Eishockey
40 kleine grosse Eishockeyaner trainierten in der Schorenhalle

Einen Augenschein in der Hockeyschule des SC Langenthal - der Existenzbasis des Vereins. Viele Spieler der ersten Mannschaft haben schleisslich auch einmal so oder ähnlich angefangen.

Michael Schenk
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Alexander holt sich Tipps und Lob beim Grosi ...
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Ein Augenschein in der Hockeyschule des SC Langenthal
... wie Nevio die Lage sondiert. m. Schenk

Alexander holt sich Tipps und Lob beim Grosi ...

Limmattaler Zeitung

Die Spieler der NLB-Mannschaft haben diesen Samstag für einmal frei. Ansonsten freilich unterrichten sie, angeführt von Aushängeschild Noël Guyaz (39), in der Hockeyschule des SC Langenthal den jüngsten Nachwuchs. Schliesslich wollen sie ja alle, die sie da ab 3-jährig mehr oder weniger «gwagglig» auf dem Eis «rumziben und - purzeln» einmal so gut werden wie der über 700-fache NLA-Spieler Guyaz – mindestens. Die Hockeyschule sei für den SC Langenthal die Existenzbasis, erklärt Sportchef Reto Kläy. Deshalb sei klar, dass sich die Spieler der ersten Mannschaft engagieren würden. «Viele von ihnen haben ja schliesslich auch einmal so angefangen», so Kläy.

Alexander, der Virtuose

Für Alexander jedenfalls steht fest, «ich will Eishockeyspieler werden.» Seine Grossmutter an der Bande muntert ihn auf: «Chumm, fahr no chli ume:» Alexander ist 4 Jahre alt und pflegt einen ganz eigenen Laufstil. Da wird nicht mit den Kanten abgestossen, nein, da wird nahezu militärisch, im Paradeschritt, vorwärts übers Eis marschiert. Eine stolze Haltung. «Angst hat er gar nicht», sagt sein Grosi. Aber so richtig Lust mitzumachen, hat Alexander jetzt gerade auch nicht. Ein bisschen viele Kinder habe es, meint er. Stimmt, mit rund 40 Kids ist die Schorenhalle an diesem Vormittag proppenvoll. Da muss man sich schon Mal verwundert die Augen reiben.

Wenn nur dieses doofe Gitter vor dem Gesicht nicht wäre. Wie, «Stärne Füfi», sollen so die Finger die Augen erreichen. Erst einmal pausieren und durchatmen. Alexander setzt sich auf der Ersatzbank. Dort lüftet sich das Geheimnis, warum der «Mini-Gretzky» momentan mit minimalen Motivationsproblemen kämpft. «Es het ja gar keni Pögge uf em Is...», sagt er enttäuscht. Alles klar: Soll sich warmlaufen wer will, Virtuosen wie er gehen erst aufs Eis, wenn sie den Stock einsetzen können – schliesslich geht ein Geiger ja auch nicht auf Bühne, ohne seine Geige. Geht ja gar nicht, so was.

Nevio, der Stilist

Nevio ist 3 Jahre alt und steht zum dritten Mal auf den Schlittschuhen. Er atmet den zweifelhaft erfüllenden Duft von verschwitzen, feuchten Dresses, Stulpen, und Unterhemden ein, seit er auf der Welt ist. «Der Vater spielt seit 25 Jahren Eishockey», erzählt der Papa himself. Er habe seinem Sohn im Keller ein Tor aus Dachlatten basteln müssen. Praktisch: Wenn Mami jetzt einmal Ruhe haben will, schickt sie ihren Sohn in den Keller und der ballert da mit Lust und Laune garantiert eine Stunde aufs Tor.

Die Haltung ist 1a

Die Gene des Vaters, ehemaliger Zweitligist bei Grächwil, sind nicht zu verleugnen. Die Haltung von Nevio ist 1a – gerader Rücken, den Bilck aufs Eis und die Mitspieler, und nicht etwa auf die Füsse und den Puck. Ganz nach dem Motto: Das Fahrwerk habe ich im Griff, ich konzentriere mich voll auf den Verkehr. Eishockeyaner sind harte Jungs, sagt man. «Nevio wollte unbedingt dabei sein», erklärt sein Vater. Obwohl er tags zuvor 39 Grad Fieber hatte. Nur Weicheier würden das Training sausen lassen und jetzt zuhause im Bett Kamillentee schlürfen. Dann schon lieber einen Schoggigipfel als Leistungsprämie reinziehen. Zwischendurch braucht Nevio eine Pause, und eben, sein «Schokogipfeli». Das muss sein. Das Gebäck füllt Energie- und Moraldepots wieder. Nach der hochgenüsslichen Leckerei ist er parat für die nächste Runde.

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