Bereits mit 16 Jahren gab Kevin Nützi seinen Einstand in der NLA. Dementsprechend blieben sein Ballgefühl und seine Technik auch Swiss Faustball nicht lange verborgen. Nützi wurde vor drei Jahren an die U18-WM in Namibia aufgeboten. Ein Bandscheibenvorfall bremste den sportlichen Aufstieg des heute 22-Jährigen jäh. Und nicht nur das: Nützi musste seinen Beruf als Landschaftsgärtner aufgeben und sich umschulen lassen. Der Neuendorfer arbeitet mittlerweile als Textiltechnologe – beschwerdefrei.

Nützi hat sich zurückgekämpft und gehört seit diesem Jahr dem Kader der A-Nationalmannschaft an. Der neue Trainer Oliver Lang hat einen Altersschnitt vorgenommen und die Mannschaft massiv verjüngt. Im Team figuriert mit Legionär Cyrill Schreiber (Ginastica Novo Hamburgo) nur noch ein Routinier. Im Kampf um einen Platz in der Startformation hat sich Kevin Nützi in eine vielversprechende Ausgangslage gebracht. In den drei Vorbereitungsspielen stand der Solothurner jeweils von Beginn weg auf dem Feld und machte seine Sache erstaunlich gut. Gegen Brasilien (2x) und Erzrivale Österreich resultierten drei Siege. «Wir dürfen die Erfolge sicher nicht überbewerten, aber sie sind zweifellos gut für die Moral», sagt Kevin Nützi.

Die ewigen Rivalen

Im bayrischen Schweinfurt geht es ab morgen Freitag darum, den positiven Eindruck zu bestätigen. Die Schweizer treffen zu Beginn auf Tschechien, EM-Neuling Serbien und Italien. Alles Teams, die den Faustgenossen keine grösseren Probleme bereiten sollten. Gegen keinen dieser Gegner haben die Schweizer bisher eine Partie verloren. Am Samstag warten mit Österreich und Turnierfavorit Deutschland die ewigen Kontrahenten bei der Vergabe um die Medaillen. Vor sechs Jahren wurden die Schweizer bisher zum einzigen Mal Europameister, vor zwei Jahren holten sie sich die Silbermedaille. Und an diesem Wochenende? «Wir wollen auf jeden Fall in den Final», sagt Kevin Nützi selbstbewusst.

Mit seinen Defensiv- und Zuspielfähigkeiten will er einen Beitrag zur Verwirklichung dieses Vorhabens leisten. An lautstarker Unterstützung wird es ihm ganz sicher nicht mangeln. Die ganze Mannschaft aus Neuendorf sowie die Familie reist in die Stadt der Perspektiven, wie sie sich nennt, an. Wenn das kein gutes Omen ist.