Karate ist eine Randsportart, die keine Nachwuchssorgen kennt. Für das dritte Turnier der Junior-League 2011 in der Sportanlage Mittelholz in Herzogenbuchsee war eine Obergrenze von 450 Starts in den Disziplinen Kata und Kumite vorgesehen. Aufgrund der 350 angemeldeten 6- bis 13-Jährigen wurden es 557. «In der Region Solothurn-Biel ist unsere Sportart sehr populär; aber auch im Oberaargau ist sie sehr vertreten», sagte Biagio Bandello, der Technische Leiter dieses Mammutanlasses. Von den 192 zu vergebenden Medaillen verblieben drei Gold-, zwei Silber- und fünf Bronzemedaillen in der Region Oberaargau-Solothurn.

Kampfgericht bewertet

Im Kata zeigten 300 Jugendliche imaginäre Kämpfe. Bei der Präsentation von verschiedenen Abläufen von Angriffen steht kein direkter Gegner gegenüber, sondern das Kampfgericht vergibt eine Note. Kumite ist eine Kampfart ohne gegnerischen Kontakt. In dieser Disziplin wird von einem fünfköpfigen Kampfgericht – je einer pro Seite plus Haupt-Schiedsrichter – die Ausführung des Schlages, die Effektivität und die Nähe zum weissen Gi, dem Karate-Sportanzug, bewertet. «Im Nachwuchs ist beim Oberkörper die Distanz fünf bis zehn Zentimeter, bei den Erwachsenen ist eine leichte Berührung der Gi-Oberfläche gestattet», erklärt Bandello. Im Kopfbereich ist keine Berührung erlaubt.

Ritualisiert und strukturiert

Auf den sechs Kampfflächen standen 43 Schiedsrichter im Einsatz. Sie hatten gesamthaft über 5000 Kämpfe zu überwachen. Die Kampfdauer in den 16 nach Geschlecht getrennten Alterskategorien in den drei Gewichtsklassen Leicht, Mittel und Schwer betrug eine Minute bei den Jüngsten respektive anderthalb Minuten bei den Ältesten. «Bei einem Unentschieden entschieden die Schiedsrichter über den Sieg, anstelle der üblichen Verlängerung», erläutert Bandello. Mit dieser Vorgabe konnte der ambitiöse Turnierablauf eingehalten werden. «Alles verlief reibungslos und wir konnten den Zeitplan wie vorgesehen einhalten», so sich Bandello.

Diese Disziplin überrascht nicht. Die asiatischen Kampfsportarten sind strukturiert und ritualisiert. Diese Grundidee wird dem Nachwuchs von Anfang an mitgegeben und ist fester Bestandteil des Wettkampfes. «Karate heisst übersetzt leere Hand und bedeutet waffenlos», erklärt Bandello. Dazu gehören auch Kampfschreie, die im Wettkampf ausgestossen werden. Die Körperbeherrschung ist ein wichtiges Element, denn mittels Hand- und Fusstechniken werden die Schläge nur angedeutet, aber nicht durchgezogen. Trotz dieser strengen Ordnung herrschte in der Mittelholz-Halle eine ausgelassene, fröhliche Stimmung, die sich auch auf die überaus grosse Zuschauerzahl übertrug.