SRF-Dokfilm
Ski-Legende Bernhard Russi von seiner intimen Seite: «Mein Vater starb, als ich ihn am meisten brauchte»

Ein neuer SRF-Dokumentarfilm geht mit der Schweizer Ski-Legende Bernhard Russi auf Tuchfühlung. Darin erzählt er von Schicksalsschlägen. Thematisiert wird auch seine dunkle Seite – sein Job als Skipistenbauer.

Simone Meier
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Bernhard Russi gibt am 30.Januar 2017 bekannt, dass er die SRF-Moderation nach der Ski-WM in St. Moritz aufgibt.
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Das Leben des Bernhard Russi
Bernhard Russi heute, mit 68 Jahren
Bernhard Russi an der Ski-Weltmeisterschaft 1970 in Val Gardena. Zur Verblüffung aller wurde der damals erst 21-Jährige aus Andermatt Weltmeister in der Abfahrt.
Bernhard Russi: Ein Foto aus den frühen 1970er-Jahren.
An den Olympischen Winterspielen in Sapporo 1972 triumphierte Bernhard Russi in der Abfahrt. Auf dem Bild wird er mit dem Olympiazweiten, Rolland Collombin (Nr. 11, ebenfalls aus der Schweiz) auf den Schultern der Fans getragen.
Die Siegerehrung: Bernhard Russi (mitte) winkt seinen Fans zu.
Die alpine Ski-Weltmeisterschaft wird am 2. Februar 1974 in St. Moritz eroeffnet. Die Schweizer Mannschaft wird vom noch amtierenden Weltmeister in der Abfahrt, Bernhard Russi, mit der Schweizer Fahne angeführt.
Die Herren-Abfahrt der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz endete für Russi mit einer Enttäuschung: Nur Platz 13.
Im Jahr 1977 heiratete Bernhard Russi Michèle Rubli.
Beni Turnherr (links) und Bernhard Russi vor den Olympischen Spielen in Nagano 1998.
Die Olympia-Piste 1998 am Happo Berg in Hakuba, Japan, baute Russi höchstpersönlich. Er war es dann auch, der sich mit einer TV Kamera als erster auf die Abfahrtspiste traute.
Russi wird nach seiner letzten Fahrt als Kameramann geehrt.
Pistenbauer Russi hat auch die Strecke für die Ski-WM in St. Moritz 2003 entworfen. Hier führt er interessierte Personen über die Piste im Jahr 2000.
Er kann auch ohne Schnee: Russi beim Golfen.
Russi auf der Olympia-Herrenabfahrt von Salt Lake City im Jahr 2002.
Martina Schild, Bernhard Russi und Bruno Kernen (v.l.n.r.) an den Olympischen Spielen 2006 in Turin.
Die beiden Schweizer Abfahrtslegenden Roland Colombin, links, und Bernhard Russi messen sich im Charity Race of Legendes auf dem Bolgenhang in Davos im April 2006.
Golfen mit Alt Bundesrat Adolf Ogi und der Tennislegende Boris Becker.
Der Fussballfan: Russi vor der Heim-EM 2008.
Auch für den Superzehnkampf war sich Russi nicht zu schade.
Der Werbebotschafter: Russi (links) wirbt zusammen mit dem Model Xenia Tchoumitcheva (zweite von links) für Visilab.
Russi beim Wandern mit Ski-Star Lara Gut.
Ein Herz für Kinder: Bernhard Russi im Jahr 2015.
Matthias Hüppi und Bernhard Russi kommentieren auf SRF die alpinen Ski-Rennen der Herren.

Bernhard Russi gibt am 30.Januar 2017 bekannt, dass er die SRF-Moderation nach der Ski-WM in St. Moritz aufgibt.

Keystone/PPR/ANTHONY ANEX

Bernhard Russi war meine erste grosse Liebe, und wahrscheinlich werde ich ihm ewig treu bleiben. Auch wenn ich immer mehr blöd finde, was er macht. Zum Beispiel die Visilab-Werbung mit Xenia Tchoumitcheva.

Als ich mich in Russi verliebte, war ich winzig klein und er bereits Abfahrts-Weltmeister und Olympiasieger. Ich nervte das Dorf meiner Kindheit, indem ich laut «Ich bi de Russi! Ich bi de Russi!» schreiend durch die Strassen rannte. Kinder sind ja so unverblümt.

