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Lara Gut und Co. stellen heute die Weichen

Heute geht es in Garmisch-Partenkirchen los mit dem Super-G der Frauen. Die Schweiz hat drei Eisen im Feuer, mit Lara Gut ein ganz heisses. Wieso das erste Rennen einer Weltmeisterschaft das wichtigste ist

Richard Hegglin, Garmisch
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Heute und morgen entscheidet sich, ob die WM in Garmisch für das Schweizer Team Top oder Flop wird. Die drei Zentralschweizerinnen Dominique Gisin, Nadja Kamer, Fabienne Suter und die Neo-Innerschweizerin Lara Gut (zieht nach Arth) stellen im Super-G die Weichen.

Das erste Rennen eines Grossanlasses ist das wichtigste – und für die Athletinnen eine ziemliche Belastung. Sie tragen quasi die Verantwortung für den Verlauf der WM. Wird das erste Rennen zum Fluch oder Segen? In Bormio 2005 gings in die Hosen, und die ganze WM danach auch.

Wer spielt den Türöffner?

Bei den nächsten wichtigen Events klappte es bereits im ersten oder spätestens im zweiten Rennen. In Turin 2006 und Vancouver 2010 sowie insbesondere bei den WM 2007 und 2009 mit je sechs Medaillen erlebte der Schweizer Skisport Sternstunden. Gleich viermal betätigte sich Bruno Kernen als Türöffner: Nach den Titelkämpfen 1998 und 2003 noch 2006 und 2007.

Speed-Chef Stefan Abplanalp versucht, seinen Athletinnen zum Auftakt jene Lockerheit zu vermitteln, die es braucht, um erfolgreich zu sein: «Unsere Fahrerinnen wirkten oft gehemmt. Auch sie sollen sich auf diesen Anlass freuen und die WM mit Optimismus angehen.» Die zweitägige WM-Einstimmung im Südtirol verlief indes nicht ganz wunschgemäss: An einem Tag konnte nicht trainiert werden, und die Piste war, im Gegensatz zur pickelharten Garmischer Strecke, eher weich.

«Ich fahre runter - nicht die Schweiz»

In Val d’Isère 2009 eröffnete Lara Gut die WM als beste Schweizerin nur mit einem 7. Rang. Doch im nächsten Rennen brach Didier Cuche mit seinem Super-G-Triumph den Bann und führte zusammen mit Lara Gut und Carlo Janka (je zwei Medaillen) die Schweiz erstmals seit 20 Jahren wieder in die Poleposition der Nationenwertung.

Lara Gut schert sich um nationale Eitelkeiten: «Ich stehe am Start, und ich fahre runter – nicht die Schweiz.» Immerhin räumt sie ein: «Als Mitglied eines starken Teams ist die Aufgabe einfacher.» Dass sie in Zauchensee gewonnen hat und damit die einzige Bezwingerin von Lindsey Vonn im Super-G ist, empfindet sie als nebensächlich: «Das ist völlig bedeutungslos. Das Resultat lautet wieder 0:0.»

Sechs Medaillen als Ziel

Der Super-G ist zusammen mit der Abfahrt die stärkste Disziplin der Schweizerinnen. In beiden Disziplinen holten sie je drei Podestplätze, im Super-G in nur vier Rennen (zweimal Gut und einmal Gisin). Die Wahrscheinlichkeit eines Medaillengewinns liegt damit bei 75 Prozent.

Mit sechs Medaillen (3 Männer, 2 Frauen und eine in der Nationenwertung) ist die Zielsetzung des Schweizer Verbandes aufgrund des Saisonverlaufs eher hoch gegriffen, vor allem bei den Frauen. «Wir repräsentieren die Schweizer Nationalmannschaft», sagt Cheftrainer Mauro Pini, «da müssen die Ansprüche hoch sein. Am liebsten hätte ich drei Medaillen – pro Disziplin...»

Alt Bundesrat Adolf Ogi führte seinerzeit als Skidirektor ein System ein, mit dem er die WM-Medaillen aufgrund der Weltcup-Resultate hochrechnete. Demnach müsste das Team Schweiz in Garmisch 3,95 Medaillen erringen, dazu eine Pflichtmedaille in der Nationenwertung. Aufgrund des Ogi-Systems darf in der Männer-Abfahrt mit hundertprozentiger Sicherheit (siehe Box rechts) eine Auszeichnung erwartet werden, hochgerechnet genau mit 1,16 Medaillen. Insgesamt gabs in diesem Winter in 48 Rennen 19 Podestplätze für Swiss-Ski, 6 bei den Frauen, 13 bei den Männern.

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