Man spricht dieser Tage Englisch in der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Nicht nur der neue Nationaltrainer Glen Hanlon kommuniziert in dieser Sprache, sondern auch die beiden neusten Mitglieder der nationalen Auswahl, Cody Almond (25) und Dan Fritsche (29). Deutsch ist für die beiden in Nordamerika geborenen Center vorläufig noch ein Buch mit sieben Siegeln. Almond, der als Angestellter von Servette Genf in seinem Alltag eher mit dem Französischen in Kontakt kommt, hat keine Ambitionen, neben Französisch ("damit habe ich schon genügend Mühe") eine weitere Fremdsprache zu erlernen. Bei Fritsche sieht es ähnlich aus: Für ihn ist Deutsch schlicht und einfach zu schwierig: "Ich bin heilfroh, dass so viele Schweizer Englisch sprechen", sagt der US-Schweizer schon fast entschuldigend.

Wichtig ist für die Beiden vorderhand sowieso nur etwas: Sie müssen im Dress mit dem Schweizer Kreuz ihre Leistungen auf dem Eis für sich sprechen lassen. Almond und Fritsche erleben am Freitagabend im ersten Spiel der Arosa-Challenge gegen Norwegen ihre Feuertaufe im Schweizer Nationalteam. Dass es so weit kommen würde, damit war bei Beiden nicht wirklich zu rechnen.

Fritsche, der U20-Weltmeister

Dan Fritsche wurde im Januar 2004 mit der U20-Auswahl der USA Weltmeister. Wenige Monate zuvor hatten ihn die Columbus Blue Jackets in der 2. Runde des Drafts ausgewählt und setzten ihn als 18-Jährigen schon in 19 NHL-Spielen ein. Doch aus der erhofften, grossen NHL-Karriere wurde für den Neffen des langjährigen Ambri-Stürmers John Fritsche nichts. Im Sommer 2010 folgte er schliesslich dem Ruf von Chris McSorley und wechselte zu Servette Genf. Der entscheidende Schritt für die Zukunft in der Schweizer Nationalmannschaft.

Dass er überhaupt einen Schweizer Pass hat, verdankt er seinen Grosseltern, die dafür sorgten, dass die Schweizer Wurzeln der Familie Fritsche nicht vergessen gingen. Dan Fritsches Ur-Grosseltern waren aus Appenzell in die USA ausgewandert. Nach Appenzell ist der Center der ZSC Lions inzwischen schon einige Male zurückgekehrt. "Ich interesserie mich sehr für meine Herkunft. Es ist verrückt, wenn man auf dem Friedhof in Appenzell so viele Grabsteine mit dem eigenen Familiennamen sieht. In den USA war er glaube ich einmalig."

Sowieso hat Dan Fritsche, der übrigens aufgrund einer Laktoseallergie trotz Appenzeller Herkunft keinen Käse essen darf, seine alte neue Heimat sehr lieb gewonnen. So lieb, dass er alles daran setzte, sich die Möglichkeit, einst für das Schweizer Nationalteam aufzulaufen, nicht zu verbauen. "Ich habe sogar auf Aufgebote für das US-Team verzichtet", betont er. Weil Dan Fritsche damals auf der Stufe U20 in "Stars and Stripes" auflief, musste er vier Jahre warten, bis er für die Schweizer Auswahl spielberechtigt war. "Ich habe mich sehr auf den Tag gefreut, für die Schweiz zu spielen", sagt Fritsche. Am Freitagabend ist es endlich soweit.

Cody Almonds Olter Wurzeln

Nur zwei Jahre warten musste dafür Cody Almond, der seine Schweizer Wurzeln in Olten hat. "Meine Grossmutter mütterlicherseits wurde dort geboren und wuchs dort auf, ehe ihre Familie nach Kanada auswanderte", erzählt der 25-Jährige, der seine Schweizer "Heimat" allerdings noch nie persönlich besucht hat. "Ich bin nur ein paarmal durchgefahren, mehr nicht". Almond ist erst vor zwei Wochen wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Seine Hoffnungen, mit den Minnesota Wild noch einmal in der NHL Fuss zu fassen, zerschlugen sich bald einmal, nachdem ein geplanter Transfer nicht zustande kam. "Ich wurde ein wenig Opfer des NHL-Business. So läuft es halt manchmal".

Darum kehrte der Center zurück in den Schoss seines letzten Arbeitgebers, Servette Genf, wo er noch einen bis 2019 laufenden Vertrag besass. Almond mag sich über sein gescheitertes NHL-Revival bei den Minnesota Wild, die ihn 2007 gedrafted hatten und für die er 25 NHL-Spiele bestritten hat, nicht mehr grämen. "Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist und glücklich, dass ich jetzt hier in Arosa für die Schweizer Nationalmannschaft auflaufen darf."