Eishockey
4 Spiele, 4 Siege: Wenn bei Olten das Drehbuch stimmt

Der EHC Olten schafft die Überraschung gegen den Meister Visp, schlägt die Walliser gnadenlos mit 5:1 und steht auf kürzestem Weg im Playoff-Halbfinal. Doch die Oltner bleiben auf dem Boden - man will die Fehler vom letzten Jahr vermeiden.

Marcel Kuchta
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Der überragende EHCO-Goalie Thomas Bäumle bremst den Visper Sandro Wiedmer.

Der überragende EHCO-Goalie Thomas Bäumle bremst den Visper Sandro Wiedmer.

Oltner Tagblatt

Vor einem Jahr, da wähnte sich der EHC Olten um diese Jahreszeit im falschen Film. Zur Erinnerung: Nach einer grandiosen Qualifikation, welche die Oltner überlegen auf dem ersten Tabellenrang abschlossen, scheiterte man schon im Playoff-Viertelfinal am HC La Chaux-de-Fonds. Was folgte, war ein Sommer voller schlechter Erinnerungen, eine – durch den Hallenumbau bedingte – noch schlechtere Vorbereitung, welche schliesslich in einer turbulenten und von einem Trainerwechsel geprägten Qualifikation mündete.

Doch die Erinnerungen an die teilweise quälenden Momente der vergangenen Monate waren spätestens gestern Abend gegen 22 Uhr wie weggeblasen. Die knapp 6000 Zuschauer im Kleinholz feierten ihre Spieler, die sich ihres Viertelfinal-Gegners Visp auf kürzestem Weg entledigt hatten.

Im vierten Spiel folgte Sieg Nummer vier. Die Walliser wurden mit einem 5:1 kurz und schmerzlos in die lange Sommerpause geschickt. Einen solchen Lauf der Dinge hätten sich die Oltner nicht erträumen lassen: «Ich hätte schon auf einen Seriengewinn von uns gewettet, aber sicher nicht auf ein 4:0», sagte EHCO-Topskorer Marco Truttmann lächelnd. «Den Meister so aus dem Rennen zu werfen, ist ein tolles Gefühl.»

Truttmanns Nervosität

Wie gefestigt der EHC Olten im Vergleich zum steten Auf-und-ab der Qualifikation in der Serie gegen Visp aufgetreten ist, ist erstaunlich. Die Mannschaft behielt auch in den kritischen und schwierigen Phasen stets die Übersicht und konnte sich auf seine herausragenden Torhüter verlassen.

Nachdem der in den ersten drei Spielen der Serie überragende Michael Tobler im gestrigen, vierten Spiel krankheitshalber forfait geben musste, sprang Ersatzmann Thomas Bäumle ein und lieferte eine ebenso fabelhafte Leistung ab. Nicht nur die beiden Goalies waren ein Trumpf der Oltner, sondern auch die Breite ihres Kaders. Der Ausfall von Truttmann fiel in den ersten drei Partien nicht ins Gewicht.

Gestern kehrte der quirlige Stürmer zurück und schoss in der 9. Minute gleich das wegweisende 1:0 – notabene in Unterzahl. «Ich wusste, dass ich die Jungs vielleicht ein wenig mitziehen muss. Ich war schon ein wenig nervös am Anfang», sagte der Rückkehrer und fügte an: «Der frühe Treffer war nicht nur für mich beruhigend.»

Den Glauben zurückerlangt

So euphorisch die Stimmung unter den Zuschauern war, so zurückhaltend zeigte man die Freude im Lager der Spieler und Verantwortlichen. Schliesslich soll das Abenteuer Playoffs nach dem abrupten Ende im Vorjahr heuer viel länger dauern.

EHCO-Sportchef Köbi Kölliker befand, «dass die ganze Serie für uns gelaufen ist. Die beiden Verlängerungen in Visp hätten auch andersherum herauskommen können. Aber wir haben an uns geglaubt und etwas dafür getan, dass es schliesslich so gelaufen ist», unterstrich er.

Für Kölliker waren schon während der Qualifikation gute Ansätze sichtbar. «Meine Frage vor den Playoffs war deshalb mehr, ob wir die nötige Konstanz hinbringen, um diesen Gegner besiegen zu können. Der erste Sieg in Visp gab uns Luft, hat uns beflügelt und auch den Glauben an uns gegeben.» Bemerkenswert auch, dass man sich beim EHCO durch den Nebenschauplatz mit dem fasnächtlichen Abenteuer von Ersatzausländer Adam Courchaine nicht aus dem Konzept bringen liess.

Schöne Zukunft vor Augen

Die Oltner werden nun über eine Woche Zeit haben, um sich von den Strapazen der zwar kurzen, aber trotzdem intensiven Serie gegen den letztjährigen NLB-Meister zu erholen. Wer der nächste Gegner ist, steht noch nicht fest. Köbi Kölliker sagt: «Wir wollen obenaus schwingen. Deshalb wird jeder Gegner für uns eine Challenge sein.»

Kurzfristig sieht die Oltner Zukunft also wunderbar aus. Und auch im Hinblick auf die kommende Saison sorgt man beim EHCO für klare Verhältnisse. Nach der kürzlich bekannt gewordenen Verpflichtung des aktuellen Rapperswil-Captains Stefan Hürlimann vermeldete gestern die Tessiner Zeitung «La Regione», dass Ambri-Verteidiger Reto Kobach (34) für zwei Jahre in Olten unterschrieben hat.

Damit stossen zwei gestandene NLA-Cracks zum Team. Sie werden mit Interesse verfolgen, wie sich die Story des aktuellen EHCO-Playoff-Films entwickelt.