Swiss League
Achterbahnfahrt der Gefühle: Der EHC Olten gewinnt nach packendem 6-Tore-Schlussdrittel in Langenthal 5:3

Vom 2:0 zum 2:3 zum 5:3 - Der EHC Olten gewinnt nach einem packenden 6-Tore-Schlussdrittel gegen den SC Langenthal 5:3. Der Matchwinner: Trainer Fredrik Söderström.

Silvan Hartmann
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Eishockey, Swiss League, 22. Runde, SC Langenthal - EHC Olten (20. November 2019)
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Für die Fans aus Olten hat sich die Reise zum Rivalen gelohnt – ihr Team bedankt sich für die Unterstützung mit drei Punkten.
Damit klettern die Powermäuse auf den vierten Tabllenrang – vier Punkte vor Leader Ajoie.
Der Jubel nach zweiten Treffer von Schirjajew zur erneuten Oltner Führung zum 4:3.
Horansky mit der promten Reaktion – der Ausgleich zum 3:3.
Trainer Fredrik Söderström nimmt nach dem Rückstand sein Timeout – mit Wirkung, wie der weitere Verlauf der Partie zeigt.
Lukas Haas (r.) behauptet sich an der Scheibe.
Stanislav Horansky (l.) nimmt Langenthal Torhüter Philip Wüthrich die Sicht – ohne Ertrag.
Die Oltner führen nach zwei Dritteln mit 2:0 und sind auf gutem Weg zum zweiten Derbysieg.
Schirjajew (r.) erhöht auf 2:0 für Olten.
Garry Nunn vergibt die Riesenchance zum 2:0.
Michael Rudolf (d.v.l.) sorgt für viel Unruhe vor dem Tor der Langenthaler.
Der Oltner Keeper Silas Matthys rettet mirakulös. Auch dank ihm steht es nach 20 Minuten 1:0 für die Gäste.
Philipp Rytz (l.) wird von Andrew Clark (M.) in der Zone der Oltner unter Druck gesetzt.
Die Oltner jubeln über den Führungstreffer.
Joel Salzgeber (v.) bringt den EHC Olten mit 1:0 in Führung.
Die Teams schenken sich nichts – es ist ein richtiger Derbyfight.

Eishockey, Swiss League, 22. Runde, SC Langenthal - EHC Olten (20. November 2019)

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Es waren 49 Minuten absolviert, da bekommt eine Allerweltspartie, fernab von hoher Intensität und magistraler Qualität, doch noch Derbycharakter. 2:0 hatte der EHC Olten geführt und war in allen Belangen die bessere, konstantere Mannschaft, als der SC Langenthal die Partie innert 97 Sekunden vom 0:2 zum 3:2 kehrte.

Es waren 97 Sekunden, in denen die Powermäuse eine Auszeit nahmen und alles falsch machten, was nur falsch gemacht werden kann. Erst patzten die Verteidiger bei der Zuordnung und dann griff auch noch der sonst einmal mehr überragende Torhüter Silas Matthys, der statistisch beste Torhüter der Swiss League, daneben.

«Es gab keine Gründe, wütend und gestresst zu sein. Damit hätte ich nur die Spieler angesteckt»

(Quelle: Fredrik Söderström)

Doch wer dachte, dass das Team auseinanderfallen würde, täuschte sich. Gerade noch rechtzeitig zog ­Trainer Fredrik Söderström sein Timeout. Von einer wütenden Brandrede war beim reflektierten Schweden aber nichts zu sehen, gelassen schwörte er seine Spieler in 30 Sekunden noch einmal ein. «Es gab keine Gründe, wütend und gestresst zu sein. Damit hätte ich bloss die Spieler angesteckt», sagt Söderström darauf angesprochen.

«Ich sagte ihnen: Es gibt nun zwei Dinge, die wir tun können: Entweder wir nerven uns über den nächsten Mitspieler und weinen über ­diese drei Tore vor uns hin. Oder wir versuchen diese Partie ­wieder an uns zu reissen und zu gewinnen.»

Es sind Worte, die fruchten sollen. Wohl überlegte Worte, die ihn letztlich zum Matchwinner machen: Denn Olten fand, als wäre nichts geschehen, wieder in die Erfolgsspur zurück, behielt die Nerven eines Spitzenteams.

Erst übernimmt Topskorer Dion Knelsen die Scheibe hinter dem eigenen Tor und kommt am anderen Ende zum Abschluss, worauf Stan Horansky, am richtigen Ort stehend, den Abpraller verwertet. Und danach fackelt Jewgeni Schirjajew nicht lange, indem er mit einem Direktschuss alleine zentral vor dem Tor 73 Sekunden vor Ende der regulären Partie die Führung wieder auf die Seite des EHCO brachte.

