Mountainbike

Abschalten und Energie tanken: Manuel Fasnacht startet mit dem Neuanfang

«Wieder vermehrt Freude am Biken finden»: Manuel Fasnacht geniesst die Aussicht von der Roggenfluh nach seiner Trainingspause.mf

«Wieder vermehrt Freude am Biken finden»: Manuel Fasnacht geniesst die Aussicht von der Roggenfluh nach seiner Trainingspause.mf

Manuel Fasnacht verzichtet auf die EM und fokussiert sich auf die SM Anfang Juli. Nach einem erfolgreichen letzten Jahr blieben die positiven Ergebnisse in dieser Saison aus. Als Hauptgrund nennt der 18-Jährige «das zu intensive Training».

Noch zu Beginn der Saison war im Hause Fasnacht das bevorstehende Wochenende rot markiert. Es stand ausser Frage, dass Manuel bei der Heim-EM auf dem Gurten mit von der Partie sein und, mehr noch, eine starke Vorstellung abliefern würde. Soeben hatte der 18-jährige Gretzenbacher die Resultate des Leistungstests in Magglingen erhalten, und die waren vielversprechend. Sie beschieden dem Niederämter noch bessere Werte, als er sie bereits im Jahr zuvor vorzuweisen hatte.

Und das wollte etwas heissen, denn «Mänu», wie er von seinem Umfeld genannt wird, lieferte 2012 eine beeindruckende Saison ab. In seinem ersten Jahr als Junior fuhr er nicht nur am nationalen BMC Racing Cup mehrmals aufs Podest, er klassierte sich sogar im Weltcup dreimal in den Top 12. Die Erwartungen an sein zweites U19-Jahr waren also hoch, doch es schien, als ob er sie würde erfüllen können.

Freude am Biken zurückgewinnen

Je näher allerdings der erste Saisonhöhepunkt in der Bundeshauptstadt rückte, desto weniger klappte es beim besten Fahrer mit Jahrgang 1995 der letzten Saison. Nach immer wiederkehrendem Pech mit dem Material und Zwischenfällen an wichtigen Rennen kam Fasnacht plötzlich auch leistungsmässig nicht mehr an sein gewohntes Rendement heran und verlor unerklärbar viel Zeit auf Fahrer, die er noch vor kurzem klar distanziert hatte.

Nicht auf den Lorbeeren ausgeruht

Nachdem er zusammen mit seinem Trainer, Nicolas Siegenthaler, nach dem Ausschlussprinzip auf Ursachenforschung gegangen war, blieb eine letzte Erklärung übrig: Übertraining. Der Vorwurf, Fasnacht habe sich auf den letztjährigen Lorbeeren ausgeruht und sich zu wenig seriös auf das 2013 vorbereitet, stimmt also nicht – im Gegenteil. Der Absolvent der United School of Sports, wo er in den nächsten Wochen den zweijährigen Theorieblock mittels LAP abschliesst, hatte bei seiner minuziösen Vorbereitung einen wichtigen Faktor arg vernachlässigt: die Regeneration.

«Ich versuchte, überall zu optimieren»

Er trainierte zu intensiv, wodurch sich der Körper nicht mehr richtig erholen konnte. «Ich versuchte, überall zu optimieren. Bei der Ernährung, beim Schlaf, in jedem einzelnen Training.» Dabei, so die bittere Erkenntnis, wäre es ganz einfach gewesen: «Eigentlich hätte ich genau so weitertrainieren sollen wie im letzten Jahr. Denn da hatte es ja bestens funktioniert.» Und so zog er nach dem Rennen in Gränichen, welches er auf dem enttäuschenden 11. Platz beendete, die Reissleine. Trainingsstopp, eine Woche Pause, dem Körper die dringend benötigte Erholung gönnen. «Ich hatte Zeit für Sachen, die sonst zu kurz kommen», kann Fasnacht der ganzen Situation zumindest etwas Positives abgewinnen. Es war eine Woche, die gut getan hat, vor allem im Kopf. Beim Ausgang mit Freunden kam er auf andere Gedanken, kriegte den Kopf frei und sammelte Motivation, den zweiten Teil der (für ihn wichtigen) Saison fokussiert in Angriff nehmen zu können. «Ich muss versuchen, wieder mehr Freude am Biken zu kriegen. In der letzten Zeit versteifte ich mich zu sehr darauf, Resultate abzuliefern.»

Unplanmässiger Aufbau im Juni

Mit Blick auf die kommenden Rennen wird er zwar nicht gleich euphorisch – das würde auch nicht dem eher ruhigen Naturell des Spitzenbikers entsprechen. Doch abgeschrieben hat er das Bikejahr noch lange nicht. Nach der Wiederaufnahme des Trainings diesen Montag plant er in der nächsten Woche intensive Einheiten, und zwar auf dem Bike wie auch im Kraftraum. Das Ziel ist klar: An den Schweizer Meisterschaften auf der Lenzerheide vom 7. Juli soll Manuel Fasnacht wieder an der Startlinie stehen. Er ist selber gespannt, ob der «Mini-Aufbau» bis in gut zwei Wochen das erwünschte Resultat bringen wird. «Es wird sich zeigen, ob ich mich tatsächlich genug erholen konnte.» Denn eine Vorgabe, wie lange die Pause nach langfristiger Überbelastung, also Übertraining, sein soll, gibt es nicht.

Argovia Cup als Formtest

Als letzter echter Formtest vor der SM wird ihm dabei das Rennen zum Argovia Cup in Lostorf dienen. Der attraktive Lauf geht genau eine Woche vor der SM über die Bühne, und mit dem Neuseeländer Samuel Gaze (überlegener Sieger am Weltcup-Rennen im Val di Sole) wartet überaus starke Konkurrenz auf den Niederämter. Und dann wird vielleicht auch die WM Mitte September (wieder) zum Thema. «Zuerst muss ich selektioniert werden», wiegelt er ab. Und dazu bedarf es einer richtig guten zweiten Saisonhälfte.

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