Leichtathletik
Selina Büchel gibt heute wieder Vollgas - gelingt ihr der nächste Rekord?

Vor fünf Tagen lief die Ostschweizerin einen neuen Schweizer Rekord. Beim Athletissima-Meeting in Lausanne geht die 800-m-Läuferin erholt an den Start. Auch Hürdenläufer Kariem Hussein will das Publikum von den Rängen reissen.

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Selina Büchel rennt heute in Lausanne zwei Runden.

Selina Büchel rennt heute in Lausanne zwei Runden.

Keystone

Einen solchen Coup haben auch die Veranstalter in Lausanne nicht erwartet. Bei ihrem ersten Auftritt an einem Diamond-League-Meeting ausserhalb der Schweiz verbesserte 800-m-Läuferin Selina Büchel mit ihrem Sturmlauf auf den dritten Platz nicht nur ihre persönliche Bestzeit um über zwei Sekunden, sondern pulverisierte mit ihrer Zeit von 1:57,95 auch den Schweizer Rekord. Gleich um 95 Hundertstel blieb die Toggenburgerin unter der alten Bestmarke von Sandra Gasser aus dem Jahr 1987.

Büchel wird im TV nicht zu sehen sein

Heute betritt Büchel beim Athletissima-Meeting in Lausanne erneut die grosse Bühne, diesmal allerdings im Vorprogramm. Weil der 800-m-Lauf der Frauen im Unterschied zu Paris nicht zur Diamond League zählt, sondern als zusätzliche Disziplin ausgetragen wird, darf sich die neue Schweizer Rekordhalterin auf der Pontaise nicht zur Prime Time präsentieren. Büchel startet bereits um 19.46 Uhr, also eine knappe Viertelstunde vor Beginn der Live-Übertragung im Fernsehen.

Der Leistungssprung von Paris hatte sogar die Athletin selbst verblüfft: «Die 1:57er-Zeit konnte ich zunächst kaum glauben», sagt Büchel, welche über die doppelte Bahnrunde zuvor noch nie unter 2 Minuten geblieben war. Dass diese Marke bald fallen würde, hatte sich bereits seit längerer Zeit abgezeichnet. Die Deutlichkeit, mit der Büchel dies bewerkstelligte, überraschte aber doch, obwohl sie in dieser Saison zuvor jedes ihrer neun Rennen gewonnen hatte.

Weltklasse auch im Freien

Ihre grössten Erfolge hatte die knapp 24-jährige Ostschweizerin bisher auf der Bahn feiern können. Im März gewann sie an der Hallen-EM in Prag den Titel – und sorgte so dafür, dass Swiss Athletics derzeit neben Kariem Hussein noch eine Europameisterin in seinen Reihen hat. Bereits im Vorjahr hatte sie mit ihrem vierten Rang an der Hallen-WM im polnischen Sopot aufhorchen lassen. In Paris stiess sie nun auch als Freiluft-Athletin in die Weltklasse vor: Aktuell belegt die EM-Neunte von Zürich in diesem Jahr den vierten Platz der Weltbestenliste.

Nach Lausanne reist Büchel erst heute an. «Nach dem Lauf in Paris benötigte ich ein paar Tage Erholung. Nicht nur körperlich, sondern auch mental», sagt die Raumplanungszeichnerin mit flexiblem Teilzeitpensum. Im vertrauten Umfeld könne sie besser abschalten. Die geerdete Toggenburgerin trainiert nach wie vor in ihrer Heimat beim kleinen KTV Bütschwil. In einem Dorf, in dem es keine 400-m-Bahn gibt.

In Lausanne wird Büchels Konkurrenz nicht ganz gleich stark sein wie bei ihrem Rekordlauf. Mit der Amerikanerin Molly Ludlow triff die Hallen-Europameisterin aber auf jene Läuferin, die in Paris unmittelbar hinter ihr Vierte wurde.

Hussein wieder genesen

Mit einem absoluten Weltklassefeld bekommt es Kariem Hussein zu tun. Der Europameister über 400 m Hürden bekommt es bei seinem dritten Auftritt in dieser Saison im Rahmen der Diamond League mit allen grossen Namen seiner Disziplin zu tun.

Im Unterschied zu Büchel wird Hussein erst im drittletzten Rennen des Abends zum Einsatz kommen. Und dies erst noch auf der Bahn seiner Wahl: Der Thurgauer erhielt von Meeting-Direktor Jacky Delapierre die Möglichkeit, auf seiner Wunschposition anzutreten – und startet nun aus Block 5.

Nachdem er nach dem Meeting in Rom durch eine Grippe zurückgeworfen wurde, fühlt sich Hussein vor dem Start in Lausanne wieder gesund. «Ein leichter Husten ist noch da, aber ich fühle mich im Training gut», sagt der 26-Jährige, der seine Erkrankung auf den Spannungsabfall nach einem intensiven Winter mit Praktika in seinem Medizinstudium, Training und zusätzlichen Verpflichtungen zurückführt.

«In den kommenden Rennen geht es darum, wieder einen guten Rhythmus zu finden, damit bis zu den Weltmeisterschaften im August in Peking alles passt», sagt Hussein, dessen Saisonbestzeit mit 48,76 nur knapp drei Zehntel über seiner persönlichen Bestmarke aus dem letzten Herbst liegt. So schnell war er im Vorjahr zur gleichen Zeit noch nie gelaufen.

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