Ski alpin

Die Ski-Allrounder sind vom Aussterben bedroht

Die Schweizerin Priska Nufer träumt von einer Karriere als Allrounderin. Hoffentlich ist sie nicht zu spät geboren worden.

Die Schweizerin Priska Nufer träumt von einer Karriere als Allrounderin. Hoffentlich ist sie nicht zu spät geboren worden.

Ein kompletter Skifahrer kann in allen Disziplinen gewinnen. Zumindest früher war das einmal so. Heute, im Zuge der Spezialisierung, gewinnen insbesondere im Slalom und Riesenslalom nur noch die, die sich voll auf diese Disziplinen konzentrieren.

Carlo Janka sagt nicht zu Unrecht: «Im Riesenslalom behaupten sich mit Ausnahme von Kjetil Jansrud und mir nur noch Spezialisten in den Top 15.» Der Allrounder stirbt aus. Es ist ein Fakt. Selbst der Weltverband FIS scheint sich daran nicht zu stören. Der neue FIS-Renndirektor Markus Waldner bestätigte gegenüber der «Nordwestschweiz» schon in Wengen, wo neben Kitzbühel noch die letzte alpine Kombination, also die Kerndisziplin der Allrounder, stattfindet: «Wir werden das Format in Zukunft ändern.»

Mittlerweile ist klar, was dem Südtiroler vorschwebt: ein Kombinationswettkampf im Zweierteam. Jeweils ein Abfahrts- und ein Slalomspezialist sollen im Zweierteam an den Start. «Wenn man die besten Abfahrer teilweise Slalom fahren sieht, ist das keine Werbung für den Skisport», sagt Waldner.

Das stimmt. Nur: Die Allrounder will fast niemand mehr haben. Urs Näpflin, der OK-Präsident der Lauberhornrennen, sagt: «Die Superkombination liegt uns am Herzen. Doch uns fehlt die Unterstützung, das Format weiter am Leben zu halten.» Im Weltcupkalender der FIS steht mit der Kombination in Kitzbühel zwar ein zweiter Event auf dem Programm. Doch die Mischung aus Super-G, der als separates Rennen gewertet wird, und Slalom verwässert das Konzept.

«In einem Super-G hat ein Techniker bessere Chancen als in einer klassischen Abfahrt. Das benachteiligt uns Speedspezialisten stark», sagt Beat Feuz. In Österreich ist man kein Fan der Kombination. Auch, weil beim österreichischen Skiverband die Allrounderförderung keinen hohen – oder sogar gar keinen – Stellenwert geniesst.

Nur noch eine Allrounderin

Nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch gibt es genau noch eine Athletin, die in allen Disziplinen konkurrenzfähig ist und um den Sieg fahren kann. Doch die 31-jährige Slowenien Tina Maze will ihre Karriere aller Voraussicht nach am Ende der Saison ebenfalls beenden. Bei den Männern gibt es mittlerweile keinen Athleten mehr, der in allen Disziplinen gewonnen hat.

Die Superkombination, in seiner ursprünglichen Form, ist der Inbegriff des Allroundertums. Die Disziplin ist olympisch und findet an Weltmeisterschaften statt. Doch der einzige Bewerb der Frauen in dieser Saison findet erst am 1. März in bulgarischen Bansko statt. Also nach der WM. So absurd das ist, die Realität sieht im Moment genau so aus.

Mit den neusten Plänen der FIS, die erst noch vom Kongress abgesegnet werden müssen, zielt man aber genau in diese andere Richtung: Die Allrounder sterben aus, weil zwei Spezialisten im Team um den Sieg kämpfen sollen. «Für die Zuschauer wird das attraktiver», sagt Waldner.

Als Vorbild Tina Maze

Das mag sein. Doch würde den Allroundern mehr Gewicht gegeben, wäre dies auch mit dem aktuellen Format der Fall. Der Schweizer Männercheftrainer Tom Stauffer sagt: «Ich hoffe, dass meine jungen Talente bald in zwei Disziplinen stark sein können.» Im Moment konzentrieren sich Fahrer wie Daniel Yule oder Luca Aerni nur auf den Slalom. Selbst so haben die erst 21-Jährigen genug zu tun, um mit den Spezialisten mitzuhalten. Als zusätzliche Disziplin kommt nur der Riesenslalom infrage. Also ebenfalls eine technische Disziplin.

Das Beispiel von Silvan Zurbriggen zeigt, was es bedeut, wenn ein Athlet einen anderen Weg einschlägt. Der Walliser gehörte einst im Slalom zu den Besten. Seit seinem Wechsel zu Abfahrt und Super-G ist er im Stangenwald chancenlos und fährt höchstens noch eine Kombination. So wie ihm geht es vielen.

Trotzdem gibt es sie noch, die – fast ist man geneigt zu sagen – Verrückten, die von einer Karriere als Allrounder träumen. Zum Beispiel Priska Nufer. Die bald 23-jährige Schweizerin überzeugte im WM-Super mit Rang 16. In früheren Jahren war sie eine Slalomspezialistin, bevor auch sie sich auf die Speed-Disziplinen konzentrierte. Trotzdem glaubt sich noch an die Karriere als Allrounderin. «Tina Maze ist mein grosses Vorbild. Ich will einst so sein wie sie.» Hoffentlich ist Nufer nicht zu spät geboren worden. Denn die Allrounder sterben aus.

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