So sah Bernhard Russi Anfang 20 aus.

So sah Bernhard Russi Anfang 20 aus.

Keystone

Heute Morgen fragte ich Anna Rothenfluh neben mir (wäre ich als Teenie schwanger geworden, so könnte sie meine Tochter sein): «Was bedeutet eigentlich Bernhard Russi für dich? Ist das bloss irgendein alter Mann, der Skirennen moderiert?» «Klar», sagte Anna R., «für dich etwa nicht?» Okay, ja, schon, sicher. Aber doch nicht nur! Anna soll sich gefälligst den Dokfilm «Bernhard Russi – Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern» anschauen!

Da sieht man Russis grosse Zeit in den 70er-Jahren. Als er der schönste Mann im Skizirkus war, eine blutjunge Legende, ein Held. Man sieht Russi in Badehose, Russi, der enthemmt in einem riesigen Wäschekorb voller Fanpost wühlt, Russi bei seiner ersten Hochzeit mit der Skifahrerin Michèle Rubli (beide hatten fast die gleiche Föhnfrisur). Russi mit seinem ersten harten Trainer, dem späteren Bundesrat Adolf Ogi.

Hochzeit mit Michèle Rubli 1977, zu beachten sind das Skispalier und die Frisuren.

Hochzeit mit Michèle Rubli 1977, zu beachten sind das Skispalier und die Frisuren.

Keystone

Und: Russi auf der Piste. Von heute aus gesehen war er ein Sprenzel von einem Mann, sein Fahrstil, na ja, er fuhr halt. «Jenseits von gut und böse» habe das damals ausgesehen, sagt er heute. Was hingegen schon damals perfekt funktionierte, war die Zeitmessung bei den Skirennen.

Das Drama

Das also ist die glamouröse Nostalgie. Sind die schönen alten Fernsehbilder mit einem erstaunlich hohen Orange-Anteil in der Mode der Skifahrer und Zuschauer.

Die andere Seite ist Russis Drama. Oder seine Dramen. «Mein Vater ist gestorben als ich ihn am meisten gebraucht hätte. Meine erste Frau kam in einer Lawine ums Leben. Meine kleine Schwester ist seit frühester Kindheit schwerst behindert. Mein einer Bruder starb völlig unerwartet innerhalb von Stunden an einer Infektion. Mein anderer Bruder war ein riesiges Skitalent, hat aber seinen Weg im Leben nie richtig gefunden. Ich bin Bernhard Russi. Man sagt, ich sei ein Sonnyboy.»

So beginnt der Film. Natürlich hat Russi damit unsere Aufmerksamkeit. Und unsere vorbehaltlose Liebe, ist ja klar. Und dann hat er es auch noch geschafft, seine Ehe mit der Schwedin Mari nach einer riesigen Krise samt Trennung wieder zu reparieren. Wow.

Mann und Berg: Bernhard Russi auf dem «Grossen Kamel» im Furkagebiet.

Mann und Berg: Bernhard Russi auf dem «Grossen Kamel» im Furkagebiet.

SRF

Russis dunkle Seite ist natürlich sein Job, den er seit seinem Ende als Profifahrer innehat. Nein, nicht die Sache mit den TV-Moderationen zusammen mit Matthias Hüppi, obwohl die gelegentlich nerven in ihrem geschwätzigen Leerlauf. Bernhard Russi baut seit fast 40 Jahren Pisten auf der ganzen Welt. Weil er früher zuviel motzte. Eines Tages hiess es: Dann mach's doch besser.

SRF-Dok

«Bernhard Russi – Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern» läuft am Donnerstag, 12. Januar, um 20 Uhr auf SRF1.

Seither lässt er riesige Schneisen durch Wälder hauen, Gelände kupieren und künstlich beschneien. SRF begleitete ihn mehrfach nach Südkorea. Man würde das lieber nicht gesehen haben. Aber es ist halt Business. Skisport ist Naturmord oder so. Hätte SRF da nicht mal kritisch nachfragen können? Überhaupt bleiben viele Fragen offen: Wo steht Russi zum Beispiel politisch?

Dies interessiert den Dokfilm, der gewiss sensationelle Quoten machen wird, nicht. Er will den Menschen spüren, mit Russi intim werden. Das tut er. Und das wollen wir ja auch.