Ski alpin

Los geths: Die heissesten Favoriten auf den Chuenisbärgli-Sieg

Ted Ligety, Marcel Hirscher und Alexis Pinturault sind auch am Samstag im Riesenslalom von Adelboden die heissesten Podest-Anwärter. Die Plätze an der Sonne scheinen reserviert zu sein.

Noch vor einem Monat war Marcel Hirscher tief frustriert. Zwei Riesenslaloms waren zu diesem Zeitpunkt absolviert, zweimal hatte Ted Ligety gewonnen. «Man kann ihn nicht besiegen», sagte Hirscher.

Wie schon im Winter zuvor, als Ligety sechs von acht Rennen gewann und Weltmeister wurde, schien der Riesenslalom zur One-Man-Show zu verkommen. Ohne Gnade.

Alles beim Alten also? Nein. Schon zwei Rennen später ist alles anders. Marcel Hirscher hat zu Ligety aufgeschlossen, nun ebenfalls zweimal gewonnen.

Aus der Solo-Show wurde ein Duett mit einem Gast aus Frankreich. Denn Alexis Pinturault mischt ebenfalls mit im Konzert der grossen Zwei.

Zwar hat er in diesem Winter noch nicht gewonnen, doch gemeinsam belegte das Trio neun von zwölf Podestplätzen im Riesenslalom. Die Plätze an der Sonne sind also quasi reserviert. Wohl auch heute in Adelboden.

Ligetys Stärke ist auf den ersten Blick schnell erklärt. Der 29-jährige Amerikaner war der grosse Profiteur der neuen Ski, die seit letztem Winter weniger enge Kurvenradien zulassen. «Ich habe per Zufall den passenden Körper», sagte er vor einem Jahr in Adelboden.

Und sein Rivale Hirscher fügte an: «Ligety ist wohl der einzige Fahrer, der Freude an den neuen Ski hat.» Pikant: Der Amerikaner gehörte zu den lautesten Kritikern der neuen Regularien.

Der Verbesserungswille

Ligetys Erfolge aber nur auf die Ski zurückzuführen, greift zu kurz. Zum einen hat er schon auf den alten Ski gewonnen, aber noch wichtiger, und das geht in den Diskussionen oft vergessen, der Amerikaner ist Trainingsweltmeister.

Als vor zwei Jahren die Änderungen bekannt wurden, hat er auf Ferien verzichtet und stattdessen tagelang das neue Material getestet.

Schon am Weltcupfinale 2012, als die alten Ski noch erlaubt waren, startete der Amerikaner im zweiten Lauf mit den neuen Ski - und fuhr Bestzeit. Es ist dieser eiserne Verbesserungswille, der den Erfolgen von Ligety zugrunde liegt.

Dass auch Marcel Hirscher ein begnadeter Techniker ist, hat er schon oft bewiesen. Er war in den letzten Jahren der grosse Herausforderer von Ligety im Riesenslalom. Doch zu Beginn dieser Saison war vieles anders.

«Ich habe den Glauben, die Lücke zu ihm jemals zu schliessen, schon fast verloren», sagte Hirscher vor einem Monat. Was er nicht sagte: Das Head-Setup von Ligety war dem von Atomic und Hirscher in dieser Phase deutlich überlegen.

Atomic reagierte und siehe da: Der 24-jährige Hirscher hat zuletzt zweimal gewonnen. Noch, so erfährt man aus dem Umfeld, sind die Nachteile aber nicht ganz behoben. Besonders mit Blick auf die Olympischen Spiele in Sotschi, wo auf eher flachem Gelände gefahren wird, bestehen noch Zweifel.

Der Reifeprozess

Pinturault wird seit Jahren grosses Talent attestiert. Oft kam ihm aber seine risikoreiche, schon fast ungestüme Fahrweise in den Weg. Aktuell beweist er, dass es auch anders geht.

Er ist zwar auf der Piste nach wie vor der Wildeste des Trios, hingegen hat er gelernt, im richtigen Moment zu dosieren. Es ist dies der Reifeprozess, der auch beim 22-jährigen langsam einsetzt.

Eines verbindet die Drei aber sowieso: eine blitzsaubere Technik gepaart mit dem besonderen Gefühl für den Ski. Eigenschaften, die auf einem schwierigen Hang wie Adelboden, gleich doppelt ins Gewicht fallen. Die Plätze an der Sonne scheinen erneut reserviert.

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