Und es erwies sich schliesslich als Gamewinning-Goal. Denn Philipp Rytz, plötzlich die Ruhe in Person auf dem Eis, setzte bei seinem ersten Auftritt im Schoren seit dem Wechsel vom SCL zum EHC Olten im Frühling mit dem 5:3 ins leere Tor den Schlusspunkt auf die verrückte Partie, die über 40 Minuten lang nichts von einem Derby auf sich hatte.

So starteten die beiden Teams äusserst verhalten. Langenthal schien, fast schon eingeschüchtert von Oltens Aufwind der letzten Wochen, mit einer erschreckenden Passivität loszulegen, während Olten ebenfalls eher zurückhaltend startete. Es mag vielleicht auch damit zu tun haben, dass die Anspannung vor dem Derby gefühlt so gross war, wie in keinem einzigen der unzähligen (acht an der Zahl!) Derbys in der Quali der letzten Saison. Die Aufstockung auf 12 Teams und die damit verbundene Modusänderung auf lediglich vier Qualifikations-Duelle scheint der Mittelland-Rivalität in Olten und Langenthal gutzutun. Die Derbys gehören wieder zu den Quali-Highlights beider Mannschaften.

Schulterverletzung: Elsener fällt rund drei Wochen aus

Eine Hiobsbotschaft kündete sich bereits vor dem Derby zwischen Langenthal und Olten an: Der EHC Olten muss tatsächlich mehrere Wochen auf Verteidiger Janis Elsener verzichten. Bei einem Check von Josh Primeau im Heimspiel gegen Sierre war das Talent kurzzeitig nicht gefasst, hatte keine Körperspannung, worauf er sich bei der Szene eine Schulterverletzung zuzog. Der Zuger dürfte rund drei Wochen ausfallen. Damit bleibt es noch für längere Zeit dabei, dass der EHC Olten in der laufenden Saison gerade mal zwei Drittel lang in Vollbestand auftreten konnte. (sha)

Sinnbildlich für den verhaltenen Start stand die Statistik, dass der EHC Olten erst in der 10. Minute den ersten Schuss aufs Tor verzeichnete. Doch danach gings rund: Ausgerechnet die beiden Oltner B-Lizenzspieler von den SCL Tigers erwiesen sich als Türöffner. Joel Salzgeber gewann das Offensivbully, worauf Keijo Weibel abschloss, wiederum Salzgeber nachfasste und sein allererstes Swiss-League-Tor schoss (14.).

Auch darüber konnte sich Söderström nach dem Spiel im Interview freuen, um danach tief durchzuatmen. Eines Tages werde er wegen solchen Spielen wohl auf der Bank tot umfallen, flachst er und sagt abschliessend: «Ich bin beeindruckt von dieser Mannschaft. Sie zeigt einfach immer wieder, wie viel Charakter in ihr steckt.»

Mit dem neunten Sieg in zehn Partien darf der EHC Olten nun in Richtung Spitzentrio schielen. In den nächsten zwei Wochen stehen jedoch lediglich drei Partien auf dem Programm. Der EHC Olten gastiert bei den GCK Lions (Samstag), empfängt den EHC Winterthur (Fr., 29.11.) und reist zu den Ticino Rockets ins Tessin (So., 1.12.) – Zähler, die mit Blick in Richtung Tabellenspitze nun fast schon als Pflichtpunkte erscheinen.

Langenthal - Olten 3:5 (0:1, 0:1, 3:3)

2399 Zuschauer. - SR Hendry/Vikman (FIN), Kaderli/Bürgy. - Tore: 14. Salzgeber (Weibel, Rudolf) 0:1. 37. Schirjajew (Wyss, Maurer) 0:2. 49. (48:05) Tschannen (Kummer, Christen) 1:2. 50. (49:26) Küng (Clark) 2:2. 50. (49:42) Sterchi (Tschannen) 3:2. 52. Horansky (Knelsen) 3:3. 59. (58:47) Schirjajew (Nunn, Schwarzenbach) 3:4. 60. (59:56) Philipp Rytz (Horansky) 3:5 (ins leere Tor). - Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Langenthal, keine gegen Olten.

Langenthal: Wüthrich (Hughes); Müller, Christen; Weber, Pienitz; Bircher, Maret; Guggenheim; Gerber, Clark, Küng; Tschannen, Kummer, Sterchi; Gyger, Kläy, Melnalksnis; Derungs, In-Albon, Andersons; Dähler.

Olten: Matthys (S. Rytz); P. Rytz, Rouiller; Sartori, Weisskopf; Eigenmann, Lüthi; Maurer; Horansky, Knelsen, Nunn; Schwarzenbach, Schirjajew, Wyss; Weder, Rexha, Haas; Weibel, Salzgeber, Rudolf.

Bemerkungen: Olten ohne Elsener (verletzt), Heughebaert, Lanz (überzählig).

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