Eishockey
Abby Campbell ist die starke Frau hinter NLB-Topskorer

Jeff Campell spielt seit vier Jahren in Europa. Seit zwei Jahren ist er beim SC Langenthal. Die Saison läuft Prima. Campell ist Liga-Topskorer der National League B. Doch nur dank seiner Frau Abby läuft Vieles so gut.

Michael Lüthi
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Ohne seine Frau Abby und Hündin Emma geht bei Eishockeyaner Jeff Campbell gar nichts.marcel bieri

Ohne seine Frau Abby und Hündin Emma geht bei Eishockeyaner Jeff Campbell gar nichts.marcel bieri

Sie reisen ihren Männern immer hinterher. Sie sitzen im Stadion und jubeln ihrem Liebsten zu. Sie sehen gut aus, können gut kochen und putzen. Aber Spielerfrauen von ausländischen Profisportlern können weit mehr als das. Sie sind die wichtige Person im Hintergrund. Sie halten den Sportlern den Rücken frei und hören zu, wenn es gerade mal nicht läuft.

«Wollte weg aus Amerika»

Eine von ihnen ist Abby Campbell (29), die Frau von Jeff Campbell (30), Eishockey-Söldner beim NLB-Klub Langenthal. Wir haben die beiden – sie haben sich im Jahr 2000 an der Universität in Michigan (USA) kennen gelernt und 2007 geheiratet – in ihrer Wohnung in Bleienbach besucht. Fazit: Abby Campbell ist die starke Frau im Hintergrund. Ohne sie wäre Gatte Jeff nicht der Topskorer der National League B.

Schon vier Jahre sind die Amerikanerin aus Michigan und der Kanadier aus Ontario nun in Europa. Nach einem Jahr in Dänemark und einem Jahr in Olten lebt das Paar nun schon bald zwei Jahre im Oberaargau. «Ich wollte ohnehin mal weg aus Amerika. Und durch Jeffs Beruf kommen wir um die Welt. Ich liebe das Reisen», sagt Abby Campbell. Sie steht voll und ganz hinter dem speziellen Job ihres Mannes.

Und so sagt sie doch etwas überraschend: «Ich freue mich nicht auf das Ende von Jeffs Karriere.» Sie geniesst die Zeit mit ihrem Mann in der Schweiz. Beide geraten ins Schwärmen und Strahlen. «Es ist so schön hier. Immer wieder wollen uns Freunde aus der Heimat besuchen kommen.»

Fitnessstudio und Babysitting

Abby Campbell ist nicht die typische Spielerfrau. Und nur das attraktive Anhängsel eines Eishockeyprofis ist sie sowieso nicht. Sie war einst eine starke Leichtathletin und rennt immer noch für ihr Leben gern. Im Jahr 2006 lief sie den Detroit Marathon in 3:35 Minuten. Ab und zu geht das Ehepaar Campbell gemeinsam joggen. Und nach einer gewissen Zeit muss der Eishockeyprofi klein beigeben. «Sie mag viel länger rennen als ich», sagt er. Aber zurzeit hat die 29-jährige Amerikanerin zu viel zu tun, um noch Wettkämpfe zu bestreiten.

Es ist das erste Europajahr, in welchem sie arbeitet – ungewöhnlich für eine Spielerfrau. Sie vermietet Appartments via Internet für eine Firma, die in San Francisco stationiert ist. Zu Hause hat sie sich ein gemütliches Büro eingerichtet und arbeitet von Montag bis Freitag von 8 Uhr morgens bis um 17 Uhr. Sie strahlt und sagt: «Ich bin sehr froh, kann ich arbeiten.» Davor war sie nämlich drei Jahre ohne Job. Nicht immer eine einfache Zeit. «Aber ich wusste mich immer zu beschäftigen. Ich habe Sprachkurse genommen, ging viel ins Fitnessstudio und habe Babysitting gemacht.»

Die Raclette-Fans

Abby Campbell ist bei jedem Heimspiel des SC Langenthal dabei, um ihren Jeff anzufeuern. «Aber du schaust gar nie zu mir auf die Tribüne rauf», sagt sie. «Ich bin halt so auf das Eis fokussiert», erwidert er und lacht. «Aber nach dem Spiel winkst du mir immer zu», erzählt Jeff Campbells grösster Fan. «Aber es ist schon gut zu wissen, dass sie da oben sitzt», fügt er an. Die beiden sprechen zu Hause über Gott und die Welt, aber nur selten über Eishockey. Nach den Spielen werde schon noch ein wenig darüber diskutiert, mehr aber nicht.

«Wenn im Training mal etwas Spezielles passiert ist, dann erzähle ich das Abby. Aber ansonsten versuche ich, die Probleme vom Eishockey nicht mit nach Hause zu bringen.» Aber Probleme gibts in dieser Saison bei Campbell bisher überhaupt keine. Er ist zusammen mit Sturmpartner und Nachbar Brent Kelly in der NLB das Mass der Dinge in Sachen Skoren. Mit den Kellys haben die Campbells am 24. Dezember auch gemeinsam Weihnachten gefeiert.

«All you can eat» und Raclette

Es gab «all you can eat», von allem ein wenig. An Neujahr steht dann bei den Campbells typisch kanadisch-amerikanisch Raclette auf dem Speiseplan ... «Wir lieben das. Und unsere Gäste aus der Heimat auch.»

Abby Campbell bäckt leidenschaftlich gerne – ihr süsses Karrottenbrot, wie sie es nennt, schmeckt vorzüglich – und geht viel mit dem kleinen Hund Emma und Jeff auf lange, ausgedehnte Spaziergänge. Kinder sollen irgendwann auch zum Thema werden. «Im Moment ist Emma unser Kind.» Im Normalfall übernimmt sie auch das Kochen, macht ihrem Mann vor den Spielen Pasta oder verhält sich ruhig, wenn er sich vor einer Partie noch ein, zwei Stunden aufs Ohr haut. «Sie macht viele solche Sachen im Hintergrund, die sehr wichtig für mich sind», sagt der Eishockeyprofi. Da haben wir den Beweis: Abby Campbell ist die starke Spielerfrau im Hintergrund.