Swiss-League-Playoffs

5:6 nach 5:2-Führung: Der unerklärliche Einbruch des EHC Olten

Was für eine schmerzhafte Niederlage für den EHC Olten! Innert 85 Sekunden glich der EHC Thurgau einen 2:5-Rückstand aus und gewann das Spiel dank eines Treffers in der Verlängerung. In der Playoff-Serie steht es jetzt 2:2.

Der EHC Olten sah in Weinfelden schon wie der sichere Sieger aus. Es lief bereits die 57. Spielminute, als die Powermäuse mit einer 5:2-Führung im Rücken einem souveränen Auswärtserfolg entgegensteuerten. Ja mehr noch: Mit dem dritten Sieg im vierten Viertelfinal-Duell gegen die Thurgauer hätte man den Einzug in die Halbfinals schon vor Augen gehabt. Am Mittwoch hätte man vor eigenem Publikum den Sack zumachen können.

Playoffspiel 4, HC Thurgau - EHC Olten: Die unglaublichen 85 Sekunden des EHC Olten

Ja man hätte es den Oltner Spielern nicht einmal verübeln können, wenn ihre Gedanken in jener 57. Minute bereits etwas weiter in die Ferne geschweift wären. Denn zu jenem Zeitpunkt sprach nichts, aber auch gar nichts dafür, dass der HC Thurgau noch einmal in diese Partie zurückkehren würde. Zu souverän war der Auftritt des EHC Olten gewesen, der im letzten Drittel im Stil einer Klassemannschaft mit 5:2 in Führung gegangen war.

Aus Helden wurden plötzlich Versager

Doch dann kamen die fatalen 85 Sekunden, die all das vorher Geleistete zur Makulatur werden liessen und aus Oltner Helden schliesslich Versager machten. Zweimal Andri Spiller und Patrick Parati sorgten innert kürzester Frist für das unfassbare Comeback der Thurgauer. Die mit dem Mute der Verzweiflung stürmenden Ostschweizer nutzten den kollektiven Tiefschlaf der sich offensichtlich in Sicherheit wähnenden Oltner aus und erzwangen auf schier unglaubliche Art und Weise noch die Verlängerung. Dass der HC Thurgau auch dort letztlich die Oberhand behielt und dank Eric Arnold nach etwas mehr als acht Minuten den frenetisch umjubelten Siegtreffer erzielte, war nach dieser nicht mehr für möglich gehaltenen Willensleistung fast die logische Konsequenz.

Dabei hatten die Oltner vorher während über 56 Minuten eine sehr gute Leistung abgeliefert und nahtlos an den 4:1-Heimsieg vom Freitag angeknüpft. Vorne wurden die Chancen – vor allem im letzten Drittel – kaltblütig ausgenützt. Und hinten machten sowohl die Verteidigung als auch Goalie Matthias Mischler mehrheitlich einen souveränen und sattelfesten Eindruck. Kurz: Man konnte sich zu jenem Zeitpunkt beim besten Willen nicht vorstellen, wie sich diese Mannschaft noch die Butter vom Brot nehmen lassen kann. «Manchmal braucht es im Eishockey nur wenig und man verliert die ganze Partie in wenigen Sekunden aus den Händen. Das haben wir blöderweise zugelassen. Sie kamen plötzlich in den Rausch und wir konnten darauf nicht mehr reagieren, als wäre man wie gelähmt», versuchte EHCO-Verteidiger Simon Lüthi, der einen solchen Spielverlauf während seiner langen Profikarriere nicht zum ersten Mal erlebt hatte, das Geschehen in Worte zu fassen.

Die Karten werden neu gemischt

Jetzt werden die Karten total neu gemischt. Es ist alles wieder offen. In der Viertelfinal-Serie steht es 2:2. Aber das berühmte Playoff-Momentum, welches sich schon so schön aufseiten des EHC Olten gemütlich gemacht hatte, ist nun plötzlich wieder ein gern gesehener Gast bei den Thurgauern. Nun sind also vor allem die mentalen Qualitäten der Oltner gefragt. Schaffen sie es, diese bittere Niederlage bis zum Mittwoch, wenn das fünfte Playoff-Duell auf dem Programm steht, wegzustecken? Das ist die allergrösste Kunst während dieser Meisterschaftsphase. «Man fühlt sich leer im Moment, klar. Es ist eine sehr harte Niederlage. Aber so kann es gehen in den Playoffs. Trotzdem müssen wir positiv bleiben: Wir haben sie 55 Minuten lang dominiert. Das kann uns zumindest ein gutes Gefühl geben, auch wenn wir nun etwas daran zu beissen haben», versuchte Anthony Rouiller noch einen erfreulichen Aspekt zu finden. Klar ist: Jetzt kann das Team beweisen, aus welchem Holz es geschnitzt ist.

Thurgau - EHC Olten Spiel 4

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