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«Sie fahren wie die Wahnsinnigen»: Warum der Auftritt der Schweizer am Kuonisbergli kein Debakel ist

Die Durststrecke hält an: Die Schweizer schaffen es im Riesenslalom von Adelboden auch 2020 nicht aufs Podest. Am Sonntag folgt die nächste Chance im Slalom.

«64. Internationale Adelbodner Skitage» steht am Kopf des weissen A4-Blatts. Darunter folgt die Rangliste. Sie zeigt wenig Erfreuliches aus Schweizer Sicht. Auf Zeile 17 folgt der Name des ersten Schweizers: Loïc Meillard. Weiter unten noch weitere Schweizer. Daniele Sette auf 19, Cédric Noger auf 21, Justin Murisier auf 23. Es ist eine Niederlage. Doch sie zeigt vor allem eines: Wie schmal der Grad ist in diesem Hundertstelrennen. Zwischen Triumph und totaler Niederlage liegen Wimpernschläge.

Das Podest in Adelboden (von links): Filip Zubcic (Zweiter), Zan Kranjec (Erster), Victor-Muffat-Jeandet und Henrik Kristoffersen (beide Dritte).

Das Podest in Adelboden (von links): Filip Zubcic (Zweiter), Zan Kranjec (Erster), Victor-Muffat-Jeandet und Henrik Kristoffersen (beide Dritte).

Die Schweizer wagten am Samstag im Riesenslalom von Adelboden den nächsten Versuch, die 12-jährige Durststrecke zu beenden. Die Chancen, dass es seit 2008 wieder einmal klappen könnte, sind auf dem Papier so hoch wie lange nicht mehr. Das Riesenslalom-Team hat ein Niveau erreicht, das mit der Weltspitze mithalten kann. Drei Fahrer schafften es in der Vergangenheit aufs Podest in dieser Disziplin. Einer von ihnen, Marco Odermatt, musste das Heimrennen verletzungsbedingt auslassen.

Loïc Meillard zog mit der drittbesten Zeit in den zweiten Lauf ein. Sein Teamkollege Gino Caviezel, direkt nach Meillard gestartet, stürzte mit der Bestzeit. Thomas Tumler riskierte ebenfalls viel und schied aus. Die Zeitabstände waren eng. Zwischen dem führenden Italiener Luca de Aliprandini und Alexis Pinturault auf Rang 11 lagen 51 Hundertstel.

Nervös zu werden, wäre «das Dümmste»

Er ist überzeugt, am Riesenslalom-Team wird man noch viel Freude haben: Walter Reusser, Alpin-Direktor bei Swiss-Ski.

Er ist überzeugt, am Riesenslalom-Team wird man noch viel Freude haben: Walter Reusser, Alpin-Direktor bei Swiss-Ski.

Walter Reusser, der seit Dezember als Alpin-Direktor amtet, wird nach dem Rennen sagen: «Es ist einfach unglaublich eng bei den Männern in diesem Jahr. Im Riesenslalom und Slalom fahren sie wie die Wahnsinnigen. Du brauchst drei bis vier Athleten, die gewinnen können, damit dann tatsächlich einer vorne steht.»

Ohne ans äusserste Limit zu gehen, ist derzeit wenig zu holen. Walter Reusser sagt: «Der Grad ist so unglaublich schmal. Entweder du bist top, oder du bist weit weg.» Loïc Meillard bekundete Mühe mit dem weiter gesteckten Kurs im zweiten Durchgang. Das brachte ihm letztlich einen Rückstand von 1,97 Sekunden ein. «Das ist ein bekanntes Problem bei mir. Daran muss ich weiterhin arbeiten», sagt der Romand.

Das Riesenslalom-Team wartet auch nach dem vierten Rennen der Saison auf den ersten Podestplatz. Reusser sagt, es wäre «das Dümmste», wenn man jetzt nervös werden würde. «Die Athleten haben den Speed drauf, sie sind alle jung. Ich bin überzeugt, dass wir noch viel Freude an ihnen haben werden.» Dass die Equipe angesichts der langen Durststrecke beim Heimrennen eine mentale Blockade habe, glaubt er nicht. «Unsere Athleten sind bereit, sie sind fit. Das sah man auch im ersten Lauf.»

Am Sonntag folgt im Slalom eine nächste Möglichkeit für ein Erfolgserlebnis in Adelboden. Das Slalom-Team überzeugte in dieser Saison bereits mit drei Podestplätzen. Loïc Meillard wird wieder am Start stehen. Er sagt: «Hoffentlich können wir es am Sonntag besser machen.»

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