Mit Absicht hat sich Marcel Hirscher das Jubiläum nicht aufgespart. Dafür ist er viel zu ehrgeizig. Aber irgendwie würde es eben passen, wenn es in Adelboden klappt mit dem 100. Podestplatz des fünffachen Siegers des Gesamtweltcups. Denn Adelboden ist seit 2010 Hirscher-Land. Es ist quasi eine Exklave für den Österreicher. Am Chuenisbärgli ist er mit fünf Siegen zusammen mit Ingemar Stenmark Rekordhalter. Und 10-mal auf dem Podest stand hier überhaupt kein anderer Athlet. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass zu Stenmarks Zeiten nur ein Riesenslalom ausgetragen wurde. Seit 2000 sind es pro Saison zwei Rennen, weil ein Slalom hinzukam.

Hirscher könnte heute im Riesenslalom oder morgen im Slalom überhaupt erst der dritte Athlet werden, der in den Klub 100 der Weltcupgeschichte aufgenommen wird. Das gelang bisher nur Stenmark mit 155 Podestplätzen und Marc Girardelli mit genau 100.

Marcel Hirscher holt 2015 in Adelboden den dritten Platz.

Beide Durchgänge von Marcel Hirscher im Slalom von Adelboden, der nur um 0,03 Sec. den Sieg verpasste. Dazu alle Interviews.

Bei den Frauen sind schon vier Personen Mitglied im Klub. Hinter Lindsey Vonn mit 126 Podestplätzen belegt Vreni Schneider Rang vier (101). Bester Schweizer bei den Männern ist Pirmin Zurbriggen mit total 83 Klassierungen in den besten drei eines Rennes.

Hirscher selbst betont stets, dass ihn solche Marken nicht interessieren. So sagte er einst: «Die Leute finden immer einen Rekord, den ich gebrochen habe, und sei es nur drei Siege bei Halbmond. Aber die fünf Gesamtweltcupsiege sind wirklich etwas – zumindest für die nächsten fünf Jahre.» Für den 27-Jährigen zählt das Jetzt und das heisst im Moment Adelboden. Er gab aber auch schon zu: «Im Moment sind mir Rekorde egal, aber ich bin sicher, in ein paar Jahren bin ich davon schwer beeindruckt.»

Das Skifahren verlernt

Beeindruckend ist Hirschers Konstanz. In Adelboden stand er seit 2010 im Slalom immer auf dem Podest. Im Riesenslalom gelang ihm das dreimal (siehe rechts). In seinen beiden Paradedisziplinen läuft es dem Österreicher auch in dieser Saison nach Wunsch. Im Riesenslalom stand er in vier Rennen immer auf dem Podest, zuletzt in Alta Badia als Sieger, nachdem er zuvor dreimal mit der zweitbesten Zeit ins Ziel fuhr und sich danach selbst scherzhaft als den «ewigen Zweiten» bezeichnet hatte.

Im Slalom stand Hirscher in den ersten drei Rennen der Saison ebenfalls auf dem Podest, ehe er am Donnerstag in Zagreb, als der Weltcup sein 50-jähriges Bestehen feierte, nur Rang sechs belegte und sein persönliches Jubiläum am Jubiläumsrennen verpasste.
Warum genau er das Podest verpasste, wusste der 27-Jährige selbst nicht. «Es ist ungewohnt und ein Rätsel, warum ich so herumgesprungen und gerutscht bin. Vermutlich bin ich einfach nur scheisse gefahren», sagte er. Nicht zum ersten Mal in diesem Winter schien das Material nicht zu passen. «Einmal ist es das beste Set-up der Welt, und dann glaubt man wieder, man hat das Skifahren verlernt», sagte er dem «Standard».

In Adelboden soll es nun wieder besser werden. Und dann muss Hirscher wohl doch wieder über Bestmarken sprechen. Er wird es tun, den Fokus aber erneut wo- anders haben.