Das Unheil kündigte sich bereits nach 30 Sekunden an. Josh Primeau, ausgerechnet der Mann fürs Grobe in den Reihen des SC Langenthal, traf völlig allein gelassen vor dem Oltner Tor zum 1:0. Schon in dieser Szene stimmte die Zuordnung in der EHCO-Defensive überhaupt nicht. Ein Umstand, der sich wie ein roter Faden durch das Spiel ziehen sollte. Oder wie es Trainer Heikki Leime nach der Schlusssirene ausdrückte: «Wir haben zu viele, kleine Fehler gemacht. Und wenn die gegen ein Team wie Langenthal macht, wird man dafür bestraft.»

Kleine Fehler wie ungenaue Angriffsauslösungen, Fehlpässe oder schlicht ungenügendes Abwehrverhalten. Nichts verdeutlichte diese Schwäche besser als der zweite Langenthaler Treffer. Martin Ulmer liess sich als hinterster Mann von Luca Triulzi wie ein Junior überlaufen, Füglister verwertete den Abpraller zur neuerlichen Führung der Langenthaler, nachdem EHCO-Captain Stefan Hürlimann nur 37 Sekunden nach Primeaus 1:0 den Ausgleich erzielt hatte.

Der EHC Olten lief an diesem Abend nicht nur dem Resultat, sondern auch dem Geschehen immer ein wenig hinterher. Die Langenthaler wirkten zielstrebiger, frischer und spritziger in ihren Aktionen. Dieses nicht offensichtliche, aber latente Übergewicht wirkte sich spätesten im zweiten Drittel aus, in welchem die Oberaargauer die entscheidende Differenz schufen.

Nach Remo Hirts neuerlichem Ausgleich (25.) zogen die Langenthaler nach Treffern von Kämpf (32.) und Campbell (37.) auf 4:2 davon. Zu diesem Zeitpunkt war spürbar, dass die Comeback-Künstler aus Olten, die sich in der laufenden Saison bereits fünfmal in einem Schlussdrittel einen Rückstand aufgeholt hatten, grosse Mühe haben würden, noch etwas Zählbares aus der Schorenhalle mitzunehmen.

Die Mühe mit dem Powerplay

Das Bemühen war wohl da, noch einmal die Wende zu erzwingen. Auch die Chancen wären vorhanden gewesen, aber diesmal wollte der Puck nicht den EHCO-Weg einschlagen. Das lag auch daran, dass das Powerplay erneut nicht zu überzeugen vermochte. Sämtliche vier Überzahlspiele liessen die Oltner ungenutzt verstreichen. «Immerhin», so Verteidiger Roman Pargätzi, «sind wir zu einigen Chancen gekommen. In diesem Sinne haben wir uns verbessert.» Für Leime ist klar, dass das Powerplay in nächster Zeit oberste Priorität geniessen wird.

«Wir werden es analysieren und die nötigen Schlüsse daraus ziehen.» Auffällig war auch in Langenthal, dass die Oltner den Puck wohl ordentlich zirkulieren lassen, in richtig gute Abschlusspositionen kommen die Spieler allerdings nur selten. Und auch vor dem gegnerischen Torhüter herrscht in diesen Situationen viel zu wenig Verkehr. Die Langenthaler erzielten ihren Powerplay-Treffer zum 4:2 mit der uralten, bewährten Variante: Slapshot von der blauen Linie (Ahlström), Ablenker vor dem Tor (Campbell).

Klar ist: Die Oltner können die erste Niederlage nach 60 Minuten in der laufenden Saison verkraften. «Wir wussten, dass sie irgendeinmal kommen würde. Schade kam sie ausgerechnet im Derby«, ärgerte sich Romano Pargätzi, der dem Gegner aber eine gute Leistung attestierte: «Sie sind vor allem in der Defensive sehr gut gestanden und haben nicht viele Chancen zugelassen.» Für Heikki Leime war die Niederlage nicht zwingend («Ich denke, wir haben nicht einmal so schlecht gespielt»), zumal der EHCO personell gewichtige Absenzen zu verzeichnen hatte (Truttmann, Burki).

Die Personalsituation dürfte sich gestern verschlechtert haben. Diego Schwarzenbach lief im Mitteldrittel in einen Check auf offenem Eis und schied mit Verdacht auf eine Schulterverletzung aus. Nach dem Spiel trug er den Arm in der Schlinge. Bleibt zu hoffen, dass die Oltner nach ihrer Glückssträhne der ersten Meisterschaftsphase nun nicht vom Pech verfolgt werden.

 

Die Partie zum Nachlesen im Liveticker:

Langenthal - Olten