Schweizer Nati
Ein Einwechselspieler ist der Beste, aber fünf Ungenügende – das sind die Noten der Schweizer Nationalspieler beim 2:1-Sieg gegen die USA

Die Schweizer Fussballer gewinnen das erste Testspiel vor der EM gegen die USA dank Toren von Rodriguez und Zuber mit 2:1. Trotzdem bleibt viel Luft nach oben. Warum? Lesen Sie unsere Einzelkritik.

Etienne Wuillemin
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Spektakulärer Flug: Torhüter Sommer.

Spektakulärer Flug: Torhüter Sommer.

KEYSTONE

Yann Sommer, Torhüter, Note 4,5

Beim Gegentor chancenlos. Danach ein- oder zweimal gefordert und diese Aufgaben souverän erfüllt. Ab und zu von seinen Mitspielern in heikle Situationen gebracht, dürfte künftig den Ball in solchen Momenten durchaus schneller weit weg spedieren.

Nico Elvedi, Innenverteidiger, Note 4

Eine Halbzeit, die kaum ewig in Erinnerung bleibt. Sein Befreiungsschlag vor dem 0:1 misslingt, viel vorwerfen kann man ihm dabei gleichwohl nicht. Auch danach manchmal etwas gar zaghaft - das wird sich an der EM ändern.

Wieder zurück nach Innenbandriss im Knie: Fabian Schär.

Wieder zurück nach Innenbandriss im Knie: Fabian Schär.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Fabian Schär, Innenverteidiger, Note 4,5

Die wichtigste Erkenntnis: Sein Knie hält. Von einer Verletzungsfolge ist jedenfalls nichts zu sehen. Die 90 Spielminuten werden ihm Selbstvertrauen geben für die nächsten Wochen. Solider Auftritt.

Loris Benito, Innenverteidiger, Note 4

Er macht keine Fehler. Er geht keine unnötigen Risiken ein. Er ist darum aber auch ein bisschen berechenbar. Gerade in der Spielauslösung müsste mehr kommen.

Silvan Widmer, rechter Aussenverteidiger, Note 5

Bei ihm ist so sehr wie bei keinem anderen zu spüren, dass er sich empfehlen will. Gute Körpersprache, präsent auf dem Feld, tolle Rushes. Schön, wie er das 1:1 vorbereitet. Später holt er auch den Penalty heraus. In der zweiten Hälfte ein bisschen weniger auffällig, weil auch andere Akteure aufwachen. Fazit: Er legt im Kampf mit Mbabu um den EM-Startplatz vor.

Denis Zakaria, Mittelfeldspieler, Note 3,5

Nein, er ist noch immer nicht in alter Form. Kann nicht verbergen, dass er eine komplizierte Saison hinter sich hat. Als alleiniger Assistent von Xhaka überfordert, später mit der Unterstützung von Freuler ein bisschen wirksamer.

Nicht gerade übermässig inspiriert: Granit Xhaka.

Nicht gerade übermässig inspiriert: Granit Xhaka.

Claudio De Capitani / freshfocus

Granit Xhaka, Mittelfeldspieler, Note 3,5

Als Captain geht er voran und gibt die Richtung vor. Es ist ihm allerdings von Beginn an anzumerken, dass es sich um ein Testspiel handelt und nicht schon EM ist. Zu zögerlich, zu zaghaft, zu leger. Das gute ist: Jeder weiss, dass an der EM ein ganz anderer Xhaka zu sehen sein wird.

Ricardo Rodriguez, linker Aussenverteidiger, Note 4,5

Was musste er leiden in dieser Saison! Bei Torino auf dem Abstellgleis, dafür in der Nati weiterhin geschätzter und unbestrittener Stammspieler. Nach zehn Minuten glückt ihm gleich ein Tor. Könnte später mit seinem Penalty gar nachdoppeln – dieser schwache Versuch passt dann allerdings wieder zu den vergangenen Monaten. In der zweiten Hälfte bis zur Auswechslung dann auf als linker Innenverteidiger eingesetzt, auf dieser Position kann er dem Team dank seiner Ruhe am Ball und seinen Pässen mehr geben.

Ein Abend zum Vergessen: Xherdan Shaqiri.

Ein Abend zum Vergessen: Xherdan Shaqiri.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Xherdan Shaqiri, Spielmacher, Note 3

Die Hoffnung auf Zauberpässe erlischt schnell. Von Anfang an viele Ungenauigkeiten und Fehler, wenig kreative Momente. Es ist offensichtlich: Er brennt nicht gerade auf dieses Spiel. Es sagt alles, dass die Schweizer ohne ihn in der zweiten Hälfte viel besser agieren.

Wo bleibt die Lockerheit? Breel Embolo.

Wo bleibt die Lockerheit? Breel Embolo.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Breel Embolo, linker Stürmer, Note 3

Er verstolpert. Er verschiesst. Er verzweifelt. Es ist nicht sein Abend. Und darum irgendwie symptomatisch für die vergangene Saison. Zweimal taucht er ganz alleine vor dem Tor auf, zweimal scheitert er kläglich. Die Frage ist: Findet er seine Lockerheit, die ihn einst so auszeichnete, noch vor Beginn der EM?

Haris Seferovic, rechter Stürmer, Note 3,5

Auch er hatte schon bedeutend bessere Spiele. Häufig alleingelassen. Könnte zum Schluss aber auch noch ein Tor schiessen - mit Blick auf seine eigentlich Topform derzeit können wir hoffen, dass er es für die EM aufgespart hat.

Manuel Akanji, Innenverteidiger, Note 4,5

Mit ihm gerät die Schweiz weniger in Bedrängnis als ohne ihn. Das ist durchaus auch sein Verdienst. Ohne Fehler. Und einige starke Auslösungen. (In der 46. Minute für Elvedi eingewechselt.)

Sofort Einfluss nach der Einwechslung: Remo Freuler.

Sofort Einfluss nach der Einwechslung: Remo Freuler.

Urs Lindt / freshfocus

Remo Freuler, Mittelfeldspieler, Note 5

Der beste Schweizer an diesem Abend. Sein Einfluss ist sofort sichtbar. Viele Balleroberungen und gute Pässe. Gibt den Takt vor und inspiriert die Teamkollegen zu einer Leistungssteigerung. Verpasst die Krönung in Form eines Tores nur knapp. (In der 46. Minute für Shaqiri eingewechselt.)

Steven Zuber, linker Aussenverteidiger, Note 5

Führt sich mit einem schlimmen Fehlpass ein, der beinahe zum 1:2 geführt hätte. Steigert sich danach massiv. Guter Zug, einige gelungene Dribblings. Belohnt sich mit dem Siegestor. Man sieht ihm nicht an, dass er bei Frankfurt nur wenige Spielminuten absolviert hat in dieser Saison. (In der 46. Minute für Benito eingewechselt.)

Zu kurz im Spiel für eine Bewertung:

Eray Cömert (in der 68. Minute für Rodriguez eingewechselt).
Admir Mehmedi (in der 68. Minute für Embolo eingewechselt).
Christian Fassnacht (in der 84. Minute für Seferovic eingewechselt.)