Ski alpin

Joana Hählen wird Zweite in Crans-Montana – und das mit handgestoppter Zeit

Hählen darf sich über die Silbermedaille freuen – der Erfolg ging im Trubel um die Zeitmessung aber etwas unter.

Hählen darf sich über die Silbermedaille freuen – der Erfolg ging im Trubel um die Zeitmessung aber etwas unter.

Die Schweizer Athletinnen überzeugen in der Abfahrt von Crans-Montana mit zwei Podestplätzen und vier Fahrerinnen unter den besten Zehn. Die guten Leistungen gehen jedoch in den Diskussionen um die Zeitmessung unter.

Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk: Das sind die Laufzeiten der einheimischen Fahrerinnen Joana Hählen, Lara Gut-Behrami, Jasmine Flury und Priska Nufer mit Sicherheit nicht, denn sie sind von Hand gestoppt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es die Firma Swiss Timing, die zur Swatch Group gehört, ausgerechnet am Heimrennen in Crans-Montana nicht schaffte, alle Zeiten exakt zu messen. Weil beide elektronischen Systeme wegen Verbindungsproblemen bei den genannten vier Fahrerinnen nicht funktionierten, kam die unpräziseste, aber gemäss Reglement einzige Notfallvariante zum Einsatz: die manuelle Zeitmessung. Nach stundenlangen Analysen und Kontrollen offizialisierte die Rennleitung über viereinhalb Stunden nach dem Start der Abfahrt die Resultate.

Buhrufe nach Gut-Behramis Fahrt

Leidtragende des Durcheinanders um die Zeitmessung gab es viele. Da sind die über 13 000 Zuschauer, deren Geduld mehrmals auf die Probe gestellt wurde. Nach der Zieleinfahrt von Lara Gut-Behrami bekundeten viele hörbar ihren Unmut, weil die Zeit zum wiederholten Male weiterlief.

Am meisten litten jedoch die Sportlerinnen unter dem Chaos. Stellvertretend entschuldigte sich FIS-Renndirektor Atle Skardal bei allen Beteiligten und insbesondere bei der Österreicherin Nicole Schmidhofer. Die Führende im Abfahrtsweltcup fiel lange Zeit nach der Blumenzeremonie noch vom dritten auf den vierten Platz zurück. Im Gegenzug rückte Gut-Behrami einen Rang vor. «Es ist frustrierend für alle. Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich glücklich bin.»

Doch die Resultate sind offiziell, und auch die Berner Oberländerin Hählen, die erstmals überhaupt auf das Weltcuppodest fuhr, muss sich nicht für ihre Leistung rechtfertigen. Aber ein komisches Gefühl hatte sie bis zum Ende des Rennens. «Ich traue der Sache noch nicht so recht.»

Über sich hinausgewachsen

Doch die Bestätigung des zweiten Platzes folgte, wenn auch erst Stunden später. Die Simmentalerin zeigte eine mutige Fahrt am Limit. Die 27-Jährige, in der Abfahrt zuvor nie besser als Achte, wuchs in ihrem 68. Weltcuprennen über sich hinaus. «Ich wusste, dass auf dieser Strecke etwas möglich ist. Ich habe fest daran geglaubt», sagte sie nach ihrer ersten Fahrt auf das Weltcuppodest.

Siegerin des Rennens wurde die Italienerin Sofia Goggia, notabene mit einer elektronisch gestoppten Zeit von 1:29,77. Auch wenn ihr Sieg am Ende ein wenig unterging, verdient war er in jeder Hinsicht. Goggia dominierte ihre Gegnerinnen am Mont Lachaux trotz nachlassender Piste und nicht optimaler Fahrt. «Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit der Performance nicht unbedingt», sagte die 26-Jährige.

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