Er war jahrelang das defensive Gewissen und die Lebensversicherung der Churer Unihockeyaner – Patrick Kellenberger. Ende letzter Saison trat der 36-Jährige, der einst mit Wiler-Ersigen zweimal Schweizermeister geworden war, vom Spitzensport zurück. Wie würden seine jungen Nachfolger den Krater stopfen, den der «Opa der Liga» im Kasten der Steinböcke hinterlässt – das war eine der epochalen Fragen vor Saisonbeginn. Eine Unbekannte, die nicht nur Coach Thomas Berger beschäftigte. Nun, gut bis ausgezeichnet, scheint es. Gegen Wiler sogar sicher Letzteres.

Überragendes erstes Drittel

Der in ein grell oranges Dress gehüllte Goalie Christoph Reich machte seinem imponierenden Tenü alle Ehre. Ihm hatten es die Bündner sehr zu verdanken, dass sie nach dem Startdrittel mit einem Deluxe-Vorsprung von 4:0 führten. Reich strahlte, zuckte und blitzte wie eine mit Neongas gefüllte Stroboskoplampe in der Disco. Nach einer Partie, die letztlich erst im Penaltyschiessen entschieden wurde, durften Reich und seine Kollegen über einen verdienten 7:6-Sieg jubeln.

Wiler-Coach Johan Schönbeck ärgerte sich nicht so sehr über die Niederlage: «Aber der Anfang vom Spiel bereitet mir Kopfzerbrechen.» Es war ja nicht das erste Mal heuer, dass der Titelverteidiger zu Beginn ins Hintertreffen geriet. Und: «Es kann ja nicht sein, dass wir erst gut spielen, wenn wir in Rückstand liegen», meint Schönbeck. Hier gelte es sofort zu reagieren. Gespräche mit den Spielern sollen eine möglichst baldige Besserung bringen, so der Schwede.

Entscheidung klar zugunsten der Churer

Mit einem Doppelschlag zu Beginn des Schlussabschnittes stellten die ab dem Mitteldrittel mit Wolf im Tor spielenden Berner auf 4:4 und glichen so den Fehlstart aus. Ein Intro zum Triumphzug des Favoriten war dies freilich nicht. 69 Sekunden vor dem Ende glich Chur zum 6:6 aus. Die Entscheidung fiel so im Penaltyschiessen und dies klar zugunsten der Gäste. Die drei ersten Churer trafen, die drei ersten Wilerianer verschossen.

Nach der potenziellen Predigt am stehen heute Sonntag beide Mannschaften bereits wieder im Einsatz. Im Cup-Achtelfinal bekommt es Chur mit Floorball Köniz zu tun. Ungleich simpler präsentiert sich vermeintlich die Aufgabe für Wiler-Ersigen. In der Heimat von «Schacherseppli» Ruedi Rymann trifft der Serienmeister auf den B-Ligisten Sarnen.