1. Liga Unihockey
Deitingen-Trainer Benjamin Keller: «Die vielen Gegentore sind meine grösste Sorge»

Der TSV Unihockey Deitingen will nicht nur in die Playoffs, sondern am liebsten unter die ersten Vier. Zuletzt verlor er gegen den Tabellenletzten. Hier steht Trainer Benjamin Keller Red' und Antwort. Was lief da schief?

Sébastian und Maurice Lavoyer*
Drucken
Teilen
Der Deitinger Lukas Galli (links) wird von Luzerns Joshua Jeffrey (rechts) unter Druck gesetzt. Die Deitinger (Platz 6) gewannen die 1. Liga-Partie gegen Luzern (Platz 10) Ende Oktober mit 10:9 nach Verlängerung.

Der Deitinger Lukas Galli (links) wird von Luzerns Joshua Jeffrey (rechts) unter Druck gesetzt. Die Deitinger (Platz 6) gewannen die 1. Liga-Partie gegen Luzern (Platz 10) Ende Oktober mit 10:9 nach Verlängerung.

Patrick Huerlimann

Sie haben sich mit dem TSV Unihockey Deitingen für diese Saison hohe Ziele gesteckt, wollen sich in den Top 4 klassieren.

Da muss ich präzisieren: Der Verein hat das Ziel Playoff-Qualifikation herausgegeben. Wir als Team möchten gerne unter die ersten vier, damit wir in den Playoffs Heimrecht hätten. Schliesslich möchten wir unsere Bestmarke, die Qualifikation für die Playoff-Halbfinals, wenigstens egalisieren. Das ist ambitioniert, aber machbar.

Da muss sich einiges ändern. Ihr Team belegt derzeit den 6. Rang und hat soeben gegen den Tabellenletzten, Unihockey Fricktal, verloren. Was lief schief?

Nach einem sehr souveränen Start und einer 3:0-Führung haben wir uns durch unnötige Strafen das Leben selber schwer gemacht und so Fricktal wieder ins Spiel zurückkommen lassen. Das darf uns einfach nicht passieren und sind ganz klar zwei verlorene Punkte.

Am Freitag spielen Sie gegen Baden-Birmenstorf, ebenfalls eine schlechter klassierte Mannschaft. Ein Sieg ist Pflicht.

Baden-Birmenstorf ist eine Knacknuss. Da weiss was man nie, was einen erwartet. Sie sind ganz sicher schlechter klassiert, als sie sind. Letzte Saison waren sie deutlich weiter vorne. Man hört, sie hätten Verletzungssorgen. Aber das soll uns nicht kümmern. Wir haben noch eine Rechnung offen, das Hinspiel haben wir in der Verlängerung verloren. Jetzt wollen wir Revanche.

Benjamin Keller, Trainer von TSV Unihockey Deitingen.

Benjamin Keller, Trainer von TSV Unihockey Deitingen.

zvg

Ihr Team hat mehr Tore kassiert, als geschossen (Torverhältnis 75:85, nur Fricktal hat ein Tor mehr kassiert bisher). Zudem hat Deitingen immer wenigstens drei Gegentore zugelassen. Warum?

Scharf analysiert. Die vielen Gegentore sind meine grösste Sorge. Aber sie hängen mit Sicherheit mit unseren Systemumstellungen zusammen. Bis da die Automatismen stimmen, braucht es Zeit. Hinzu kommt, dass wir viele Verletzte hatten und unsere Linien immer wieder umstellen mussten. Das hat es zusätzlich erschwert. Aber wir sind auf dem Weg der Besserung.

Was genau haben Sie am Deitinger Spiel verändert?

Wir versuchen, die gegnerischen Verteidiger mehr unter Druck zu setzen. Dabei ist die Abstimmung zwischen den drei Angreifern und den zwei Verteidigern zentral.

Inwiefern?

Die Verteidigung muss aufrücken, sonst hat der Gegner zu viel Platz, wenn es ihm gelingt, die Angreifer zu überspielen. Das hat sich zum Beispiel beim 2:10 gegen Konolfingen gezeigt. Wir sind ziemlich ins Verderben gerannt und haben es verpasst, das rechtzeitig zu korrigieren.

Im Rückspiel Anfang November lief es deutlich besser.

Ja, da gelang uns gegen das drittplatzierte Konolfingen die späte Wende. Wir lagen immer zurück, konnten kurz vor Schluss ausgleichen, uns in die Verlängerung retten und dann zuschlagen. Es ist ein grosser Vorteil, wenn man schon einmal gegen ein Team gespielt hat. Wir nehmen die Spiele jeweils auf Video auf und suchen dann gemeinsam mit der Mannschaft Lösungen, wie man den Gegner knacken kann. Es ist schon unser Ziel, nicht zwei Mal gegen den gleichen Gegner zu verlieren.

In acht von insgesamt 16 Spielen (inklusive Cup) mussten Sie und Ihr Team in die Verlängerung. Fünf Mal gewann Deitingen. Haben Sie die konditionelle Basis in der Coronapause gelegt?

