Fussball

So reagiert die Welt auf den Rauswurf des Meistertrainers Ranieri bei Leicester City

Claudio Ranieri wurde am Donnerstagabend nach dem Spiel gegen Sevilla entlassen.

Claudio Ranieri wurde am Donnerstagabend nach dem Spiel gegen Sevilla entlassen.

Er schaffte eines der grössten Fussballmärchen der Geschichte: Claudio Ranieri gewann die Premier League mit Aussenseiter Leicester City. Gestern wurde der Meistertrainer gefeuert. Die Entlassung schlägt in der Fussballwelt hohe Wellen.

Im Sommer 2016 war er der König der Fussballwelt. Er hat das Unmögliche möglich gemacht. Claudio Ranieri ist mit Leicester City Meister der englischen Premier League geworden.

Die Wettquote vor der Meistersaison stand 5000:1 gegen die «Foxes». Will heissen: Was Ranieri schaffte, war eigentlich gar nicht machbar. Es war der grösste Erfolg in der 133-jährigen Klub-Geschichte. Ranieri wurde für diese Leistung zum Fifa-Trainer des Jahres gewählt.

Sommer 2016: Claudio Ranieri wird zum König Englands gekrönt.

Sommer 2016: Claudio Ranieri wird zum König Englands gekrönt.

Doch das ist neun Monate her. Heute liegt Leicester nur noch einen Punkt vor den Abstiegsrängen. Im neuen Jahr spielten die «Foxes» weit unter ihren Möglichkeiten. Fünf Niederlagen in Folge, ein 0:0 und noch kein einziges Tor in der Permier League. 

Am Donnerstagabend, nach der 1:2-Pleite im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Sevilla, wurde der Meistertrainer wegen dieser sportlichen Talfahrt entlassen.

«Es war die schwierigste Entscheidung, die wir in den sieben Jahren bei Leicester treffen mussten. Aber wir müssen die Klubinteressen vor die persönlichen Empfindungen stellen», schrieb der Vize-Chef Aiyawatt Srivaddhanaprabha.

Brisantes Detail: Noch vor gut drei Wochen hatten Leicesters Clubbesitzer um Vichai Srivaddhanaprabha Ranieri «unerschütterliche Rückendeckung» zugesagt. «Der beispiellose Erfolg der letzten Saison basiert auf Stabilität, Zusammenhalt, und Entschlossenheit, um auch die grössten Herausforderungen zu meistern.» Bekenntnisse, die offensichtlich leer waren.

Entrüstung, Kritik und Unverständnis

Die Fussballwelt schreit auf. Selten schlug eine Trainerentlassung so hohe Wellen, wie die von Ranieri. 

«Die Entlassung von Claudio Ranieri ist ein abscheuliches Verbrechen, das zeigt, dass der Fußball seine Seele verloren hat. Der Klub muss sich nun einer Fangemeinde stellen, die die Aktion in weiten Teilen unverständlich findet und traurig über die Art und Weise der Trennung ist», schreibt der britische Independent.

Auch der Guardian kritisiert die Entlassung: «Claudio Ranieris Herrschaft endet auf grausame und brutale Weise, weil Leicester die Geduld verliert. Die Klub-Besitzer verlieren den Glauben an die Fähigkeit des Trainers, das Team in der Premier League zu halten. Doch viele sind traurig über die Entscheidung und verwirrt über den Zeitpunkt.»

Im Ausland ist man ebenfalls verwundert: «Undankbare Engländer! Leicester beschmutzt das Märchen, das die ganze Welt verzaubert hatte. Der Klub verjagt den italienischen Coach, der Leicester verewigt hat», schreibt die italienische Gazzetta dello Sport.

Brexit, Trump und Ranieri

Nicht nur die Medien, auch die Fussballprominenz meldet sich nach dem Rauswurf zu Wort. Allen voran der portugiesische Startrainer José Mourinho: «Das ist der neue Fussball, Claudio», schrieb er voller Häme bei Instagram: «Behalte dein Lächeln, mein Freund. Niemand kann die Geschichte zerstören, die du geschrieben hast.» Mourinho prangerte damit die «Hire-And-Fire»-Mentalität im Profi-Fussball an.

Die Liverpool-Legende Jamie Carragher findet das ganze einfach nur einen Witz.

Gary Lineker, ehemaliger Starstürmer und Vereins-Idol von Leicester, bezeichnet den Abgang als «inakzeptabel, unverzeihlich und herzzerreissend traurig».

Auch Jürgen Klopp kann die Entlassung nicht verstehen. « Für mich gab es einige eigenartige Entscheidungen in 2016 und 2017. Brexit, Trump, Ranierei. Ich habe keine Idee, warum Leicester das getan hat», sagt der Liverpool-Trainer.

Bittersüsse Erinnerungen an den Premier League-Sieg Leicesters:

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