Insgesamt neun Medaillen haben Österreichs Skifahrerinnen und Skifahrer an der WM 2017 in St. Moritz gewonnen und damit zwei mehr als die Gastgeber. Und doch sagte der österreichische Verbandspräsident Peter Schröcksnadel danach, er würde sofort alle Medaillen tauschen. Gegen Abfahrtsgold bei den Männern.

In der Königsdisziplin siegte Beat Feuz und damit nach Patrick Küng 2015 zum zweiten Mal in Folge ein Schweizer. Zwar sind die Österreicher den Schweizern seit 30 Jahren in fast allen Statistiken überlegen. So belegte Swiss Ski letztmals im Frühling 1989 Rang eins im Nationenranking (siehe Grafik). Und doch: Fünfmal war in dieser Zeitspanne ein Schweizer Abfahrtsweltmeister bei den Männern. Österreich holte nur viermal Gold.

Dort, wo es dem ewigen Rivalen besonders wehtut, schlagen die Schweizer gerne und oft zu. Sinnbildlich dafür steht Beat Feuz. Er ist der Mann für die ganz wichtigen Rennen. Ob im Weltcup in Wengen und Kitzbühel oder eben an der WM: Wenn viele Menschen zuschauen, wenn die Erwartungen am grössten sind, ist er da. «Es freut mich, wenn die Leute erwarten, dass der Feuz schnell sein sollte», sagt der 31-Jährige über seine Fähigkeit.

Der Traum von der Nummer 1

Es ist diese Stärke, in den wichtigsten Rennen gut zu sein, die Swiss Ski schon lange trägt. Grossanlässe überstrahlen vieles. Auch am Ende dieser Saison wird das Abschneiden an der WM in Åre (ab Montag) die Bilanz stark beeinflussen, ob es ein guter Winter war oder eher nicht.

Zwar träumt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann schon lange davon, dass die Schweiz schon bald und erstmals seit 1989 wieder die beste Nation über einen ganzen Winter hinweg wird. Doch während sich die Schweizerinnen und Schweizer in den vergangenen Jahren Österreich näherten, entfernt sich Swiss Ski in dieser Saison wieder vom Nachbarn.

Gutes Vorzeichen? 

Die Rollen bleiben also verteilt. Anders als im Nationenranking des Weltcups, das Österreich seit 30 Jahren anführt, war die Schweiz an Weltmeisterschaften dreimal besser (1989, 1997 und 2009). Also rund alle zehn Jahre. Sind das gute Vorzeichen für die WM in Åre? Man muss kein Prophet sein, um nicht davon auszugehen. Zu stark scheint das österreichische Team auch in diesem Jahr.

Doch am 9. Februar, am Tag der WM-Abfahrt der Männer, zählt das alles nichts mehr. Feuz wird bereit sein, Schröcksnadel erneut zu ärgern. Dort, wo es wehtut.