Wir lagen auf jeden Fall nicht auf der faulen Haut. Auf Anfang Jahr haben wir das Team in Fünfer-Gruppen unterteilt. Jede Gruppe bekam vom Physistrainer ein Programm. Da stand Kondition ganz klar im Vordergrund. Und als wir dann im Juni endlich wieder als Team in der Halle trainieren konnten, haben wir das mit viel Freude gemacht.

Das war ab Juni möglich. Mitten im Sommer.

Ja, das ist so. Und ja, wir waren häufiger in der Halle als in Vorjahren, die Freude auf Trainings mit Stock und Ball war einfach zu gross. Aber wir haben auch da intensiv trainiert mit vielen kleinen Spielformen und hoher Intensität.

Neben der defensiven Anfälligkeit fällt auf, dass das Team in der Offensive stark von Thomas Bieber abhängt (er war an rund einem Drittel aller Tore beteiligt; Anm. d. Red.).

Er ist mit Abstand unser erfahrenster Spieler, hat bei Wiler-Ersigen in der Nationalliga A gespielt. Seine Erfahrung, sein Können machen ihn sehr zentral für uns. Zugleich ist er mit 37 Jahren der mit Abstand älteste Spieler in unserem Kader. Wir müssen uns also darauf vorbereiten, dass es irgendwann ohne ihn gehen muss. Und das wohl schon Ende dieser Saison. Doch so lange wir ihn noch im Kader haben, wollen wir alle von seiner Erfahrung profitieren können.

Ein Bild von Thomas Bieber (Mitte), als er noch für Wiler-Ersigen spielte. Hier kämpft er mit Wiler-Goalie Samuel Zimmermann gegen Tigers-Langnau-Angreifer Yannick Aeschlimann. Ein Bild von Mitte November 2013.

Ein Bild von Thomas Bieber (Mitte), als er noch für Wiler-Ersigen spielte. Hier kämpft er mit Wiler-Goalie Samuel Zimmermann gegen Tigers-Langnau-Angreifer Yannick Aeschlimann. Ein Bild von Mitte November 2013.

Marcel Bieri / MAN

Müssen Sie eigentlich auf Spieler verzichten, weil sie sich nicht impfen lassen wollten? Denn bei Indoor-Sportarten gibt es ja eine Zertifikatspflicht für Meisterschaftsspiele.

Die Impfquote war in unserem Team von Beginn weg hoch. Wir haben unsere Spieler individuell befragt, damit sich niemand vor versammelter Mannschaft zu seinem Impfstatus äussern musste. Anfänglich gab es noch den einen oder anderen Ungeimpften. Als dann aber klar war, dass man für die Spiele ein Zertifikat braucht, haben sich noch weitere überzeugen lassen. Jetzt haben wir 23 Feldspieler und 4 Goalies und alle verfügen über das Zertifikat für die Teilnahme an den Meisterschaftsspielen.

Wie hat Ihre Mannschaft sonst Corona überstanden?

Eigentlich ziemlich gut. Wobei der Frust beim Abbruch der letzten Saison im Oktober 2020 schon sehr gross war. Wir hätten wenige Tage später ein Cup-Spiel gegen GC gehabt, eine Mannschaft aus der Nationalliga A. Das wäre ein Highlight gewesen für uns alle. Aber natürlich hatten wir auch Verständnis für die Situation.

Wie haben Sie das Team in den darauffolgenden Monaten zusammengehalten?

Wir haben einige ältere Spieler und befürchteten, dass der eine oder andere während dem Unterbruch merkt, dass er auch ganz gut ohne Unihockey sein kann. Deswegen haben wir schon früh Gespräche geführt mit allen Spielern. Es ist uns gelungen, dass praktisch keiner aufgehört hat, obwohl wir lange nicht als Team trainieren konnten.

Die Meisterschaft bleibt unter dem Corona-Einfluss. Falls Spiele nicht nachgeholt werden können, setzt der Verband auf eine Punktequote. Es führt also nicht zwangsläufig das Team die Tabelle an, das am meisten Punkte hat, sondern jenes, das am meisten Punkte pro Spiel hat. Wie finden Sie diese Regel?

Ich arbeite bei Swiss Unihockey im Spielbetrieb und bin mitverantwortlich, dass es diese Regel gibt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man bei Spielabsagen nicht für alle Partien einen Nachholtermin findet.

Ein Beispiel, bitte.

Erst Anfang November kriegte die NLA-Mannschaft von Piranha Chur ein zehntägiges Spiel- und Trainingsverbot wegen einem Coronafall. Davon sind vier Spiele betroffen. Gut möglich, dass man nicht alle nachholen kann. Mit der Quote nimmt man Druck von den Vereinen. So verringert man die Wahrscheinlichkeit, dass sie Spieler/-innen einsetzen, die allenfalls schon Symptome haben. Denn man verliert nichts, riskiert keine Forfait-Niederlage. Das ist in meinen Augen eine gute Sache.

*Maurice Lavoyer (10) ist der Sohn von Wirtschaftsredaktor Sébastian Lavoyer. Dieser gemeinsame Artikel ist im Rahmen des Zukunfttages vom 11. November entstanden.

Aktuelle Nachrichten