Interview

Skirennfahrerin Aline Danioth dachte an ein Karrierenende: «Hannes Reichelt ist 40 und macht weiter»

Es ist keine ungewohnte Situation: Aline Danioth mit Krücken und Schiene.

Es ist keine ungewohnte Situation: Aline Danioth mit Krücken und Schiene.

Die Urnerin Aline Danioth kam in dieser Saison immer besser in Fahrt. Dann folgte der nächste Rückschlag.

Der Golfplatz von Andermatt ist mit Schnee bedeckt, im Klubhaus sitzt Aline Danioth, 21. Das rechte Bein hochgelagert, am Knie eine Schiene. Ihr Vater Carlo hat einen Interviewtermin organisiert. Er nimmt im Hintergrund Platz, während seine Tochter über die neuste Verletzung ihrer jungen Karriere berichtet. Am Sonntag vor einer Woche hat sie sich im Parallelslalom von Sestriere einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie Läsionen des Innen- und des Aussenmeniskus zugezogen. Die Saison ist vorbei.

Die Verletzung muss besonders schmerzen, zumal sie in diesem Winter erstmals Top-Ten-Plätze hatten.

Aline Danioth: Auf der einen Seite tut es enorm weh. Ich war im Flow und dachte, ich könne es nun nach ganz vorne schaffen. Auf der anderen Seite machen es die guten Resultate einfacher, sich für die Reha zu motivieren. Weil ich jetzt weiss, dass ich mit den Besten mithalten kann.

Nach dem Rennen flogen Sie mit der Rega nach Zürich. Glaubten Sie noch an eine leichte Verletzung?

Ich sagte, wir müssten keinen Untersuch machen, wir könnten direkt operieren. Mein Trainer blieb positiv, ich war mir hingegen sicher, dass es nicht gut aussehen würde. Die Zeit zwischen Sturz und Helikopterflug war für mich sehr schlimm.

2016 erlitten Sie in Sestriere ebenfalls einen Kreuzbandriss. Kann man die Verletzungen vergleichen?

Damals hatte ich zuerst Schmerzen, konnte aber selbstständig aufstehen. Alle sagten, es sei wohl nicht so gravierend. Ich hatte vor dem MRI sogar noch zwei Tage trainiert. Deshalb war die Diagnose ein Schock. Jetzt war es von Beginn klar. Ich hätte unmöglich aufstehen können.

Aline Danioth wird in Sestriere mit dem Schlitten abtransportiert.

Aline Danioth wird in Sestriere mit dem Schlitten abtransportiert.

Es ist insgesamt die vierte Verletzung in drei Jahren. Kommen da Zweifel auf?

Grundsätzlich sehe ich immer das Positive. Aber jetzt war es schwieriger, als bei anderen Verletzungen. Für zwei bis drei Tage spürte ich eine Leere. Ich habe durchaus gezweifelt, ich fragte mich, ob sich das alles überhaupt noch lohnt. Doch ich kam zum Schluss, dass ich nicht ohne den Skisport leben könnte, das ist mein Traum.

Sie dachten mit 21 Jahren an ein Karrierenende?

Wenn man viele Verletzungen hat, fragt man sich das automatisch. Klar: Ich bin 21. Aber mich fragen nach Verletzungen immer wieder Leute, ob ich denn nun weitermache. Das macht mich traurig. Hannes Reichelt ist knapp 40 Jahre alt und macht trotz Kreuzbandriss weiter. Die Verletzungen sind die Schattenseite des Sports. Aber gute Resultate wiegen das auf.

Bei den Junioren waren Sie Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Als Sie in den Weltcup kamen, wurden Sie als künftiger Star gehandelt. Haben Sie Angst, diesen Erwartungen gar nie gerecht werden zu können?

Gar nicht. Wenn du es nach oben schaffen willst, gehört dazu, dass du bei den Junioren oder im Europacup erfolgreich bist. Wenn die Leute hohe Erwartungen haben, gibt mir das mehr Selbstvertrauen, als das es mich einschüchtert.

Andermatt ist Bernard- Russi-Gebiet. Viele sahen Sie als seine potenzielle Nachfolgerin.

Das ist doch das Schöne am Kanton Uri. Da freuen sich alle mit, wenn es jemand in den Weltcup schafft. Das ist wahrscheinlich ein bisschen anders, als in grösseren Kantonen. Seit Bernhard Russi hat es niemand mehr nach vorne geschafft, ich merke schon, dass die Leute mitfiebern. Es ist doch toll, wenn der ganze Kanton hinter dir steht.

Nehmen die anderen Athletinnen an ihrem Schicksal teil, oder konzentriert sich jede auf sich?

Ich glaube, mir haben praktisch alle Skifahrerinnen der Welt geschrieben. Etwa auch Sofia Goggia, mit der ich eigentlich gar nicht so viel zu tun habe. Es täte ihr so Leid, was passiert sei. Sie meinte, ich könne auch mit drei Kreuzbandrissen Olympiasiegerin werden, schliesslich hätte auch sie das geschafft (lacht).

Beitrag von Tele 1 über Aline Danioth:

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