jean-Michel Pradeau lebt in Genf und investiert das Geld zusammen mit Geschäftskollegen von ihm. Er war schon an der Generalversammlung dabei und wird auch ab und zu vorbeischauen. Er macht das hier in erster Linie zum Vergnügen. Er versucht immer das zu tun, was ihm gefällt. Wenn morgen die Leute sagen, dass sie ihn nicht mehr wollen in Grenchen, hört er sofort damit auf, den Klub zu revolutionieren. In zehn Jahren wird es den FC Grenchen immer noch geben, aber wir werden dann vielleicht nicht mehr da sein.»

Zur Zukunft des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Gerd Frera:

«Er hat in der Organisation weiterhin Platz und wird das Marketing – sein Metier – übernehmen. Wir werden das zusammen machen und er wird auch weiterhin für die Technik verantwortlich sein.»