Ein «Zustupf» von jenseits des Ärmelkanals entlastet die angespannte Vereinskasse des FC Solothurn zumindest teilweise: Nachdem im Herbst des vergangenen Jahres bereits 30'000 Franken von Leicester City an den FC Solothurn flossen, wird der Club bald mit abermals derselben Geldmenge beglückt, wie Vereinspräsident Samuel Scheidegger bestätigt.

Der Grund: Gökhan Inlers 7-Millionen-Euro-Transfer von SSC Napoli nach England. Laut Fifa-Transferreglement erhalten Vereine, bei denen ein Fussballer in seiner Jugend gespielt hat, einen Anteil von fünf Prozent der Transfersumme.

Das bringt heute dem FC Solothurn Geld ein: Der junge Gökhan Inler 2001 im Kreis seiner FCS-Kollegen.

Das bringt heute dem FC Solothurn Geld ein: Der junge Gökhan Inler 2001 im Kreis seiner FCS-Kollegen.

Sechs Jahre lang war Gökhan Inler beim FC Olten und zwei beim FC Basel. Dazwischen – nämlich von 1998 bis 2002 – kickte der junge Inler in Solothurn. Gemäss eines Solidaritätsmechanismus werden die fünf Prozent abhängig vom damaligen Alter des Spielers und von der Dauer seiner Mitgliedschaft auf alle Nachwuchsklubs verteilt. Im Falle Solothurn sind es 60'000 Franken.

Berechnungen im Vorfeld waren von bis zu 100'000 Franken ausgegangen. Die zweite Tranche des nun kleineren Betrags wird voraussichtlich diesen Sommer fällig – wenn auch Leicester City die restliche Transfersumme nach Italien auszahlen wird. Dem FC Olten wird die Ausbildungsentschädigung gesamthaft rund 35'000 Franken in die Kasse spülen.

Mehr oder weniger Geldsegen

Beim letzten Transfer von Udinese Calcio nach Neapel hatte der FC Solothurn weniger Grund zur Freude: Bei Transfers innerhalb eines Verbands, also auch bei diesem, ist keine Ausbildungsentschädigung vorgesehen.

Damals half auch ein Brief an Fifa-Präsident Sepp Blatter nichts, um an die gerechnet 350'000 Franken heranzukommen. Anders beim Wechsel Inlers vom FC Zürich zu Udinese: Damals wurden 28'000 Franken ausgeschüttet.

Was geschieht mit dem Geld?

«Durch den Betrag werden wir Altlasten abarbeiten, insbesondere auch Darlehen zurückzahlen, die vor meiner Amtszeit angefallen sind», sagt Scheidegger und vermutet, dass danach nicht mehr viel übrig bleiben wird: Falls wider Erwarten doch noch ein Restplus bestehen bleibt, soll Kapital gebildet werden.» Zur Reduktion der Schulden hat der FCS bereits Vorarbeiten geleistet. In seiner Rechnung 2014 konnte der Club einen Jahresgewinn von 95'000 Franken verbuchen, was das Minus auf 64'000 Franken reduzierte. 

Insbesondere auch «Anleger» werden mit dem Inler-Geld berücksichtigt werden, jene nämlich, die vor rund acht Jahren unter dem damaligen FCS-Präsidenten Robert Beer Geld in den Klub einschossen, und zwar in der Hoffnung, dass weitere Transfers von Inler neue Gelder in die Vereinskasse spülen würden. Für diesen Fall wären die gesponserten Gelder zurückgezahlt und mit einer Rendite vergütet worden.

Damals kamen 45'000 Franken zusammen, zuzüglich einer versprochenen Rendite von gesamthaft 15'000 Franken – macht den Betrag, den der FCS von Leicester gesamthaft erhalten wird. Wie Scheidegger bestätigt, gibt es tatsächlich noch einige dieser Anleger. «Diese sind dem FC Solothurn gegenüber positiv gestimmt. Sie nun auszuzahlen, gehört zu den Altlasten, die wir begleichen wollen.»