Tennis
17 Jahre in fünf Minuten beendet: Der TC Solothurn macht kurzen Prozess

Erst der Höhenflug und jetzt das Aus: Der TC Solothurn verschwindet aus der NLA.

Michael Schenk
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Ausgeträumt: Der Österreicher Johannes Ager spielte in der letzten Saison noch für den TC Solothurn. Archiv

Ausgeträumt: Der Österreicher Johannes Ager spielte in der letzten Saison noch für den TC Solothurn. Archiv

Marcel Bieri

«Ein Kollege hat mir gesagt, ich solle es positiv sehen, immerhin sei das Ende auf dem Höhepunkt gekommen», erzählt Hugo Derendinger. Dem 16 Jahre lang als Präsident des Tennisclubs Solothurn und 17 Jahre als Teamchef der ersten Herren-Interclub-Mannschaft wirkenden Macher ist es trotz der aufmunternden Worte nicht wohl ums Herz. Nach der erfolgreichsten Saison der Klubgeschichte, die 2013 mit dem 3. Schlussrang endete, ist Schluss. Der TC Solothurn hat seine NLA-Mannschaft zurückgezogen und aufgelöst. «Es gibt auch kein Zurück mehr», sagt Derendinger. Selbst wenn Swiss Tennis eine gewisse «Gnadenfrist» für einen allfälligen Rückkommensantrag in Aussicht gestellt hat. Den Platz der Hauptstädter in der NLA erben die Nachbarn des TC Froburg Trimbach.

Geld spielt zentrale Rolle

Was ist geschehen? Unschwer zu erahnen, dass einmal mehr das Geld eine zentrale Rolle spielt. «Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich auf die Hilfe angewiesen war. Sowohl was den zeitlichen wie den finanziellen Aufwand angeht», erklärt Derendinger. Der Selzacher, der in der Eta Grenchen für die Immobilien zuständig ist, hat das Männer-Top-Team des TCS im Verlauf der letzten 17 Jahre sukzessive von der 2. Liga bis in die NLA-Finalrunde geführt. Ein kontinuierlicher und solider Aufstieg. «Wir haben uns immer erst in der jeweiligen Liga etabliert, ehe wir den nächsten Schritt in Angriff genommen haben», sagt Derendinger. Jetzt, nach zwei Saisons NLA, räumt der ehemalige Teamchef ein. «Ich bin überzeugt, dass wir uns in der höchsten Liga etabliert haben und auch dieses Jahr eine gute Falle hätten machen können.»

30 000 Franken zu viel

Allerdings ist Spitzentennis auf Mannschaftsebene nicht nur in der Schweiz mit (viel) Geld verbunden. Ganz einfach, weil die Spitzenspieler aus dem In- und Ausland für die Meisterschaft «engagiert», um nicht zu sagen eingekauft werden. Derendinger wollte das Budget des TCS-NLA-Teams für 2014 um 30 000 Franken aufstocken und hat dabei punkto Beschaffung auf die Hilfe seiner Vorstandskolleginnen und -kollegen gebaut. Eine Hoffnung, die sich zerschlagen sollte. Obwohl er in der Vergangenheit, wie Derendinger sagt, die «Interclub-Rechnung» jeweils nach Abschluss der Saison vom Klubkonto bezahlt und dieses Geld per Ende Jahr privat und mit der Hilfe von Sponsoren wieder eingeschossen habe, sei der TCS-Führungscrew das Risiko zu gross geworden. «Was ist, wenn Dir etwas passiert?» Diese Frage sei plötzlich im Raum gestanden. Innerhalb von 5 Minuten sei darum das Thema «Budgeterhöhung fürs NLA-Interclub-Team» im Vorstand mit 1:6 Stimmen vom Tisch gewesen.

«Klar», räumt Derendinger ein, «wir hätten auch mit dem gleichen Budget weiterfahren oder es sogar reduzieren können, aber ich bin kein Typ für so was. Ich will weiterkommen und ich bin überzeugt, mit dem Geld hätten wir es auch geschafft.» Spitzenteams wie Wollerau oder Meister Cologny operieren mit rund 200 000 Franken – davon wäre Solothurn auch mit den 30 000 Franken mehr noch weit entfernt gewesen. Und jemand anderes, der den Job von Derendinger mit magererem Budget hätte übernehmen wollen, fand sich nicht.

Die Erklärung ihres Ex-Präsidenten enthalte Unwahrheiten, tönt es vom TCS-Vorstand. Allerdings will und kann man sich von dieser Seite im Moment nicht näher dazu äussern. Erst wolle man die Vereinsmitglieder anlässlich der GV, die im Verlauf der nächsten zwei Monate stattfindet, informieren und da seine Sicht der Dinge darlegen.

Zu sehr sein Kind?

«Ich habe nie verlangt, dass meine Vorstandkolleginnen und -kollegen wie ich eigenes Geld in die Finger nehmen – aber alle haben doch Kontakte, die man hätten angehen können», sagt Derendinger. Er selber hat sich jährlich mit einem fünfstelligen Betrag an den Kosten fürs NLA-Team beteiligt. Zudem kümmerte sich der Selzacher um praktisch alle organisatorischen Angelegenheiten. Das NLA-Team war in dem Sinn sein Kind – vielleicht etwas zu sehr sein Kind für den Geschmack von anderen ...

Jetzt also ist Schluss mit Spitzentennis in Solothurn. Der TCS bleibt mit dem zweiten Männerteam, das jetzt zum ersten wird, in der NLC vertreten. «Sicher habe ich mir das Ende nicht so vorgestellt – aber jetzt ist es eben so», sagt Derendinger. Er werde sich künftig vermehrt als Zuschauer und aktiver Tennisspieler engagieren. «Das kann ja auch ganz schön sein», meint der langjährige Präsident. In der Tat.