Ski alpin

Einst waren die Kombinierer die Monarchen im Weltcup – nun soll das Format weichen

Mauro Caviezel belegt in der vielleicht letzten Lauberhorn-Kombination den unglücklichen vierten Rang.

Mauro Caviezel belegt in der vielleicht letzten Lauberhorn-Kombination den unglücklichen vierten Rang.

Am Abend dieses vielleicht historischen Tages für die Rennen in Wengen sassen sie noch einmal ganz nahe beieinander, getrennt nur durch eine Armlehne: Urs Näpflin, OK-Präsident der Lauberhorn-Rennen und ein glühender Befürworter der Kombination, und Markus Waldner, FIS-Renndirektor und einer der grössten Kritiker.

Schon im Ziel hatte Urs Näpflin kein gutes Bauchgefühl: «Ich vermute, dass dies die letzte Kombination ist, die wir in Wengen haben.» Am Abend setzte er vor den versammelten Cheftrainern zu einem letzten Appell an: «Wir hatten einen spannenden und hochstehenden Wettkampf mit 18 000 Zuschauern. Sie wissen, es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass dies wohl die letzte Kombi war.»

Stéphane Cattin: «Man kann zufrieden sein»

Stéphane Cattin: «Man kann zufrieden sein»

Der Alpinchef von Swiss Ski, Stéphane Cattin, nimmt Stellung zum Abschneiden der Schweizer in der Alpinen Kombination vom Freitag. Auch wagt er einen Ausblick auf die Lauberhorn-Abfahrt am Samstag und den Slalom am Sonntag in Wengen.

Direkt neben ihm sass Waldner und lächelte still. Den Südtiroler freut es, falls die Kombination verschwindet. Er ist einer der treibenden Kräfte bei der Einführung der Parallel-Rennen. Diese sollen die Kombination an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ersetzen. Doch selbst Waldner musste eingestehen: «Das war heute wirklich toll.»

Der Österreicher Marco Schwarz siegte vor den Franzosen Victor Muffat-Jeandet und Alexis Pinturault. Mauro Caviezel blieb der undankbare vierte Rang. Weil er, der eigentlich stärkere Speedfahrer, ausgerechnet in der Abfahrt nicht überzeugte.

Das Siegerpodest der vielleicht letzten Lauberhorn-Kombination.

Das Siegerpodest der vielleicht letzten Lauberhorn-Kombination.

Während der WM-Dritte in der Kombi von 2017 am Morgen die sechstschnellste Slalomzeit realisierte, waren in der Abfahrt elf Männer schneller als Caviezel. «Ich hatte nach dem Slalom Probleme mit dem Rücken. Diese muss ich nun bis zur Abfahrt am Samstag in den Griff bekommen», erklärte der 30-Jährige.

Schweizer Erfolgsstory

So gab es in der vielleicht letzten Austragung also keinen Schweizer Podestplatz. Die Kombination ist so etwas wie eine Schweizer Paradedisziplin. Zuletzt an der WM 2017 gab es zweimal Gold (Luca Aerni und Wendy Holdener), einmal Silber (Michelle Gisin) und einmal Bronze (Caviezel). In Wengen gab es seit 2005 und bis am Freitag nur dreimal keinen Schweizer Podestplatz. Kein Wunder, dass viele Befürworter der Disziplin aus der Schweiz kommen. Zu ihnen gehören FIS-Präsident Gian-Franco Kasper und Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann.

Alpine Kombination: Mauro Caviezel verpasst das Podium knapp

Alpine Kombination: Mauro Caviezel verpasst das Podium knapp

Doch das Lager der Gegner wird stets grösser. Und so ist gut möglich, dass der Council des Weltverbands FIS an der WM im Februar in Åre einen Entscheid gegen die Kombination fällt. Falls dann der FIS-Kongress dem Antrag folgt, könnten bereits 2021 WM-Medaillen in Parallel-Rennen vergeben werden und schon in der nächsten Saison Kristallkugeln für den Sieg in der Disziplinenwertung.

Jürg Capol, Marketing-Direktor bei der FIS, ist nicht grundsätzlich gegen die Kombination. Aber der ehemalige Schweizer Langläufer sagt: «Entweder, wir werten die Kombination wieder so auf, dass der Sieger der König des Skisports ist wie einst. Oder wir lassen es ganz sein.»

Eine Aufwertung wäre nur möglich, wenn es mehr Rennen geben würde und somit die Allrounderfähigkeiten für Athleten wieder wichtiger würden. Denn schaut man in den Siegerlisten der Wengen-Kombination zurück, findet man tatsächlich einstige Könige des Skisports: Franz Klammer, Pirmin Zurbriggen, Marc Girardelli, Kjetil André Aamodt, Bode Miller – um nur ein paar zu nennen.

Zu grosse Unterscheide 

Doch sind Parallel-Rennen wirklich die Zukunft? Im Moment sind die Wettbewerbe noch zu verschieden: City Event, Parallel-Slalom, Parallel-Riesenslalom. Selbst Waldner sagt, dass es eine Vereinheitlichung braucht, um das Format zu etablieren.

Ein Problem für die Kombination ist, dass selbst ehemalige Sieger gegen das Format sind. Zu ihnen gehören zum Beispiel Carlo Janka, dreimal Kombisieger im Weltcup, oder Michel Vion, Präsident des französischen Skiverbandes und 1982 Weltmeister in der Kombination. Speziell daran: Gestern standen gleich zwei Franzosen in Wengen auf dem Kombi-Podest.

So traurig das Ende für Wengen wäre – Näpflin sagt auch: «Das Leben ginge weiter und auch die Rennen in Wengen gingen weiter.» Um finanziell zu überleben, sind die Veranstalter am Lauberhorn auf drei Rennen angewiesen. Ein solches werden sie so oder so erhalten. Gut möglich, dass in Zukunft einfach eine Sprintabfahrt die Kombination ersetzt.

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